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Wohnungsnot in Deutschland-wenn Mieter keine Rechte mehr haben

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
Einfach mal schnell abgeschätzt: Es gibt also Bedarf für 400 000 Wohnungen. Bei einer Monatsmiete von 500 - 1000 € macht das ein Potential von 2,4 - 4,8 Milliarden € pro Jahr.
Wer soll sich das denn leisten können? Also hier sind die Mieten günstiger.
 

Malakim

Insubordinate
31. August 2004
13.094
Vielleicht wäre es ein guter Ansatz, das Schaffen, Erhalten und Vermieten von Wohnraum zu erleichtern und für diejenigen, die das leisten könnten, attraktiv zu machen, statt es auf wirklich jede nur erdenkliche Art bis zur Unmöglichkeit zu erschweren?

Du vergisst das man solche üblen Immobilienhaie und Kapitalisten nicht haben möchte, diese Schweine mit Besitz sind doch der Klassenfeind!

Mietpreise:
Wo soll denn diese Wohnung für 500 sein? Also hier liegen die Mieten deutlich höher :)
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
500.- incl. NK-Vorschuß 70m².
1000.- dito 123m².

Hier gibt es immer noch den Quadratmeter ab 4.60 kalt. Neubau mit Aufzug und Tiefgarage natürlich 10.-.
 

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
5.543
Du vergisst das man solche üblen Immobilienhaie und Kapitalisten nicht haben möchte, diese Schweine mit Besitz sind doch der Klassenfeind!

Stimmt natürlich. Wie konnte ich nur die vom Klassenfeind verursachten langen Jahre des Verfalls und Elends in der Bundesrepublik vergessen, in denen wir alle nur neidvoll seufzend über den Zaun auf den staatlich organisierten Wohlstand in der DDR blicken konnten?

Mietpreise:
Wo soll denn diese Wohnung für 500 sein? Also hier liegen die Mieten deutlich höher :)

Dann wird der liegen gelassene Geldhaufen noch höher …
 

Giacomo_S

Meister des Tabernakels
13. August 2003
3.660
Es gibt mehr als genug Wohnungen. Wo sollen denn die 800.000 Leute pro Jahr herkommen für 400.000 Wohnungen?

Zunächst einmal: In Deutschland leben mittlerweile >85 Mio. und nicht mehr 81 Mio, wie noch vor einigen Jahren.

Außerdem: Die Wohnungen fehlen vor allem in den Ballungsräumen, in die die Flüchtlinge kommen, während sie in den strukturschwachen Gebieten weiter leer stehen. Es ist für mich nicht einsehbar, warum Flüchtlinge in die Ballungsräume kommen müssen, wo wir sowieso schon alle um knappen Wohnraum kämpfen.
Vor dem Krieg geschützt Asyl und soziale Unterstützung bekommen: Das kann man auch in einem strukturschwachen Raum. Dazu muss man nicht nach Hamburg, Berlin, München oder Köln. Und vor allem daran muss sich etwas ändern.
 

Giacomo_S

Meister des Tabernakels
13. August 2003
3.660
500.- incl. NK-Vorschuß 70m².
1000.- dito 123m².

Hier gibt es immer noch den Quadratmeter ab 4.60 kalt. Neubau mit Aufzug und Tiefgarage natürlich 10.-.

