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Der Fall Wirecard

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.202
Der größte Betrugsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte dümpelt in der Presse so vor sich hin. Fast nur die Münchener Süddeutsche Zeitung berichtet darüber, man gewinnt beinahe den Eindruck, es handele sich um die Lokalnachrichten.
Wenn es real überhaupt Verschwörungen gibt, dann kommt der Fall Wirecard meinem Verständnis von Verschwörungen ziemlich nahe:

- Da wird 2015 auf Mauritius ein Fond gegründet, von dem keiner weiß, wem er gehört. Der Fond kauft für 35 Millionen € drei indische Unternehmen auf, die nur vier Wochen später dann von Wirecard gekauft werden. Für 315 Millionen €, wobei ein Wirtschaftsprüfer von EY ( Wirtschaftsprüfer- und Beraterkonzern, ehemals Ernst & Young) intern feststellt, der Betriebsgewinn sei künstlich erhöht worden, mit z.T. zukünftigen Gewinnen.
- Die Forensiker von EY prüfen 11 Monate lang, angefragte Unterlagen werden von Wirecard verspätet oder gar nicht zur Verfügung gestellt.
- Die Untersuchung wird ohne Abschlussbericht wird eingestellt, EY erteilt kurz darauf das Testat.
- Der Vorstand Jan Marsalek verschwindet mit unbekanntem Aufenthaltsort von der Bildfläche und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er soll möglicherweise Kontakte zu russischen Geheimdienst-Mitarbeitern gehabt haben.
- Der Insolvenzverwalter von Wirecard, Michael Jaffé, dessen Aufgabe es ist, Gläubiger ggf. zu befriedigen, findet praktisch überhaupt kein Vermögen der Fa. Wirecard vor. Dafür aber 3,2 Mrd. € Schulden - wobei Jaffé zumindest nicht ausschließen will, EY habe nachlässig geprüft und somit für Schäden haftbar.
- EY weist alle Vorwürfe zurück und erklärt seit Monaten, man sei von Wirecard getäuscht worden.

SZ vom 5.10.20: Wirecard-Ermittler verzweifeln am Mauritius-Rätsel

Aber was bitte ist ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen bitte schön denn wert, das sich täuschen lässt? Geht es bei dem ganzen Prozedere nicht genau darum, Täuschungen und Betrug zu erkennen und zu verhindern?
Jaffé hat bei Wirecard ein solches Chaos an undurchsichtigen Vorgängen gefunden, dass deren Aufklärung nicht Monate, sondern Jahre dauern dürfte. Wie kann es sein, dass Wirtschaftsprüfungsunternehmen einen derartig dicken Hund übersehen? Übersehen wollen?
Wie kann heutzutage überhaupt noch ein gesuchter Verdächtiger so lange von der Bildfläche verschwinden, und sei es weltweit?

Würde man mir diese Story in einem Kinofilm präsentieren, dann würde ich abwinken. An den Haaren herbeigezogen, würde ich zischen. Aber die Realität hat ja bekanntlich der Fiktion Eines voraus: Sie muss sich nicht an die Realität halten.

NB: Das Unternehmen, das jetzt statt der ausgeschiedenen Fa. Wirecard in den DAX nachrückt, ist das Esssenlieferunternehmen Deliveroo. Deliveroo hat noch nie in seiner Firmengeschichte einen Gewinn erzielt und schreibt bis heute rote Zahlen. Auch so ein Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte, möchte man meinen.
 

IchMagMeinStauder

Meister vom Königlichen Gewölbe
6. Februar 2017
1.379
Es klingt für mich so, als habe dieses Unternehmen bewusst im Geheimdienstlichen Dunstkreis agiert. Irgendwoher muss das Geld für die schwarzen Kassen ja kommen.

Die beiden "Selbstmorde" im hessischen Finanzministerium hängen von meinem Gefühl her damit zusammen.
 

