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Ist Menschenwürde käuflich geworden,- Klassenmedizin als künstliche Auslese?

Erhard Vobel jun

Geheimer Meister
23. April 2013
107
Ist Menschenwürde käuflich geworden,- Klassenmedizin als künstliche Auslese?




Durch die „Gesundheitsreformen“ der letzten Jahre werden ja Patienten immer mehr in Klassen und Pflegestufen aufgeteilt.

Sozial Schwache, die ohnehin finanziell benachteiligt sind und zudem chronisch Kranke werden oft nur noch mangelhaft Behandelt und Therapiert, Vorsorge wird zum Luxus und überleben und menschenwürdiges Ableben ist nun abhängig vom Geldbeutel des Patienten.

Oft stehen diesen Menschen dann nur billige, oft mangelhafte Medikamente zur Verfügung. Viele Ärzte klagen hier über Vorschriften, welche Ihnen vorschreiben, wem sie was verschreiben dürfen, was oft dem Wohl des Patienten entgegensteht.

Hier wird der Freie Markt und damit der Geldbeutel zum Richter über Leben und Tod und somit das Recht auf Leben, Menschenwürde, körperliche und seelische Unversehrtheit sowie der Gleichheitsgedanke (siehe hier auch Grundgesetz/Verfassung einer Nation) nur noch zum Konsumgut und Luxusartikel degradiert.




Kurz; Der Wert des Lebens bestimmt hier die freie Marktwirtschaft, Konzentrationslager zum Zwecke der Euthanasie (= hier; künstliche Auslese vom Lebenswürdigen und Lebensunwürdigen Menschen) werden überflüssig.



Hier wird der potentielle Patient einfach durch seinen eigenen Geldbeitel eingestuft und so muss sich scheinbar niemand mehr „die Hände schmutzig machen“.






Ø Was für Erfahrungen habt Ihr damit gemacht oder mitbekommen?




Ø Findet ihr so Etwas OK?





Erhard Vobel jun. ___________________________________________________Nürnberg, 26.02.2016
 

Nachbar

Ritter Kadosch
20. Februar 2011
5.152
AW: Ist Menschenwürde käuflich geworden,- Klassenmedizin als künstliche Auslese?

[...] Oft stehen diesen Menschen dann nur billige, oft mangelhafte Medikamente zur Verfügung. [...]
Würde Du bitte mal ein Beispiel für ein "mangelhaftes Medikament" nennen, welches lediglich Kassenpatienten-, nicht aber Privatpatienten verschrieben wird?
 

Popocatepetl

Inquisitor
27. August 2013
7.649
AW: Ist Menschenwürde käuflich geworden,- Klassenmedizin als künstliche Auslese?

nachbar, nichtmal du wirst eine 'sonderbehandlung' von privatpatienten abstreiten können, es ist leider so...

von 'medikamenten', die meine 'schützlinge' damals bekamen, habe ich bis heute noch nichts gehört...


man könnte es auch 'wehrlose versuchskaninchen' nennen. läuft im prinzip aufs selbe hinaus !
 

Nachbar

Ritter Kadosch
20. Februar 2011
5.152
AW: Ist Menschenwürde käuflich geworden,- Klassenmedizin als künstliche Auslese?

War mein Beitrag denn derart schwer zu verstehen?
Ich würde gern wissen was der Herr Vobel unter einem mangelhaften (aber ja dennoch zugelassenem) Medikament versteht. Bislang steht da ja nur eine luftige Behauptung.
 

a-roy

Mensch
22. Oktober 2007
11.475
AW: Ist Menschenwürde käuflich geworden,- Klassenmedizin als künstliche Auslese?

Es ist doch vollkommen logisch, dass ein privat zahlender Patient eine 'bessere' Behandlung in jeder Hinsicht erwarten kann, möchte aber bezweifeln, ob Kassenpatienten 'mangelhafte' Medikamente bekommen.
Letztens musste ich kardiologisch-angiologisch untersucht werden und diese Ärzte haben sich dermaßen viel Zeit für ihre Untersuchungen genommen(auch gesprächsmäßig), wo ich glaube, dass Privatpatienten auch nicht besser fahren.
Klar kann ich mir als gut situierter Alter ein besseres Seniorenheim leisten kann als ein Normalo, ist doch aber logisch.
Ich bin AOK'ler seit meiner Geburt und was die so alles anbieten, kann ich mir als sozial Schwacher auch leisten.
 