Hier 70qm = nicht unter 1.400 €.
Quadratmeter bei Neuvermietung nicht unter 20 €, selbst für "Sozial geförderten Wohnungsbau". Mietpreisspiegel liegt inzwischen bei > 16 €.
Tendenz steigend, vor allem wenn die ganzen Mitarbeiter von Apple, Amazon und Google ihre neuen Deutschlandzentralen beziehen.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
Außerdem: Die Wohnungen fehlen vor allem in den Ballungsräumen, in die die Flüchtlinge kommen, während sie in den strukturschwachen Gebieten weiter leer stehen. Es ist für mich nicht einsehbar, warum Flüchtlinge in die Ballungsräume kommen müssen, wo wir sowieso schon alle um knappen Wohnraum kämpfen.
Eben. Gerade im Radio: Ministerin beklagt 1.6 Millionen leerstehende Wohnungen "im ländlichen Raum". Mit "ländlichem Raum meint die Hauptstadtschickeria mutmaßlich auch kleine Großstädte wie unsere oder Mittel- und Kleinstädte.
Hier 70qm = nicht unter 1.400 €.
Quadratmeter bei Neuvermietung nicht unter 20 €, selbst für "Sozial geförderten Wohnungsbau". Mietpreisspiegel liegt inzwischen bei > 16 €.
Tendenz steigend, vor allem wenn die ganzen Mitarbeiter von Apple, Amazon und Google ihre neuen Deutschlandzentralen beziehen.
Denen ist Geld ja auch egal. Die verdienen sich dumm und dämlich mit Gütern mit Grenzkosten Null. Ggüber von Kaufhof Köln liegt in allerbester, teuerster Lage ein Apple-Flagshipstore oder sowas, Glas, Licht, Luft, offene Flächen und paar Tische mit Elektrozeug drauf, die ganz klar sagen: Wir brauchen hier gar keinen Umsatz zu machen, wir leisten uns das zum Angeben.


Während jeder seriös rechnende Industriebetrieb um Münchn einen Bogen machen würde.
 

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
5.543
Die schönste und billigste Wohnung nutzt ja nichts, wenn sie nicht da steht, wo sie gebraucht wird. Und das ist normalerweise in einer halbwegs sinnvollen Entfernung zum Arbeitsplatz.

Die Klage dieser Ministerin über leerstehenden Wohnraum beeindruckt mich insofern nicht, als dass ich davon ausgehe, dass die gleiche Ministerin es auch beklagen würde, wenn 1,6 Millionen Pendler, vom billigen Wohnraum raus aufs Land gelockt, jeden Tag die Straßen mit einer Co2 erzeugenden Blechlawine verstopfen. Bisher war es das politische Narrativ, darüber die Nase zu rümpfen. Und wenn man, um dies zu beseitigen, die Mobilität bis zur schieren Unmöglichkeit bekämpft, dann muss man schon ziemlich einfältig sein. den sich zwangsläufig ergebenden Leerstand in ländlichen Regionen zu beklagen.

Was erwartet die Politik eigentlich, wenn sie alle gewachsenen und damit an der Realität orientierten und meistens funktionierenden Strukturen zerstört und durch in sich selbst widersprüchliche Phantastereien von Büllerbü ersetzt?
 

William Morris

Großmeister aller Symbolischen Logen
4. Mai 2015
3.007
Die entscheidenden Politiker haben einen Fahrdienst, der wenn nötig unten vor der Haustür steht. Berufsbedingt sind sie auch viel unterwegs, die sehen das Problem wahrscheinlich überhaupt nicht. Kosten entstehen ihnen ja dabei auch nicht.

Ich habe 35 Kilometer Fahrweg (Nein, nicht mit dem Fahrstuhl in die Hohlerde, wo ich als Saurierbändiger arbeite) und nehme dafür das Auto. Ich wohne im ländlichen Raum und pendele in die nächste Großstadt, weil mein Arbeitgeber da unbedingt hin wollte.
 

Giacomo_S

Meister des Tabernakels
13. August 2003
3.660
Denen ist Geld ja auch egal. Die verdienen sich dumm und dämlich mit Gütern mit Grenzkosten Null. Ggüber von Kaufhof Köln liegt in allerbester, teuerster Lage ein Apple-Flagshipstore oder sowas, Glas, Licht, Luft, offene Flächen und paar Tische mit Elektrozeug drauf, die ganz klar sagen: Wir brauchen hier gar keinen Umsatz zu machen, wir leisten uns das zum Angeben.

