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Wutindustrie - Rage Economy - Postjournalismus - Hate Inc. - Divide et impera

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.785
Es wird vielleicht mal Zeit, dass wir explizit über die ganze Hassindustrie reden, die sich sowohl im Mainstreamjournalismus als auch in alternativen Medien breitgemacht hat.

Ich fände es super, wenn wir hier die politische Lagerhaltung inklusive eigener Sozialisierung für diesen Thread bestmöglich ignorieren und stattdessen eben den kritischen Blick etwas drehen und erweitern könnten: auf eben diese ob aus ökonomischen oder ideologischen Gründen von vielen Quellen geförderte Polarisierung.

Hier einige Beiträge zur Thematik - zunächst The Intercept zur Rolle der sozialen Medien, die durch das Schüren von Hass Leute zum Klicken animieren:
Just as the advertising model incentivized news outlets to project a business-friendly view of the world, the new model requires readers to stay not just satisfied but also engaged enough that they are willing to maintain economic support. Unfortunately for society as a whole, one of the best ways to monetize engagement on the internet is by generating anger and hatred, usually directed at some other group of people. This rage-driven model is at the heart of what Mir calls postjournalism.

Taibbi über sein Buch "Hate Inc.", das sich nicht zuletzt auf große Medien wie die Fernsehsender auf beiden Seiten der US-Politik (Fox News und Co. versus MSNBC und Co.) bezieht, und Veränderungen in den letzten vier Jahren:
The Trump era played out like a hyperbolic parody of Hate Inc., as the last four years saw wild contradictions in media. Some companies, particularly cable stations, made record profits during a period that will be remembered as a financial boom time for some. However, journalists overall got clobbered, with local news especially shedding jobs at a horrific rate. Trust in the press also dropped precipitously, thanks among other things to a mind-blowing quantity of scandals and factual fiascoes.

Und noch Greenwald zur Rolle der großen Medienorganisationen und der Verschiebung journalistischer Prioritäten:
"I’ve written before about one particularly toxic strain of this authoritarian “reporting.” Teams of journalists at three of the most influential corporate media outlets — CNN’s “media reporters” (Brian Stelter and Oliver Darcy), NBC’s “disinformation space unit” (Ben Collins and Brandy Zadrozny), and the tech reporters of The New York Times (Mike Isaac, Kevin Roose, Sheera Frenkel) — devote the bulk of their “journalism” to searching for online spaces where they believe speech and conduct rules are being violated, flagging them, and then pleading that punitive action be taken (banning, censorship, content regulation, after-school detention). These hall-monitor reporters are a major factor explaining why tech monopolies, which (for reasons of self-interest and ideology) never wanted the responsibility to censor, now do so with abandon and seemingly arbitrary blunt force: they are shamed by the world’s loudest media companies when they do not."

Thesen:
1. Die Polarisierung im Mainstream und in den sozialen Medien wird von Ausnahmen abgesehen aus ökonomischen Gründen auf allen Seiten weiter zunehmen
2. Die Polarisierung in den sozialen Medien wird gleichzeitig von den großen Medien massiv verwendet werden, um Skandalstories über kleine unabhängige Kommentatoren oder Privatpersonen zu finden und Stimmung für Zensur, Überwachung etc. zu machen
3. Kritischer Journalismus mit Distanz zu Politik und Wirtschaft wird weiter noch seltener werden
4. PR und oberflächliche Skandalstories im Mainstream ersetzen weiter zunehmend inhaltliche Auseinandersetzungen und Recherche zu wichtigen gesellschaftlich bedeutenden Themen, da einfach zu produzieren, hohe Klickzahlen und weniger verfänglich bei Politik und Wirtschaft
5. Auch bei Unabhängigen zunehmende polarisierende Agitation und zudem zunehmende Notwendigkeit, sich finanziell mit Sponsoren und Anbietern zu arrangieren

Aus verschwörungstheoretischer Sicht ist diese Entwicklung höchst interessant. Man könnte bspw. spekulieren, dass die ganze Polarisierung inklusive Trump, Q-Anon, der ganzen Migrations- und Klimadiskussionen usw. vor allem dem Zweck dient, trotz Globalisierung und Digitalisierung ein Meinungsmonopol zu gewährleisten.
 
Zuletzt bearbeitet:

Giacomo_S

Ritter Rosenkreuzer
13. August 2003
2.793
Ach, das ist doch alles nichts Neues.
In meiner Zeit in der Werbebranche gab es tatsächlich Kollegen, die Joseph Goebbels studierten oder dies wollten. Nicht, weil sie Nazis oder auch nur keine Demokraten gewesen wären, sondern weil Goebbels in gewisser Weise als eine Art Vordenker der Werbung angesehen wird und tatsächlich manchen Dreh erfunden haben soll, der noch heute in der einen oder anderen Weise angewendet wird.