Zuletzt bearbeitet:

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.721
Ja***wer viel Geld💰 bezahlt €/ soll gut versorgt werden!

… was ja auch völlig OK ist. Die Frage ist ja eher, ob man für seine Pflichtleistungen bereits ausreichend versorgt ist. Ist dies der Fall, dann wüsste ich nicht, warum nicht jemand, der auf seine dritte Urlaubsreise im Jahr verzichtet und statt dessen zusätzlich in seine Gesundheitsversorgung investiert, nicht auch zusätzlich etwas davon haben soll. Das ist nämlich nichts anderes als fair.

Nachdem ich (im Moment leider intensiver als mir recht ist) jetzt etliche Erfahrungen im ungarischen Gesundheitswesen gesammelt habe, ergibt sich eine teilweise andere Sicht darauf:

Die gesetzliche medizinische Versorgung in Ungarn entspricht, was die rein medizinische Seite, Versorgung mit Medikamenten usw betrifft, in etwa der in Deutschland. Soweit ich das beurteilen kann, ist alles fachlich OK und auf aktuellen Stand. Was die Optik betrifft, ist es allerdings eine Zeitreise. Es dominieren kleine Praxen mit einem Arzt und einer Hilfskraft. Fachärzte gehören meistens zu einer Klinik. Sprechstunden bei ihnen gibt es nur nach Überweisung durch den Hausarzt und Termine sind langwierig und schwer zu kriegen. Wie in Deutschland.

Der entscheidende Unterschied ist der: Der Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse in Ungarn liegt bei etwa 30,- EUR im Monat und beträgt damit nur einen winzigen Bruchteil dessen, was in Deutschland fällig ist. Auch, was Medikamente betrifft: Ein Bekannter brauchte eine Zeitlang ein spezielles Medikament. Dieses kostete in Deutschland über 200,- EUR pro Päckchen, in Ungarn kostete das gleiche Päckchen nur 60,- EUR.

Damit bleibt eigentlich nur eine mögliche Beurteilung übrig:

Das Verhältnis von Preis und Leistung, das einem in Deutschland gesetzlich Krankenversicherten zugemutet bekommt, grenzt an Korruption und ist derartig unterirdisch schlecht, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Besonders fällt das bei dem Medikament auf: Es ist nicht nachvollziehbar, warum die exakt gleiche Leistung, Einkauf und Vertrieb des gleichen Medikaments in Deutschland das Drei- bis Vierfache wie in Ungarn kostet.

Insbesondere, nachdem in Deutschland ja Heerscharen von Politikern, Kostenrechnern und sonstigen Experten ja seit Jahrzehnten an „Kostendämpfungen“ herumbasteln. Wenn dann die vierfachen Preise herauskommen, dann ist das schon höchst bemerkenswert.

Auch zur Höhe der Beiträge schweigt des Sängers Höflichkeit. Verglichen mit dem ungarischen Standard ist die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland eine Geldvernichtungsmaschine, die 80% des eingezogenen Geldes ohne jede nachvollziehbare Leistung verbrennt.

Entsprechend ist es aus meiner Sicht völlig daneben, böse Blicke auf die privat Versicherten zu werfen. Die können nichts dafür und zahlen nur nicht ganz so grotesk zu viel. Aber einfach nur noch mehr Beitragszahler in dieses System zu zwingen, deren Beiträge dann auch zu 80% verbrannt werden, rettet nichts. Da müsste man viel eher schon mal sehr kritisch die Einwanderung von Millionen leistungsloser Nutznießer auch ins Gesundheitssystem hinterfragen. Aber das wäre ja total rassistisch.

Für das, was hier Politik und Bürokratie anrichten, braucht man in anderen Ländern eine bananenstaatmäßige Korruption. In Deutschland haben wir die wirksamste Ineffizienz. Aber es ist jedenfalls erschreckend, welches Ausmaß an Ineffizienz und Verschwendung sich die deutschen Bürger von ihrem Staat gefallen lassen.
 