Gewerbemieten ist ja noch einmal ein ganz anderes Thema. "Wir leisten uns das zum Angeben" - mit solcher Art Showrooms steht Apple keineswegs allein.
Rund um den Münchener Marienplatz ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach und nach ein Traditionsgeschäft nach dem anderen verschwunden, stattdessen sind die Shops von Timberland, The North Face und wie sie alle heissen eingezogen.
Aber selbst diese teuren Marken können die Shops nicht wirtschaftlich betreiben, denn die Ladenmieten da liegen bei 300-500 € /qm.
Es ist ihnen offenbar egal, solange sie "New York - Munich - Eckernförde" unter ihre Werbeanzeigen drucken können.

Apple, Amazon und Google vergrößern hier gerade ihre Deutschlandzentralen. Das Land Bayern hat Apple ein Grundstück für 1 Milliarde € verkauft, und da bauen sie gerade. Für die neue Deutschlandzentrale wollen sie Tausende von hochqualifizierten Mitarbeitern in die Stadt holen.
Tim Cook steht auf München, das hat er selbst gesagt.
Die Stadt München hat eine große Anziehungskraft für junge Leute, denn sie hat auch einen hohen Freizeitwert. Außerdem sind die Berge, Österreich und Italien nicht weit.

Natürlich sind für eine Stadt solche Unternehmen auch ein Gewinn. Prinzipiell finde ich es auch wünschenswert, wenn sich solche Firmen hier ansiedeln.
Nur: Es fehlt ihnen leider die Bereitschaft, für ihre Mitarbeiter auch Werkswohnungen zu bauen, und da liegt der Hase im Pfeffer.
Die Süddeutsche Zeitung (SZ) hat bei diesen Firmen zum Thema Werkswohnungen kürzlich angefragt.
Amazon äußerte sich überhaupt nicht. Apple verwies auf Einträge ihrer HP, die nichts beantworten. Google antwortete in dem Sinne: Nein, man beabsichtige nicht, Werkswohnungen zu bauen. Das würden die Mitarbeiter von Google auch gar nicht wünschen, denn sie "wollten sich frei entwickeln". Außerdem hätte Google viele Mitarbeiter im zeitweisen Homeoffice, und die würden eh lieber auf dem Land wohnen.

Für die "freie Entwicklung" der Mitarbeiter der Fa. Google wünsche ich viel Erfolg. Denn selbst sie werden bald einsehen müssen: Sie können die Wunschstelle leider nicht annehmen, denn sie bekommen keine bezahlbare Wohnung. Und "das Land", oder der sog. "Speckgürtel" ist um München, betreffend die Mietpreise, schlicht nicht existent. Solange eine Ortschaft noch an die S-Bahn angeschlossen ist, sind die Preise genauso hoch wie in München selbst. Da macht selbst Dachau keine Ausnahme, und Starnberg ist noch teurer. Günstiger wird es erst ab einer Stunde Fahrzeit mit dem Auto außerhalb der Stadt ... und jeden Tag drei Stunden Fahrzeiten zur und von der Arbeit aufwänden: Wie lange will man das denn machen?

Für die Menschen mit dem Blue Collar Job entwickelt sich das hier zu einem Albtraum. Die Stadt München war schon immer teuer, aber früher haben das höhere Löhne wenigstens zum Teil ausgeglichen. Mittlerweile sollen wir hier dasselbe verdienen wie überall woanders, aber deutlich mehr bezahlen.
Das kann's nicht sein - nur weil bestimmte Kreise ihre Träume von einem "Isar-Valley" haben.

Was mich selbst betrifft, so werde ich demnächst ein Gespräch mit der Geschäftsleitung meines Betriebes suchen. Man soll zwar nie mit der Kündigung drohen, und das habe ich auch nicht vor. Andererseits ist meine Wohnsituation nicht dauerhaft gelöst, und wenn mich der Betrieb als zuverlässigen und qualifizierten Mitarbeiter halten will, dann müssen sie sich etwas ausdenken und etwas für mich organisieren. Dafür haben sie noch einige Monate Zeit, und persönlich finde ich das besser und anständiger, als dass ich eines Tages mit meiner Kündigung in der Hand im Büro stehe.