Was sich verändert hat sind nicht die rhetorischen Methoden oder die Inhalte. Verändert hat sich nur das Tempo und der Umfang ihrer Verbreitung.
Dieser ganze Irrsinn interessiert die Menschen ohnehin nur, wenn sie der Meinung sind, es ginge ihnen ökonomisch schlecht. Ansonsten prallt es an ihnen ab.
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.785
Ach, das ist doch alles nichts Neues.
In meiner Zeit in der Werbebranche gab es tatsächlich Kollegen, die Joseph Goebbels studierten oder dies wollten. Nicht, weil sie Nazis oder auch nur keine Demokraten gewesen wären, sondern weil Goebbels in gewisser Weise als eine Art Vordenker der Werbung angesehen wird und tatsächlich manchen Dreh erfunden haben soll, der noch heute in der einen oder anderen Weise angewendet wird.

Was sich verändert hat sind nicht die rhetorischen Methoden oder die Inhalte. Verändert hat sich nur das Tempo und der Umfang ihrer Verbreitung.
Dieser ganze Irrsinn interessiert die Menschen ohnehin nur, wenn sie der Meinung sind, es ginge ihnen ökonomisch schlecht. Ansonsten prallt es an ihnen ab.
Neben Werbebranche und PR gab es früher eben noch den Journalismus mit überzeugten investigativ recherchierenden Leuten. Heute ist klar, dass es da so kommerziell vergleichsweise wenig zu holen gibt und im Vergleich zu früher sind auch die teils aus zeitgeschichtlicher Erfahrung entstandenen Überzeugungstäter verschwunden. Klar gab es schon immer PR und Journalisten, die nicht investigativ berichtet haben. Inzwischen wird jedoch schon an den Universitäten von den verbliebenen Profis ganz offen erzählt, das heutzutage mit echtem Journalismus kein Geld mehr verdient werden kann, bzw. nur noch eine handvoll Leute damit wirklich Geld verdienen können, und der Rest eben zur PR geworden ist, wo man sich locker seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Kaum jemand nimmt Journalismus noch ernst, kaum jemand wählt noch Journalismus mit Überzeugung als Profession, im Glauben die Bevölkerung wirklich aufklären zu können.

Insgesamt sind es imho nicht nur leichte quantitative Verschiebungen, sondern ganz massive Veränderungen, die den Kern unserer gesellschaftlichen Institutionen betreffen. Deshalb drehen imho auch einige der verbliebenen auf kritische Recherche und Analyse getrimmten Leute wie Greenwald am Rad und verlassen die von ihnen selbst aufgebauten Institutionen, da sie sehen, was im Gange ist und fürchten, was kommt.

Wenn ein Boot langsam unter geht, kann man auch behaupten, dass es ja keine neue Veränderungen gibt und alles ungefährlich ist, da es genau wie vorher weitergeht ;)
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
18.295
Kaum jemand nimmt Journalismus noch ernst, kaum jemand wählt noch Journalismus mit Überzeugung als Profession, im Glauben die Bevölkerung wirklich aufklären zu können.
Wenn Du hier einen Willen zur politisch wirklich neutralen Aufklärung, zum berühmten "Erzählen, was ist" voraussetzt, mag das stimmen. An jungen Journalisten mit einer politischen Überzeugung, die ihr Wirken sicher auch Aufklärung würden nennen wollen, besteht imho kein Mangel. Ansonsten hast Du natürlich recht.
 

ElfterSeptember

Großer Auserwählter
9. August 2012
1.530
Dieser ganze Irrsinn interessiert die Menschen ohnehin nur, wenn sie der Meinung sind, es ginge ihnen ökonomisch schlecht. Ansonsten prallt es an ihnen ab.
Genau so eine Sichtweise sehe ich als das große Problem an.
Zuletzt habe ich mich über einen Beitrag von jemanden in den (a)sozialen Medien aufgeregt, der die Situation von Menschen im Lockdown bzw. In Quarantäne mit denen von Tieren, die eingesperrt sind, verglich.
Uns ginge es doch gut im Vergleich zu den schrecklich leidenden Tieren.
Muss man wirklich erst in einem Käfig eingesperrt sein, um sich beschweren zu dürfen?
Muss es mir wirklich erst „ökonomisch schlecht„ gehen, bevor ich meinen Mund aufmachen darf?