Giacomo_S

Ritter der Sonne
13. August 2003
4.784
Die gesetzliche medizinische Versorgung in Ungarn entspricht, was die rein medizinische Seite, Versorgung mit Medikamenten usw betrifft, in etwa der in Deutschland. Soweit ich das beurteilen kann, ist alles fachlich OK und auf aktuellen Stand. Was die Optik betrifft, ist es allerdings eine Zeitreise. Es dominieren kleine Praxen mit einem Arzt und einer Hilfskraft. Fachärzte gehören meistens zu einer Klinik. Sprechstunden bei ihnen gibt es nur nach Überweisung durch den Hausarzt und Termine sind langwierig und schwer zu kriegen. Wie in Deutschland.

Der entscheidende Unterschied ist der: Der Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse in Ungarn liegt bei etwa 30,- EUR im Monat und beträgt damit nur einen winzigen Bruchteil dessen, was in Deutschland fällig ist. Auch, was Medikamente betrifft: Ein Bekannter brauchte eine Zeitlang ein spezielles Medikament. Dieses kostete in Deutschland über 200,- EUR pro Päckchen, in Ungarn kostete das gleiche Päckchen nur 60,- EUR.

Dann füge doch einmal zum Vergleich die Kosten für medizininsche Versorgung in den USA auf, da bewegt man sich gleich in ganz anderen Sphären: Da kostet dann eine Geburt in einem Krankenhaus so um die 10.000 $, und Unfallopfer verweigern einen Transport im Krankenwagen, denn selbst das geht dann bereits in die Tausende.

Diese Vergleiche für Kosten Ungarn vs. Deutschland halte ich für einigermaßen irreführend. Denn günstig ist Ungarn vor allem auch durch das Gefälle im Einkommen. Ein Durchschnittseinkommen beträgt in Deutschland 3.715 € und in Ungarn 1.020 € brutto, und in der EU verdienen nur noch die Menschen in Litauen, Rumänien und Bulgarien noch weniger.
Hat man, weil man aus Deutschland kommt, fast das vierfache Salär zur Verfügung wie ein Einheimischer, dann ist alles billig.

Im Übrigen gibt es auch Meldungen aus Ungarn selbst, die besagen: Das ungarische Gesundheitssystem wird kaputt gespart.
Krankenhäuser, die Schlaganfallopfer abweisen, Stationen, die aus Mangel an Fachärzten geschlossen werden, und Patienten, die Hunderte von Kilometern für die Grundversorgung zurücklegen müssen – das ist die tägliche Realität des ungarischen Gesundheitssystems. Während offizielle Stellen die Krise herunterspielen, offenbaren neue Daten und Berichte von Betroffenen ein System, das unter jahrelanger Vernachlässigung, Personalmangel und mehr leidet.
Daily News Hungary: Alarmierende Realität: Wie das ungarische Gesundheitssystem Patienten im Stich lässt

Das Verhältnis von Preis und Leistung, das einem in Deutschland gesetzlich Krankenversicherten zugemutet bekommt, grenzt an Korruption und ist derartig unterirdisch schlecht, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Besonders fällt das bei dem Medikament auf: Es ist nicht nachvollziehbar, warum die exakt gleiche Leistung, Einkauf und Vertrieb des gleichen Medikaments in Deutschland das Drei- bis Vierfache wie in Ungarn kostet.

Das ist in der Tat nicht nachvollziehbar - dennoch handelt es sich bei dieser Preispolitik um eine weltweite Praxis der Pharmaindustrie. In den USA kostet dasselbe Medikament dann das Drei- bis Vierfache wie in Deutschland. Es wäre in diesem Zusammenhang sicherlich nicht uninteressant, was das Medikament denn in Indien kostet.
Real wird man wohl auch in Betracht ziehen müssen: Die westlichen Industrienationen finanzieren mit ihren hohen Preisen für Medikamente auch die hohen Entwicklungskosten für Medikamente. Und ohne die hohen Kosten gäbe es neue Medikamente dann überhaupt nicht, auch und erst recht nicht in Ungarn.

Überhaupt gibt es ganze Klassen von Medikamenten, bei denen - obwohl dringend geboten - trotzdem keine neuen Medikamente mehr entwickelt werden. Ein Beispiel hierfür sind Antibiotika, da stammt die letzte Neuentwicklung aus den 1980er Jahren. Kein Pharmaunternehmen weltweit arbeitet derzeit an neuen Antibiotika, trotz rapide steigender Antibiotika-Resistenzen: Es wird zuwenig an ihnen verdient, und die Laufzeit für eine Erzielung von Gewinn ist zu kurz.