Denn anderenfalls habe ich gar keine andere Wahl, als die Stadt zu verlassen und dies endgültig.
Derzeit orientiere ich mich sogar für Österreich: Dasselbe oder sogar mehr verdienen, deutlich weniger bezahlen.
 

Giacomo_S

Meister des Tabernakels
13. August 2003
3.660
Die schönste und billigste Wohnung nutzt ja nichts, wenn sie nicht da steht, wo sie gebraucht wird. Und das ist normalerweise in einer halbwegs sinnvollen Entfernung zum Arbeitsplatz.

Und warum verlegt man nicht die Flüchtlinge in den ländlichen Raum? Pendeln müssen sie nicht, und die Sozialknete beziehen können sie auch da.

Die Klage dieser Ministerin über leerstehenden Wohnraum beeindruckt mich insofern nicht, als dass ich davon ausgehe, dass die gleiche Ministerin es auch beklagen würde, wenn 1,6 Millionen Pendler, vom billigen Wohnraum raus aufs Land gelockt, jeden Tag die Straßen mit einer Co2 erzeugenden Blechlawine verstopfen. Bisher war es das politische Narrativ, darüber die Nase zu rümpfen. Und wenn man, um dies zu beseitigen, die Mobilität bis zur schieren Unmöglichkeit bekämpft, dann muss man schon ziemlich einfältig sein. den sich zwangsläufig ergebenden Leerstand in ländlichen Regionen zu beklagen.

Die Menschen, wahrscheinlich sogar die meisten, würden schon auch mit der Bahn fahren, wenn es die Anbindungen gäbe und wenn die Verbindungen regelmäßig und verlässlich wären. Ich habe einige Kollegen, die mit der S-Bahn in die Stadt rein und wieder raus fahren. Sie ist sogar - selbst Nachts, wenn kein Verkehr auf den Straßen mehr ist - die schnellste Verbindung, schneller als mit jedem Auto. Im Berufsverkehr sowieso, denn da ist die Stadt dicht. Und preiswerter ist es auch.

München baut gerade an neuen S-Bahn-Strecken, lange hat's gedauert. Eigentlich hätte man das schon vor 20 Jahren tun müssen.
Aber zwischenzeitlich träumte ein Herr Stoiber ja von seiner Magnetschwebebahn, für die Reichen, zum und vom Flughafen.
Die sog. "Stammstrecke" (= alle S-Bahn-Linien parallel innerhalb der Stadt) ist das Nadelöhr, man baut daher die "2. Stammstrecke".
Die Münchener S-Bahn war bei ihrer Inbetriebnahme 1972 für 135.000 Fahrgäste täglich ausgelegt. Mittlerweile befödert die Münchener S-Bahn aber mehr als 390.000 Fahrgäste täglich - das Dreifache!
Auf der Stammstrecke kann kein höherer Takt mehr gefahren werden, denn dort herrscht (alle Linien!) bereits ein 2-Minuten-Takt. Mehr geht nicht. Die kleinste Störung an einem Zug bringt regelmäßig das gesamte System zum Kollaps.

Aber das sind im Vergleich zu dem,was ich im August in NRW mit der DB erleben durfte, geradezu paradiesische Zustände. Buchstäblich weiß man nicht, ob ein Zug kommt (= "ersatzlos gestrichen"), wenn er kommt, wann er kommt (Verspätung) und wenn er einfährt, auf welchem Gleis (wird 2 Minuten vorher geändert, Durchsage, aber absolut unverständlich. Dann Gleis 12, anstatt Gleis 1. Wege beschildert, aber auf diesem Weg unpassierbar, da gerade Baustelle).
Mal ehrlich: Ich bin schon in einem Schwellenland (Marokko) durchaus verlässlicher gefahren.
Für eine Urlaubsreise mag man dies hinnehmen können, aber nicht, wenn man jeden Tag zur oder von der Arbeit fahren will.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
Natürlich. Mit dem PKW 20 Minuten, mit dem Bus über eine Stunde mit Umsteigen. Im Regen.
Aber das sind im Vergleich zu dem,was ich im August in NRW mit der DB erleben durfte, geradezu paradiesische Zustände.
Klingt wie bei uns. Entweder Signalstörung oder Bauarbeiten oder jeder einzelnbe Zug wird erst verspätet gemeldet und fällt dann aus. Liegt auch daran, daß die Staatsbahn das Geschäft der Privatbahnen mit allen Mitteln hintertreibt.
 