MatScientist

Ritter vom Osten und Westen
21. März 2014
2.458
der Betrug wie bei Wirecard ist gang und gäbe...die volumenstärkste Cryptowährung Tether ist zB Betrug. Wie bei Wirecard sagen sie sie haben in einem Treuhandkonto ein paar Milliarden liegen damit 1 Tether den Gegenwert von 1 Dollar hat. Alles gefälscht und gelogen.

Die offiziellen Stellen sollten lieber still sein....sowohl die "Goldforderungen" der Bundesbank beruhen auf deutschem Gold das schon längst weg ist, eingeschmolzen in Hongkong.

Die 2700 Beamten der Bafin haben sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Es gab sogar Bafin Mitarbeiter die privat shortpositionen gegenüber Wirecard aufgebaut haben, weil sie vom Zusammenbruch wussten.

Da würde ich gern arbeiten....den ganzen Tag Kaffee saufen, nix tun, gute Rente und privat mit Insiderinfos mit Aktien rumzocken...
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.202
Die Wirtschaftsprüfer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young üben sich vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages im Schulterzucken.

Christian Orth, 51 Jahre alt, Wirtschaftsprüfer und Leiter der Qualitätssicherung bei EY, wies das im Bundestag zurück. Alle bei EY hätten sich gewünscht, diesen Betrug früher aufzudecken, sagte er. "Es ist am Ende des Tages Straftätern mit hoher krimineller Energie gelungen, uns alle zu täuschen."
[...]
Doch Orth berichtete auch, die Prüfer hätten es jahrelang nicht für nötig gehalten, eine Bestätigung der Banken für die Existenz von Treuhandkonten in Asien einzuholen. Stattdessen habe man sich bis zum Jahre 2020 auf die Bestätigung der Treuhänder verlassen. "Das Prüfungsteam ist davon ausgegangen, angemessene und ausreichende Prüfungsergebnisse zu haben", sagte er.
Auch der frühere EY-Deutschland-Chef Hubert Barth rechtfertigte das Vorgehen. Man könne zwar viel aufdecken, sei aber nicht die Kriminalpolizei, sagte er. Barth hat inzwischen seinen Posten an der Spitze von EY geräumt.
Auf die Frage, ob die Wirtschaftsprüfer Fehler gemacht hätten, antwortete er, die Mitarbeiter hätten nach bestem Gewissen geprüft und sich an die bei EY geltenden Standards gehalten. Auch er selbst habe sich nichts vorzuwerfen.
[...]
Die Abgeordneten reagieren ungläubig. Alles deute darauf hin, dass die Treuhandkonten nicht ausreichend geprüft wurden, sagte der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar. "EY hat sich über Jahre hinweg mit dem wenigen abspeisen lassen, was Wirecard bereit war anzubieten."
Wirtschaftsprüfer von EY auf der Suche nach den Wirecard-Milliarden

Man würde wohl jeden Fahrscheinkontrolleur rauswerfen, der den Fahrschein nicht überprüft, weil er allein auf die Aussage des Fahrgastes vertraut, er habe einen, irgendwo in einer anderen Jacke. Man kann jeden kriminalisieren, der auch nur unerlaubterweise sein Konto um ein paar Euro überzieht ... aber bei einem Fehlbetrag von fast 2 Milliarden, da handelt es sich anscheinend wohl mehr um eine Art Kavaliersdelikt; eine Form von Gentleman-Agreement von Treu & Glauben?

Ich weiß nicht, was mich an dem Fall Wirecard eigentlich mehr aus der Fassung bringt: Die Selbstverständlichkeit, mit der Wirtschaftskriminelle über Jahre im großen Stil agieren, in einem DAX-Unternehmen? Oder die geradezu hanebüchene Professionalität einer der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften?
Ist es nicht gerade die Kernaufgabe eines Unternehmens wie EY, solche kriminellen Machenschaften gar nicht erst entstehen zu lassen?
Wie kann einem Mann wie Orth, Akademiker und ein Profi mit vielen Jahren Berufserfahrung, so ein Lapsus unterlaufen? Als Leiter einer "Abteilung für Qualitätssicherung"? Jeder kleine Elektriker müsste seinen Hut nehmen, nur weil er eine Leitung nicht durchgemessen hat.