Entsprechend ist es aus meiner Sicht völlig daneben, böse Blicke auf die privat Versicherten zu werfen. Die können nichts dafür und zahlen nur nicht ganz so grotesk zu viel. Aber einfach nur noch mehr Beitragszahler in dieses System zu zwingen, deren Beiträge dann auch zu 80% verbrannt werden, rettet nichts. Da müsste man viel eher schon mal sehr kritisch die Einwanderung von Millionen leistungsloser Nutznießer auch ins Gesundheitssystem hinterfragen. Aber das wäre ja total rassistisch.

Nicht unbedingt böse Blicke, hinterfragen darf man private Krankenversicherungen aber schon.
I.d.R. zahlen privat Versicherte höhere Beiträge und die erbrachten medizinischen Leistungen werden höher abgerechnet als bei den Gesetzlichen.
Was aber angesichts dieses vordergründigen Blickwinkels meist nicht gesehen wird:
Es sind die gesetzlich Versicherten, die die Grundlast des Systems tragen, und zwar mehr oder weniger komplett. Ohne die Masse der gesetzlich Versicherten gäbe es dann eben keinen Computertomographen, der selbstverständlich auch von den privat Versicherten genutzt wird. Denn deren Anzahl ist viel zu klein, als dass sie substanziell etwas zum Apparat beitrügen.

Auch hierzu lohnt ein Blick auf die USA. Denn entgegen eigener Lippenbekenntnisse ist der amerikanische Standard im Gesundheitssystem keineswegs so hoch wie in Deutschland.

Beispiel: Vor wenigen Jahren stieg unser amerikanischer Freund in München mit einem Bandscheibenvorfall am Hals aus dem Flugzeug. Er musste sofort operiert werden, und da er es aus seiner eigenen Privatschatulle zu bezahlen hatte, fragte er allein in den USA vier Kliniken dafür an.

Sogar die günstigste der vier Kliniken in den USA hätte mehr als das Dreifache verlangt ... bis hin zum Ende hin das Zehnfache. Was sie dann hier in München im OP mit ihm anstellten - Minimalinvasiv von vorn, mit einer winzigen Narbe - das konnte von den vier amerikanischen Kliniken überhaupt keine. Dort hätte man ihn auch min. 3 Wochen dabehalten, hier war er nach vier Tagen wieder raus. Und was hier in München bereits seit Jahren der medizinische Standard ist, das wird in den USA nur von wenigen Elitekliniken beherrscht (und was die dann kosten, das kann man sich ausmalen).
NB: Wollte die deutsche Klinik eine Anzahlung, Vorkasse? Ach so, Sie haben eine Kreditkarte? Kein Problem, wir operieren Sie und dann stellen wir eine Rechnung.
 
Zuletzt bearbeitet:

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.721
Dann füge doch einmal zum Vergleich die Kosten für medizininsche Versorgung in den USA auf, da bewegt man sich gleich in ganz anderen Sphären: Da kostet dann eine Geburt in einem Krankenhaus so um die 10.000 $, und Unfallopfer verweigern einen Transport im Krankenwagen, denn selbst das geht dann bereits in die Tausende.

Na, dann ist bei uns ja alles wunderbar und bestens.

Ich gebe hierzu nur eines noch zu bedenken - in Deutschland zahlst Du kontinuierlich Beiträge, völlig unabhängig davon, was Du in Anspruch nimmst. Wenn ich jetzt die Beiträge, die ich in 5 Jahren gezahlt habe (ich war und bin auch noch in der gesetzlichen KV) auf die in dieser Zeit als Einziges bezogene Tetanusimpfung umlege, dann wird das was in den USA für eine Geburt abgerechnet wird im Vergleich dazu ja so richtig billiges Vergnügen.

Aber tatsächlich lassen sich umlage- und leistungsfinanzierte Dienste nur sehr schwer oder nur mit sehr viel Statistik und Rechnerei miteinander vergleichen. Insofern ist es eher irreführend, hier die USA anzuführen als Ungarn und Deutschland zu vergleichen.


Diese Vergleiche für Kosten Ungarn vs. Deutschland halte ich für einigermaßen irreführend. Denn günstig ist Ungarn vor allem auch durch das Gefälle im Einkommen. Ein Durchschnittseinkommen beträgt in Deutschland 3.715 € und in Ungarn 1.020 € brutto, und in der EU verdienen nur noch die Menschen in Litauen, Rumänien und Bulgarien noch weniger.
Hat man, weil man aus Deutschland kommt, fast das vierfache Salär zur Verfügung wie ein Einheimischer, dann ist alles billig.