Malakim

Insubordinate
31. August 2004
13.094
Natürlich. Mit dem PKW 20 Minuten, mit dem Bus über eine Stunde mit Umsteigen. Im Regen.

Klingt wie bei uns. Entweder Signalstörung oder Bauarbeiten oder jeder einzelnbe Zug wird erst verspätet gemeldet und fällt dann aus. Liegt auch daran, daß die Staatsbahn das Geschäft der Privatbahnen mit allen Mitteln hintertreibt.

Mein Sohn muß jeden Tag Regionalbahn fahren.
Er macht seit Monaten eine Erhebung und die Bahn kommt an 7 von 10 Tagen signifikant zu spät. Obwohl er so fährt das er über 30min vor Unterrichtsbeginn
in der Schule ankommen sollte kommt er an 5 von 10 Tagen zu spät zum Unterricht.

Oder wie die Grüne Elite der Gesellschaft auf einem Plakat so schön formulierte:
"Tschüß Frust, hallo Bahn" in der gleichen Informierten Art wie alles andere was die anfassen.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
Bei uns jetzt der größte Witz: Wir haben eine regionale Bahnstrecke vor einigen Jahren stillgelegt. (Wir waren mal kriegswichtiger Knotenpunkt, jetzt sind wir Haltepunkt. 36 von 38 Gleisen sind weg. Natürlich auch alle Industriegleise.) Eine Zeitlang gab es Draisinenbetrieb, dann wurden sicherheitshalber die Gleise entfernt, damit niemand etwa auf die Idee kommt, wieder Bahnbetrieb einzurichten, und um ganz auf Nummer sicher zu gehen, wurden Brücken zerstört und durch leichte Stege ersetzt, die Strecke ist jetzt Radweg. Wäre ja schlimm, wenn man wieder zuverlässigen ÖPNV einrichten könnte. Jetzt schlägt die Politik vor, wieder Bahnbetrieb einzurichten. Mit Straßenbahnen.
 

Vercingetorix

Großer Auserwählter
22. Juli 2018
1.767
Ich danke euch für die Schilderungen des schlechten Zustands des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Es zeigt mir wieder einmal sehr deutlich wie gut ich es in der Schweiz habe. Ich fahre jeden ca. 20 min. zur Arbeit und wieder nachhause mit der Strassenbahn. Etwa alle 8 Wochen verspätet sich diese mal um ein paar Minuten.

Züge der Bundesbahnen sind, sofern es keine internationalen Verbindungen sind, zu ca. 95% pünktlich und falls nicht beträgt die Abweichung oft nur wenige Minuten.
 

Giacomo_S

Meister des Tabernakels
13. August 2003
3.660
Ich danke euch für die Schilderungen des schlechten Zustands des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Es zeigt mir wieder einmal sehr deutlich wie gut ich es in der Schweiz habe. Ich fahre jeden ca. 20 min. zur Arbeit und wieder nachhause mit der Strassenbahn. Etwa alle 8 Wochen verspätet sich diese mal um ein paar Minuten.

Züge der Bundesbahnen sind, sofern es keine internationalen Verbindungen sind, zu ca. 95% pünktlich und falls nicht beträgt die Abweichung oft nur wenige Minuten.