Sich dann noch vor so den Ausschuss gewählter Bundestagsabgeordneter stellen zu müssen, um dann einfach zu sagen, man habe nichts falsch gemacht und alles sei in Ordnung gewesen ... das ist selbst aus der medialen Ferne spürbar zum Fremdschämen.
 

Dagmar_Krause

Geheimer Meister
21. Februar 2003
199
Die Frage ist immer, wie gut solch ein Betrug aufgezogen wird.
Hier wurde ja wohl auch mit Schauspielern und Kulissen agiert um die Prüfer zu täuschen.
Bei einer solchen Prüfung in der Praxis gibt es durchaus einige Punkte an denen man sehr leicht betrügen könnte.

Zum Beispiel legen herstellende Betriebe oft bei ihren Kunden sogenannte Konsignationslager an. Das sind Lager die von den Herstellern befüllt werden, die sich aber am Standort des Kunden befinden. Der Kunde entnimmt die Produkte und teilt dem Hersteller später (meistens einmal im Monat) mit wieviele Produkte entnommen wurden. Der Hersteller schreibt daraufhin eine Rechnung.
Die Inventur eines solchen Lagers wird dann zumeist auch vom Kunden durchgeführt.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Wirtschaftsprüfer auf die Idee kommt mal eben in die Pampa zu fahren oder schlimmer noch in eine große Industrieanlage um dort irgendwelche Schrauben oder Rohre zu zählen. Das gehört nicht wirklich in die Natur eines Wirtschaftsprüfers.
Mit etwas Kreativität und Willen, könnte man leicht ein vermeintliches Konsignationslager an irgendeiner Stelle betreiben und so angebliches Vermögen besitzen.

Es kann durchaus sein, dass EY aus ihrer Sicht alles richtig gemacht haben, es gibt Prüfungsstandards, wenn diese eingehalten wurden, dann wurde hier auch richtig vorgegangen. Natürlich kann man sich hier auch aus Bequemlichkeit blenden lassen.

Im Bankenbereich hat sich die Bafin nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert, es gab Streitigkeiten wer denn nun eigentlich für Wirecard zuständig ist.
Daneben muss man sich auch überlegen, dass die Gehälter die in Institutionen wie der Bafin gezahlt werden, auf den ersten Blick hoch wirken, aber nicht für die Fachleute, die in solchen Institutionen optimaler weise beschäftigt werden müssten.
Dies zeigt sich auch darin, dass eine Institution, die eigentlich für die Integrität der Finanzinstitute sorgen sollte, sich plötzlich protektionistisch verhalten hat, und eben Shortselling von Wirecard Aktien unterbunden hat.
Hier wurden insbesondere Kleinanleger meiner Meinung nach nochmals getäuscht. Diese konnten nicht davon ausgehen, dass die Bafin keine korrekte Entscheidungsgrundlage besaß.
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.202
Es kann durchaus sein, dass EY aus ihrer Sicht alles richtig gemacht haben, es gibt Prüfungsstandards, wenn diese eingehalten wurden, dann wurde hier auch richtig vorgegangen. Natürlich kann man sich hier auch aus Bequemlichkeit blenden lassen.

Mutmaßlich liegt der Fehler hier bereits im System dieser Prüfungen. Eine Firma ist gleichzeitig Prüfling und auch Kunde, man sollte eigentlich meinen, das kann gar nicht gut gehen. Sich im Nachhinein allein auf die Prüfungsstandards zu berufen, das wirkt wie eine Ausrede, zumal nach mehreren Jahren. Es ist, als ob jemand mit einem kaputten Auto umher fährt und dann sagt: Wieso? Ich habe doch eine TÜV-Plakette.