Im Übrigen gibt es auch Meldungen aus Ungarn selbst, die besagen: Das ungarische Gesundheitssystem wird kaputt gespart.

Daily News Hungary: Alarmierende Realität: Wie das ungarische Gesundheitssystem Patienten im Stich lässt

Ich weiß nicht, was daran irreführend sein soll: Die Beiträge zur deutschen gesetzlichen KV liegen zur zeit im Mittel bei 17% des Einkommens - bei ungarischen gesetzlichen KV ergeben sich mit dem von Dir genannten ungarischen Durchschnittseinkommen rund 3 %.

Wenn nun also ein durchschnittlcher Beitragszahler in Deutschland beim knapp 4 fachen Einkommen den knapp 6 fachen Prozentsatz zahlt, dann hat das deutsche Gesundheitswesen etwa das 20-fache Geld pro Betragszahler zur Verfügung.

Ich habe das ungarische System ja gar nicht mal über den grünen Klee gelobt. Dazu besteht auch kein Anlass. Aber der Unterschied ist überhaupt nicht sooo gewaltig, wie man es bei der doch sehr krass unterschiedlichen Finanzierung erwarten könnte. Und jetzt kann man sich aussuche, dass entweder das ungarische Gesundheitssystem viel zu gut ist für das wenige Geld, mit dem es auskommen muss, oder das in Deutschland viel zu schlecht für das viele Geld, das es in den Rachen geworfen bekommt.

(Nebenbei bemerkt: Lebenshaltungskosten in Ungarn. Konsum ist in Ungarn richtig teuer, dafür sorgt schon eine Mehrwertsteuer von 27%. Dafür sind alle infrastrukturellen Kosten, Energie, Wasser usw. sehr niedrig gehalten. Und die meisten Ungarn wohnen in den eigenen vier Wänden. Das heißt, die Fixkosten sind sehr gering, und wenn man sparsam ist, hat man eher eine Chance, mit wenig Geld auszukommen, als bei uns. Wobei die Leute hier selbstverständlich auch sehr unter der Inflation leiden.)
https://dailynewshungary.com/de/ala...e-gesundheitssystem-patienten-im-stich-lasst/
Das ist in der Tat nicht nachvollziehbar - dennoch handelt es sich bei dieser Preispolitik um eine weltweite Praxis der Pharmaindustrie. In den USA kostet dasselbe Medikament dann das Drei- bis Vierfache wie in Deutschland. Es wäre in diesem Zusammenhang sicherlich nicht uninteressant, was das Medikament denn in Indien kostet.
Real wird man wohl auch in Betracht ziehen müssen: Die westlichen Industrienationen finanzieren mit ihren hohen Preisen für Medikamente auch die hohen Entwicklungskosten für Medikamente. Und ohne die hohen Kosten gäbe es neue Medikamente dann überhaupt nicht, auch und erst recht nicht in Ungarn.
Überhaupt gibt es ganze Klassen von Medikamenten, bei denen - obwohl dringend geboten - trotzdem keine neuen Medikamente mehr entwickelt werden. Ein Beispiel hierfür sind Antibiotika, da stammt die letzte Neuentwicklung aus den 1980er Jahren. Kein Pharmaunternehmen weltweit arbeitet derzeit an neuen Antibiotika, trotz rapide steigender Antibiotika-Resistenzen: Es wird zuwenig an ihnen verdient, und die Laufzeit für eine Erzielung von Gewinn ist zu kurz.

Das müsste man mal gesondert betrachten. Ich war zwar in einer ganz anderen Branche tätig, aber auch international. Derartige Preisunterschiede sind in unserem Geschäft vollkommen undenkbar gewesen. Das geht überhaupt nicht - die Kunden springen Dir mit nackten Ar… ins Gesicht, wenn sie spitz kriegen, dass sie fünfmal mehr als andere Kunden irgendwo in der Welt bezahlen müssen.

Nein, so etwas muss erklärbar sein. Und zwar mit Wünschen, die der Kunde es selbst hat. Beispiel: Teile, die die Luftfahrtindustrie bezieht, sind einzeln durchnummeriert, mit Materialprüfzeugnis und individuellem Messbericht versehen, und das kostet dann auch das Mehrfache des normalen Produktpreises, ohne am Produkt selbst irgend etwas zu verändern. Die Dokumentation hat eben ihren Preis, wie jede Bürokratie.