Fairerweise sollte man sagen: In und um die Ballungsräume funktioniert es eigentlich zuverlässig.
Deutschland ist kein Schnellboot, sondern ein Riesentanker, der langsam dahin dümpelt.
Es wird zuviel gequatscht und zuwenig getan. Die deutschen Tugenden Fleiß, Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit sind nur noch schöne Worte für's Poesiealbum.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was mit den Leuten eigentlich los ist?
Die Reservierungen für unser Mittagsrestaurant nehmen wir mittlerweile kaum noch ernst. Denn sie entsprechen einfach in der Praxis zu selten dem, was am Ende dabei heraus kommt. Vorgestern war eine Gruppe mit 22 Personen (Firma) à la carte reserviert. Es kamen dann 10 Gäste. Man entschuldigte sich, die anderen seien ... krank.
Was ist denn das, wie können in einer Firma mehr als die Hälfte der Mitarbeiter "krank" sein? Wie soll ein Unternehmen so funktionieren können, wer soll das bezahlen? Letztlich am Ende wir alle, oder?

So ergeht uns das laufend, ständig. Firmen reservieren Gruppen, die ziemlich zu spät oder einfach gar nicht kommen. Es wird nicht abgesagt, dafür kommt spontan eine andere Gruppe derselben Größe. Die Leute wollen Mittags ein ordentliches, zügiges und preiswertes Essen - aber wie soll das denn funktionieren, wenn es Null planbar ist? Sich jede Option jederzeit offen halten, und ohne Rücksicht auf Verluste jederzeit ohne Ansage zurücktreten: Das könnte man schon haben.
Nur: Dann müsste es das Dreifache kosten, denn wir bräuchten doppelt soviele Mitarbeiter und würfen auch dreimal soviel weg. Will man das? Nicht wirklich, oder?

Es ist mir ein Rätsel, warum nun, wo Corona vorbei ist, immer noch dieses Homeoffice (HO) gehypt wird. Denn das HO generiert sich für ein Unternehmen wie das unsere zum alltäglichen Albtraum. Mal kommen fünf Gäste, am Tag darauf 50 - und keiner weiß, wieso und warum. Funktionieren soll aber natürlich trotzdem immer alles.
Außerdem: Kann ich, als Koch, im HO arbeiten? Nein, ich habe im Betrieb zu erscheinen und kann mein Nickerchen auf dem Sofa nicht zum HO deklarieren.
Ganz persönlich: Nein, ich find's nicht fair. Nicht nur mir gegenüber, sondern auch allen anderen Arbeitnehmern gegenüber, die jeden Tag ordentlich ihre Arbeit tun - und nicht "von Zuhause" aus arbeiten können: Der Handwerker, die Krankenschwester, der Fahrer und viele, viele andere. Aber die braucht ja wohl keiner mehr ...
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
Ich danke euch für die Schilderungen des schlechten Zustands des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Es zeigt mir wieder einmal sehr deutlich wie gut ich es in der Schweiz habe. Ich fahre jeden ca. 20 min. zur Arbeit und wieder nachhause mit der Strassenbahn. Etwa alle 8 Wochen verspätet sich diese mal um ein paar Minuten.

Züge der Bundesbahnen sind, sofern es keine internationalen Verbindungen sind, zu ca. 95% pünktlich und falls nicht beträgt die Abweichung oft nur wenige Minuten.
Wo es Straßenbahnen gibt, sind sie nach meiner Erfahrung in der Regel sauber und pünktlich. Ich bin Fan. Viel verbreiteter sind aber gefühlt U-Bahnen, die ich klaustrophobisch und schmuddelig finde. Eine hervorragend zweckmäßige Verbindung sind sie meiner Erfahrung nach trotzdem, Verstätungen sind selten und der Takt ist eng. Busse, die im Individualverkehr mitschwimmen müssen, sind dagg. eine Krankheit. Ständiges Bremsen und Anfahren und Absenken zur Seite, und nicht schneller als ein PKW im Stau.