Daneben muss man sich auch überlegen, dass die Gehälter die in Institutionen wie der Bafin gezahlt werden, auf den ersten Blick hoch wirken, aber nicht für die Fachleute, die in solchen Institutionen optimaler weise beschäftigt werden müssten.

Es kann auch andere Gründe haben als Geld, eine Tätigkeit auszuüben, zumal dann, wenn man bereits mehr als genug für seinen Lebensunterhalt erhält.
Ein guter Rechtsanwalt kann auch mehr Geld verdienen als ein Staatsanwalt, trotzdem gibt es Staatsanwälte.

Was mich am Fall Wirecard fasziniert, ist: Dass eine Firma, die eigentlich von Anfang an halbseiden war, über Jahre so ein Renommée haben konnte. Schließlich haben sie ja zunächst mit Geldgeschäften im Schmuddelgewerbe angefangen. Es ist doch irgendwie ernüchternd, dass eine Firma bereits angesehen ist, solange man nur den Eindruck gewinnt, es wird Geld gemacht, aber wie das Geld eigentlich entsteht und ob es überhaupt entsteht, das scheint dann allen wurstegal zu sein.

Was wurde aus Jan Marsalek?
Einer meiner Kumpels war kürzlich der Meinung, dass Marsalek schon lange mit Betonfüßen den Grund eines Sees erkundet. Auch ich halte das für ziemlich wahrscheinlich, denn angesichts der heutigen Methoden von Polizei und Kommunikation hätte man ihn schon längst verhaftet haben müssen.
 

Dagmar_Krause

Geheimer Meister
21. Februar 2003
199
Hier noch ein Link zu einem ganz interessanten Artikel der Financial Times zu dem Thema.
Fand ich durchaus lesenswert.
Ich hoffe sehr, dass hier der Gesetzgeber einmal die lasche Haftungsbegrenzung für Auditfirmen erhöht oder gar ganz aufhebt.
Dann werden natürlich die Audits teurerer, aber die 4 Mio Begrenzung ist wirklich lachhaft.
 

Dagmar_Krause

Geheimer Meister
21. Februar 2003
199
Heute stolperte ich über einen schönen Podcast zu dem Thema: Wirecard - 1.9 Milliarden Lügen

Ende letzter Woche wurde der sogenannte Wambach Bericht auf der Webseite des Handelsblattes veröffentlicht.
Was hierzu ganz interessant ist, #2 dieses Newsletters. Allerdings steckt hinter nur eine Person, deren Reputation & Intention ich nicht einschätzen kann.

Wie auch immer man zu Rödl steht, es steht zu hoffen, dass die Haftungsobergrenze für Wirtschaftsprüfer angehoben oder beseitigt wird.
Die derzeitige Höhe ist lachhaft.
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.202
Ende letzter Woche wurde der sogenannte Wambach Bericht auf der Webseite des Handelsblattes veröffentlicht.

Der Wambach Bericht - auch so eine Art Politikum.
Eigentlich ist der doch als "geheim" (aufgrund möglicherweise verletzter Firmengeheimnisse) eingestuft, oder? Dem Handelsblatt hat dann irgendeine Leckage im System den Wambach Bericht zufliegen lassen, und sie veröffentlichen ihn, aber offenbar ohne Angst vor juristischen Konsequenzen?
Eines dürfte aber mittlerweile klar sein: EY haben als Wirtschaftsprüfer kläglich versagt - und sich auch nicht an ihre viel beschworenen Standards gehalten.

Was den kleinen Bürger wie mich daran aufregt: Wenn ich, am letzten unteren Ende der Ökonomie, auch nur Fahrtkosten für 3,40€ erstattet haben will, dann habe ich selbstverständlich dafür einen Fahrschein als Beleg einzureichen, oder es wird mir abgeschmettert und ein Gewese darum gemacht, wenn es nicht so ist. So einen - echten - Peanuts darf ich auch noch aufwändig beantragen, über die lächerlichen 100€, die man mir angesichts meiner neu anzutretenden Arbeit für Arbeitskleidung zugestehen mag und das Zinnober darum ... will ich mich gar nicht erst aufregen.