Und Bürokratie können wir ja gut. Und da sich Bürokraten für das Wichtigste auf der Welt halten, ist denen auch völlig wurst, wieviel Geld sie verbrennen. Ich könnte wetten, dass die Antwort zu der Frage in dieser Richtung zu finden ist.


Nicht unbedingt böse Blicke, hinterfragen darf man private Krankenversicherungen aber schon.
I.d.R. zahlen privat Versicherte höhere Beiträge und die erbrachten medizinischen Leistungen werden höher abgerechnet als bei den Gesetzlichen.
Was aber angesichts dieses vordergründigen Blickwinkels meist nicht gesehen wird:
Es sind die gesetzlich Versicherten, die die Grundlast des Systems tragen, und zwar mehr oder weniger komplett. Ohne die Masse der gesetzlich Versicherten gäbe es dann eben keinen Computertomographen, der selbstverständlich auch von den privat Versicherten genutzt wird. Denn deren Anzahl ist viel zu klein, als dass sie substanziell etwas zum Apparat beitrügen.

Sorry, aber das ist Quatsch. Wenn die Leistungen über die private KV höher abgerechnet werden, dann leistet die höhere Abrechnung natürlich auch einen höheren Deckungsbeitrag zu den Kosten als eine Abrechnung über die gesetzliche KV.

Daran ändert auch die geringere Zahl der privat Versicherten nichts. Aber es erklärt, warum sich Ärzte als selbständige Gewerbetreibende ganz besonders um privat Versicherte bemühen - eben, weil sie bei denen richtig Geld verdienen.


Auch hierzu lohnt ein Blick auf die USA. Denn entgegen eigener Lippenbekenntnisse ist der amerikanische Standard im Gesundheitssystem keineswegs so hoch wie in Deutschland.

Beispiel: Vor wenigen Jahren stieg unser amerikanischer Freund in München mit einem Bandscheibenvorfall am Hals aus dem Flugzeug. Er musste sofort operiert werden, und da er es aus seiner eigenen Privatschatulle zu bezahlen hatte, fragte er allein in den USA vier Kliniken dafür an.

Sogar die günstigste der vier Kliniken in den USA hätte mehr als das Dreifache verlangt ... bis hin zum Ende hin das Zehnfache. Was sie dann hier in München im OP mit ihm anstellten - Minimalinvasiv von vorn, mit einer winzigen Narbe - das konnte von den vier amerikanischen Kliniken überhaupt keine. Dort hätte man ihn auch min. 3 Wochen dabehalten, hier war er nach vier Tagen wieder raus. Und was hier in München bereits seit Jahren der medizinische Standard ist, das wird in den USA nur von wenigen Elitekliniken beherrscht (und was die dann kosten, das kann man sich ausmalen).
NB: Wollte die deutsche Klinik eine Anzahlung, Vorkasse? Ach so, Sie haben eine Kreditkarte? Kein Problem, wir operieren Sie und dann stellen wir eine Rechnung.

Ja, ich weiß. Ich bin mal gespannt, was davon noch übrig ist und übrig bleiben wird, wenn die Niedergang Deutschlads weiter geht. Das Kliniksterben beginnt ja erst. Ich habe ja auch sehr deutlich geschrieben, wo ich die Verantwortung sehe. Nicht bei den Medizinern, sondern beim Staat.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
22.664
Ich gebe hierzu nur eines noch zu bedenken - in Deutschland zahlst Du kontinuierlich Beiträge, völlig unabhängig davon, was Du in Anspruch nimmst. Wenn ich jetzt die Beiträge, die ich in 5 Jahren gezahlt habe (ich war und bin auch noch in der gesetzlichen KV) auf die in dieser Zeit als Einziges bezogene Tetanusimpfung umlege, dann wird das was in den USA für eine Geburt abgerechnet wird im Vergleich dazu ja so richtig billiges Vergnügen.
Nicht Dein Ernst, oder?
 

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.721
Nicht Dein Ernst, oder?

Doch. Ich verstehe jetzt gerade Deine Rückfrage nicht. Ich war tatsächlich zwischen 25 und 40 Jahren so gut wie gar nicht beim Arzt, war aber auch keinen Tag krank. (Seufz … lang ist‘s her). Aber bezahlte natürlich trotzdem die Beiträge.