Die Bundesbahn ist leider ein Opfer von gefühlt dreißig Jahren Mißmanagement. Der Betrieb sollte für einen Börsengang wirtschaftlich gemacht werden, und der langjährige Chef kam meines Wissens aus der Luftfahrtbranche. Es wurde nur noch Wert auf die langen Schnellstrecken zwischen den Metropolen gelegt, die Bahnhöfe zu Malls mit Sonntagseinkaufsmöglichkeit umgestaltet und der Betrieb in der Fläche völlig vernachlässigt. Regionalbahnhöfe sind erbärmlich verkommen, am liebsten sind der Bahn Haltepunkte ganz ohne Infrastruktur. Nebenstrecken werden stillgelegt und wenn möglich, s.o., zerstört, damit der Politik nicht irgendwann einfallen kann, die Wiederaufnahme des Betriebes verpflichtend zu machen. Die Privatbahnen, die sich um den Regionalverkehr bewerben, sind normalerweise sauberer, pünktlicher und moderner, aber sie werden mit allen Mittel sabotiert. Personal ist knapp.

Vor Jahren hat die Bahn einmal eine Großstadt zu erpressen versucht: Ein größeres Bahnglände sollte verkauft und darauf ein Einkauszentrum hundert Meter neben der historischen Innenstadt errichtet werden, in der es immer noch ein komplett durchmischtes urbanes Geschäftsleben vom Supermarkt über das MacDonald's bis zur Universitätsbuchhandlung gab. Die Stadt wollte nicht. Die Bahn drohte, die Stadt vom ICE-Verkehr und damit vom Tourismus abzuhängen und nie mehr einen Pfennig in die Modernisierung des Bahnhofs zu stecken. Im Bürgerentscheid wurde das Einkaufszentrum abgeschmettert, und ich glaube, die Bahn hat das mit dem Investituionsstop wirklich gemacht, jedenfalls dürfte es bis heute keine Rolltreppen geben.

Zur Pünktlichkeit der Schweizer Bahnen sei angemerkt, daß die Fernstrecken in Deutschland sehr viel länger sind. In der Schweiz können sich solche Verspätungen wie auf der Strecke Berlin - Stuttgart gar nicht aufschaukeln.
 

Giacomo_S

Meister des Tabernakels
13. August 2003
3.660
Die Bundesbahn ist leider ein Opfer von gefühlt dreißig Jahren Mißmanagement. Der Betrieb sollte für einen Börsengang wirtschaftlich gemacht werden, und der langjährige Chef kam meines Wissens aus der Luftfahrtbranche. Es wurde nur noch Wert auf die langen Schnellstrecken zwischen den Metropolen gelegt, die Bahnhöfe zu Malls mit Sonntagseinkaufsmöglichkeit umgestaltet und der Betrieb in der Fläche völlig vernachlässigt. Regionalbahnhöfe sind erbärmlich verkommen, am liebsten sind der Bahn Haltepunkte ganz ohne Infrastruktur. Nebenstrecken werden stillgelegt und wenn möglich, s.o., zerstört, damit der Politik nicht irgendwann einfallen kann, die Wiederaufnahme des Betriebes verpflichtend zu machen. Die Privatbahnen, die sich um den Regionalverkehr bewerben, sind normalerweise sauberer, pünktlicher und moderner, aber sie werden mit allen Mittel sabotiert. Personal ist knapp.

Mittlerweile bauen sie teils stillgelegte Nebenstrecken wieder auf, und wo sie in Betrieb genommen wurden, da werden sie auch genutzt. Die Menschen wollen mit der Bahn fahren, es ist ein Trauerspiel, was da in der Vergangenheit passiert ist.
Geradezu albern muss es einem vorkommen, dass allerlei digitaler Schnickschnack, Apps für's Handy usw. usf. umworben wird, für Züge, die nicht oder wesentlich zu spät fahren. Aha: Eine schicke App, die mir mitteilt, dass mein Zug nicht fährt. Super, das habe ich gebraucht.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
20.206
Und wir wollen mal schweigen von der systematischen Vernichtung des Güterverkehrs. Welches Unternehmen hat noch Bahnanschluß? Das war einmal völlig normal.
 

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