Aber bei einer Summe von 1.9 Mrd. €, die angeblich und nur zum Schein als Luftbuchung auf einem Konto auf den Philippinen liegen soll - da sagt dann eine Wirtschaftsprüfung von EY mal so einfach: Ja, wir glauben Dir, Fa. Wirecard, das einfach mal so - und einen Bankbeleg von den Phillipinen, den brauchen wir nicht?

Als kleiner Fuzzi, sei es gegenüber einem Privatunternehmen, sei es gegenüber Behörden, habe ich jeden noch so kleinen Betrag zu belegen, und wehe mir, ich kann es nicht, da stehe ich sofort als Betrüger da. Aber wenn es um Hunderte von Millionen oder Milliarden geht ... da ist dann offenbar alles eine Art Gentleman-Angelegenheit, wo man auf's Wort dem anderen vertraut.
Muss ich das verstehen? Nicht wirklich, oder?
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.202
Um das Jahr 2000 hatte ich mit meinem Digitaldruckunternehmen die Firma EM-TV und deren Werbeagentur (WA) als Kunden, damals auch so eine Art Aktien-Überflieger. Die Werbeagentur sollte den Rechenschaftsbericht layouten und wir sollten ihn produzieren.
Die Werbeagentur hatte mit dem Rechenschaftsbericht allerdings grafisch-technische Probleme: Sie konnten diese ganzen Skalen- und Tortendiagramme nicht erstellen - weil schlicht die Zahlen nicht aufgingen. Die grafischen Programme stiegen aus, es war nicht möglich, anhand der Zahlen auch nur die Diagramme zu erstellen.

Die WA rief immer wieder beim Kunden an, ganz höflich ... sorry, aber die Zahlen gehen nicht auf, wir können die Grafiken nicht erstellen. Unsere Grafik-Software streikt, aber es scheint kein Softwareproblem zu sein. Habt ihr uns auch wirklich die richtigen Dateien geschickt? Gab es vllt. Übermittlungsfehler?
Der Kunde, EM-TV, war geradezu boshaft: Ihr seid nur die Grafiker, haltet die Klappe und macht eure Arbeit ...

... einen Monat später meldete EM-TV Insolvenz an, der "Aktien-Liebling" stürzte in den Pennystock-Bereich, und die Chefs, die Haffa-Brüder schrammten knapp am Knast vorbei. Der Rechenschaftsbericht war also schon dermaßen fehlerhaft ... gefälscht ... gewesen, dass sich schon die Grafiker beschweren mussten, dass die Zahlen nicht aufgehen, weil die Diagramme nicht funktionierten.
Über was für eine Art von "Wirtschaftsprüfung" - die in diesem Prozess fraglos stattgefunden haben muss - reden wir denn da eigentlich, wenn schon so Feld-Wald-Wiesen-Grafiker, die von der Ökonomie Null Ahnung haben, indirekt feststellen: Da stimmt etwas nicht, und zwar ganz und gar nicht?

Im Jahr 2001 verursachte der amerikanische Energieversorger Enron aufgrund fortgesetzter Bilanzfälschungen einen der größten Unternehmensskandale, die die US-Wirtschaft bislang erlebte. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s bescheinigten bis kurz vor der Insolvenz Enron noch immer eine „vorzügliche Bonität“.
Erste Hinweise für Bilanzfälschungen fanden Prüfer der Börsenaufsicht durch eine simple statistische Zahlenanalyse. Tatsächlich gibt es Verteilungen von Zahlen, die in jedem Zahlenmaterial vorkommt. Bei Enron war dies aber nicht der Fall: Das ist zwar kein Beweis, aber ein Indiz dafür, dass jemand an den Zahlen geschraubt hat.
 