Mir z.b. geht es momentan ökonomisch so gut, wie noch nie in meinem Leben, aber ich sehe da Gefahren auf uns zukommen und ich sehe, dass auch der Wohlstand meiner Mitmenschen in Zukunft in großer Gefahr ist, und das prallt nicht einfach an mir ab. Und deshalb mache ich meinen Mund auf und streite mich.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
18.295
Beispiel aus dem Chat, via Stauder:


„Für uns ist klar: Der Kampf für Klimagerechtigkeit muss immer antifaschistisch sein. Wir sind mit der Gruppe im Gespräch und arbeiten das intern auf.“
 

paisley

Erhabener auserwählter Ritter
11. Februar 2014
1.135
„bloßes Ignorieren ist noch keine Toleranz.“ Theodor Fontane

„Sie wird gebraucht, unsere Schuld, sie rechtfertigt viel im Leben anderer.” Max Frisch

wer mit Vorverurteilungen Ausgrenzung betreibt kann sich sicher sein
auf diese billige und mühelose Art und Weise Fronten zu verhärten
und in pharisäischem Gehabe dem Dehumanisierungsprozeß Vorschub zu leisten.

"In solchen Momenten sind Dehumanisierungs-Prozesse zu beobachten. Die Person wird nicht mehr als Mensch gesehen, sondern als Objekt, das beleidigt und vernichtet werden kann", erklärt Mecklenburg am Telefon.“
Quelle https://www.t-online.de/unterhaltun...dt-25-und-der-hass-sie-war-veraengstigt-.html
 

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.785
Wenn Du hier einen Willen zur politisch wirklich neutralen Aufklärung, zum berühmten "Erzählen, was ist" voraussetzt, mag das stimmen. An jungen Journalisten mit einer politischen Überzeugung, die ihr Wirken sicher auch Aufklärung würden nennen wollen, besteht imho kein Mangel.
Guter Punkt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die sich nicht auch direkt explizit zu einem neuen Verständnis von aktivistischem Journalismus o.ä. bekennen würden. Übergänge zwischen Journalismus und Aktivismus können wohl auch teilweise fließend sein, wenn man etwa eine Information weglässt, die dem Narrativ widerspricht, weil man wirklich überzeugt ist, dass sie nicht relevant ist. Es gibt sicher viele Möglichkeiten, sich einzureden, dass man ja doch irgendwie ganz gute Arbeit macht...

---

Hier noch etwas am Rande der Thematik zum Factchecking durch die "Waschpulver-2%-günstiger-im-Prime-Dauerauftrag" Post:
Etwas älter zum gleichen Thema:
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
18.295
Hm, ja, ein Bekenntbnis zum aktivistischer Journalismus scheint heute salonfähig, wobei das perfide ist, daß man sich nicht dazu bekennt, Partei zu sein, sondern die einzig richtige Partei, und daß man anderen nicht den Kompromiß anbietet, sondern die Möglichkeit, sich anzuschließen. Die Überwindung der Spaltung soll immer durch den Übertritt derr anderen auf die eigene Seite erfolgen.
 

William Morris

Ritter Rosenkreuzer
4. Mai 2015
2.710
Hat es vielleicht auch damit zu tun, früher hat man eine Zeitung gefüllt und was die Leute davon wirklich gelesen haben, wusste man am Ende nur recht ungenau. Heute kann man durch die Klicks genau sehen, was die Leute interessiert und worauf sie anspringen. Trump als recht kontroverser Politiker hat davon ja durchaus profitiert. Er hat irgendwas Dummes getwittert, es kam die Meldung und die Forenbeiträge explodierten. Wenn jetzt jemand wie Biden einfach nur die Arbeit macht, die man als Präsident eben macht, das ist natürlich oft nicht so spannend und demzufolge wird auch weniger berichtet. Und da gibt es dann sicher auch wieder welche, die fragen, was macht der Biden eigentlich.
 

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.785
Hat es vielleicht auch damit zu tun, früher hat man eine Zeitung gefüllt und was die Leute davon wirklich gelesen haben, wusste man am Ende nur recht ungenau. Heute kann man durch die Klicks genau sehen, was die Leute interessiert und worauf sie anspringen.
Ja, das leuchtet leider ein. Früher konnte man sich besser einreden, dass es Sinn ergibt, auch für anspruchsvolle und differenzierte Beiträge zu bezahlen...
 

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.785
Die Überwindung der Spaltung soll immer durch den Übertritt derr anderen auf die eigene Seite erfolgen.
Ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass Beiträge ganz versöhnlich beginnen und dann in sowas umschlagen. Man kann vielleicht sagen, dass die Lager teilweise schon so stark polarisiert sind, dass alles andere als vollständiger Verrat wahrgenommen wird...
 
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