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Ehrlichkeit und das Trolley-Problem

Markus von Stoiker

Geheimer Meister
20. Mai 2010
381
»Aber jetzt mal im Ernst, Papa. Sagen wir, vor dir wären zwei Knöpfe Wenn du den einen drückst, stirbt dein Kind – moi, in diesem Fall –, und wenn du den anderen drückst, stirbt ein
komplettes Dorf irgendwo im Sudan. Wenn du bis zehn keineE Entscheidung triffst, werden automatisch beide Knöpfe gedrückt. Wen würdest du retten?«
»Die ganze Situation ist absurd«, sagte Steve. »Wer sollte mich je zu so einer Entscheidung zwingen wollen?«
»Darum geht’s doch gar nicht.«
»Selbst wenn – es gibt keine richtige Antwort. Wenn ich dich rette, wirst du mir vorwerfen, dass ich ein ganzes Dorf habe sterben lassen.«
»Wenn du dich nicht entscheidest, sterben wir alle«, wiederholteTyler mit Nachdruck.
»Natürlich würde ich eher das Dorf sterben lassen als dich. Wie könnte ich meinen eigenen Sohn opfern?«
»Ernsthaft?« Tyler pfiff anerkennend. »Selbst wenn es ein ganzes Dorf voller extrem unterernährter Kindersoldaten ist, mit aufgeblähten kleinen Bäuchen und Fliegenschwärmen um die Augen und armen, missbrauchten, AIDS-kranken Müttern?«
»Auch dann. Jede dieser Mütter würde dasselbe für ihr Kind tun.«
»Und wenn du die Wahl hättest, mich sterben zu lassen oder den gesamten Sudan?«
»Den Sudan«, sagte Steve. »Worum geht’s bei dem Referat überhaupt? Unsere Verwicklungen in Afrika?«
»Ehrlichkeit«, sagte Tyler. »Wer auch immer sagt, er würde den Sudan retten, lügt. Und wer nicht antworten will, versucht bloß, politisch korrekt zu sein. Wir haben alle Lehrer befragt, und nur unsere Philosophielehrerin, Miss Redfearn, war ehrlich. Und du.«
– Aus »Hex« von Thomad Olde Heuvelt
 
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