Dagmar_Krause

Geheimer Meister
21. Februar 2003
199
Der gute alte Bayrische Rundfunk über die Probleme, die womöglich für die Gemeinde entstehen in der Wirecard ihren Sitz hatte.
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.202
Der gute alte Bayrische Rundfunk über die Probleme, die womöglich für die Gemeinde entstehen in der Wirecard ihren Sitz hatte.

In gewisser Weise kann ich auch mit der Gemeinde Aschheim kein Mitleid haben.
Auch für Aschheim gibt es ein Finanzamt, und ein Finanzamt führt Betriebsprüfungen durch, bei jedem Unternehmen, auch bei Wirecard.
In dieser Angelegenheit Wirecard haben einfach mal alle geschlafen.
Man hat sich in einem angeblichen Vorzeigeunternehmen gesonnt, deren Geschäftsmodell niemand verstand und keiner verstehen wollte.
Und solange die Kohle rockt, stellt keiner Fragen, woher sie denn kommt, die Kohle. Auch dann nicht, wenn sie aus einer Art Ponzi-System stammt, denn um nichts handelte es sich da.

Und bei allen Betrügern und Hochstaplern ist es immer dasselbe: Sie verteilen hier und da etwas Geld, für die Feuerwehr, für den Sportverein ... und alle sagen: Ach, guten Tag, Herr Generaldirektor, wie ist das werte Befinden? Schön, und ihrer Gattin?
Und zwischendrin gibt es immer einen hellen Kopf, der sagt, allein aus Bauchgefühl: Da stimmt was nicht - aber der ist immer nur der Miesmacher.

Gestern eine Sendung über den Fall Wirecard gesehen, da hatten sie so einen Fondmanager im Interview.
Der hatte ein paar Anlagen bei denen ... bis er Wirecard-Chef Helge Braun mal persönlich traf. Der Fondsmanager erzählte: Normalerweise sprudelt ein Unternehmenschef nur so über seine Firma, wie toll das ist, was er alles macht, seine Zukunftspläne. Braun aber kam ihm verschlossen, ja mürrisch vor.
Der Fondsmanager zog seine Einlagen zurück, aus einer Art Bauchgefühl ... da stimmt was nicht, trotz guter Zahlen.
Er sollte Recht behalten und hat keine Verluste erlitten.

Persönlich hatte ich, natürlich auf viel kleinerer Ebene, auch mal real mit einem Hochstapler zu tun.
Das ist dann eine Art Mensch, der in kürzester Zeit allen Menschen etwas aus den Rippen leiert und rasch aufsteigt, nur versteht man irgendwie nicht, warum eigentlich? Gleichzeitig hat man so eine Art Bauchgefühl: Da stimmt etwas nicht, man kann aber nicht so genau sagen, was da eigentlich nicht stimmt.
Man sollte aber seiner Intuition unbedingt trauen, denn sie kommt nicht von ungefähr.

Auch eine Firma oder deren Manager können Hochstapler sein.
Eine Firma, die Finanzdienstleistungen betreibt - eine Art Bank im Grunde - sollte Geld im Auge behalten, geradezu Erbsenzähler sein. Sie mögen reich sein, aber jeder blöde Cent muss gerechtfertigt sein, denn sonst haben sie von Geld keine Ahnung.
Wenn mich da jemand in so einer protzigen Villa empfängt, die der Marsalek da angemietet hatte - Monatsmiete: 47.000€ - dann muss einem die Intuition schon einmal sagen: Wer finanziert denn eigentlich diesen Palast, wie, womit und wofür? Und selbst wenn das jetzt ganz legal erwirtschaftet sein mag, weil er und seine Firma so super erfolgreich sind ... dann bescheisst er mich doch trotzdem irgendwie, oder?
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.044
Die Werbeagentur hatte mit dem Rechenschaftsbericht allerdings grafisch-technische Probleme: Sie konnten diese ganzen Skalen- und Tortendiagramme nicht erstellen - weil schlicht die Zahlen nicht aufgingen. Die grafischen Programme stiegen aus, es war nicht möglich, anhand der Zahlen auch nur die Diagramme zu erstellen.
Ist das cool!
 

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