Somit war der Kleinkram, für den ich das System in Anspruch nahm, für mich natürlich extrem teuer. Ich wäre tatsächlich besser gefähren, wenn ich nur die real von mir verursachten Kosten abgerechnet hätte. Abgesehen davon, dass das nicht geht, weiß man das eben nicht vorher. Und es ist natürlich auch Glück. Wäre ich kränker gewesen, hätte es dann ganz andere Rechnungen gegeben, eben eher in amerikanischer Höhe.

Ich kenne die Problematik aus meinem eigenen Berufsleben: Soll man jetzt das Materiallabor als Umlage oder fallweise bezahlen? Es ist beides Murks und hat beides seine Tücken. Fallweise kann gewaltig in die Hose gehen, wenn Du doch mal einen richtigen Kracher von Problem hast und Du dann mal siehst, wie viel so etwas wirklich kostet. Umlage zahlst Du ewig, ohne sie jemals wirklich in Anspruch zu nehmen, weil der richtige Kracher von Problem sowieso nie kommt. Aber dann steigt Dir das Controlling aufs Dach, weil Du scheinbar nutzlos Geld ausgibst.

Und das ist im Prinzip die exakt gleiche Problematik im Vergleich des amerikanischen Systemes - die dann eben die bei einer Geburt entstehenden Kosten abrechnen oder dem deutschen, die sich in kleinen Raten bezahlen lassen, die nicht so weh tun, aber sich eben auch zusammenleppern, bis ähnliche Beträge wie bei den Amerikanern zusammenkommen. Bei den Amerikanern wahrscheinlich auch noch zusätzlich überteuert wegen der notwendigen Absicherung gegen landestypische Schadenersatzforderungen in utopischer Höhe, was ein klarer Mehltau in deren System ist.

Oder fragst Du nicht mein Ernst, weil ich in der gesetzlichen KV geblieben bin? Nun, dafür gab es Gründe. Der eine war tatsächlich Solidarität, der andere - mein Vater war als Beamter zwangsweise privat versichert. Und das Geschacher und Gefeilsche, mit welchem Gebührensatz abgerechnet wird, die Vorfinanzierung der Rechnungen und den Heckmeck, wenn die KV was nicht erstattet, fand ich entsetzlich und wollte ich mir schon als Gesunder nicht geben, und erst recht nicht, wenn ich mal krank bin.

Ich hoffe, damit isses beantwortet?
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
22.664
Nein, ich frage mich, wie Du zu diesem hanebüchenen Vergleich kommst. Das ist eine Versicherung. Ich bezahle seit zig Jahren KFz-Versicherung, Haftpflichtversicherung, Gebäudeversicherung, Jagdhaftpflicht und noch ein paar, die mir gerade nicht einfallen und bin heilfroh, daß noch nie etwas passiert ist und ich das alles bisher völlig umsonst bezahlt habe. Eine Versicherung legt Lasten um, innerhalb einer Solidargemeinschaft und im Falle der Krankenversicherung sehr oft einfach zwischen heute und morgen. 15 Jahre gehst Du nicht zum Arzt, und dann wirst Du verrentet und hast dies, das, jenes. Herz, Hüfte, Bandscheibe, egal. Ein ganzer Haufen Amerikaner wäre heilfroh über so eine sozialistische AOK, wie wir sie haben. Die wären sogar froh über den hoffnungslos ineffizienten NHS der Engländer. Wenn man die Versicherung nämlich nicht hat und es passiert was, ist man pleite, so richtig pleite, ohne Haus, ohne Auto und mit Schulden für den Rest der Ewigkeit, oder tot.

Und weil Du das weißt, bist Du aus guten Gründen gesetzlich versichert.
Sorry, aber das ist Quatsch. Wenn die Leistungen über die private KV höher abgerechnet werden, dann leistet die höhere Abrechnung natürlich auch einen höheren Deckungsbeitrag zu den Kosten als eine Abrechnung über die gesetzliche KV.
Da hast Du Giacomo übrigens falsch verstanden. Er hat nicht bestritten, daß die Privaten einen höheren Deckungsbeitrag leisten, sondern er hat die Ansicht vertreten, daß die Privaten allein nicht ausreichen würden, bestimmte kostenintensive Medizintechnik zu finanzieren.
 

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