Lyrics - die andere Seite der Musik

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Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.880
Wir haben ja hier den schönen Musik-Thread, aber bei vielen Liedern finde ich, dass sie nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich ein Leckerbissen sind, der für meine Begriffe immer ein bisschen zu kurz kommt.

Wahrscheinlich würde aber eine Besprechung oder gar ausufernde Diskussion der Lyrics den Rahmen im bestehenden Thread sprengen, deswegen dachte ich, dass vielleicht ein spezieller Thread hierzu eine gute Idee sein könnte.

Ich mach dann auch gleich mal den Anfang …
 

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.880
Hiroshima - Wishful thinking

Hier der Link zur Musik im Thread: https://www.weltverschwoerung.de/threads/musiktips-und-links-zu-youtube.19431/page-420#post-811990

Und hier die Lyrics:
[Verse 1]
There's a shadow of a man at Hiroshima
Where he'd pass the moon
In a wonderland at Hiroshima
'Neath the August moon

[Hook]
And the world remembers his face
Remembers the place was here

[Verse 2]
Fly, metal bird, to Hiroshima
And away your load
Speak the magic word to Hiroshima
Let the sky explode

[Hook]
And the world remembers his name
Remembers the flame was
Hiroshima

[Instrumental Bridge]
[Spoken Interlude]
Hiroshima, Japanese city of 300 thousand people, ceased to exist at 9:15 on a Monday morning. While going about its business in the sunshine of a hot summer day, it vanished in a huge ball of fire and a cloud of boiling smoke. Obliterated by the first atom bomb used in the history of world warfare. Such is the electrifying report of the American crew of the Superfortress, which dropped the bomb as a cataclysmic warning to the Japs to get out of the war, or be destroyed. Hiroshima, the whole crew agreed, was brought down by a flash warfare...

[Outro]
Hiroshima
Hiroshima
Hiroshima
aus: https://genius.com/Wishful-thinking-hiroshima-lyrics

Was mich an dem Lied fasziniert, ist vor allem eines: Der völlige Verzicht auf Vorwürfe sowohl an die Amerikaner für ihre Ruchlosigkeit, die Atombombe einzusetzen, als auch an die Japaner für ihren Hang zu Fanatismus und Grausamkeiten, der definitiv jedes Mittel recht erscheinen ließ, um die Kämpfe schnell zu beenden, ohne Hundertausende von Opfern bei der Invasion Japans zu erleiden.

Man kann auch menschlich tief betroffen sein, ohne mit dem Finger auf einen vermeintlich Schuldigen zu deuten. Die Toten von Hiroshima oder auch Dresden gehen nicht auf das Kerbholz der Amerikaner, sondern auf das von Hitler und dem Tenno, die sich eingebildet haben, sie könnten sich ungestraft die Welt zum Feind machen.

Es traf eben nur die Falschen. In Dresden sehr viele Flüchtlinge, in Hiroshima sehr viele Jugendliche beim Arbeitsdienst, die nie irgendwem etwas zu Leide getan haben.

Dresden oder Hiroshima sind als Geschichte unbefriedigend. Die Angriffe haben keine Täter bestraft, sondern neues Unrecht aufgehäuft. Und dies ist das zweite, was im Lied fehlt - die Versöhnung oder Befriedung. Aber wie soll es die auch geben, wenn immer nur die Falschen zum Opfer werden?

Es ist unbefriedigend - so wie auch das Lied in dem Sinne unbefriedigend ist, dass man nicht tief zufrieden seufzen kann, wenn es herum ist. Im Gegenteil - aus dieser Perspektive heraus ist das Ende des Liedes beklemmend: Der mehrfach mit gleichbleibender Betonung wiederholte Städtename Hiroshima hat etwas drängendes. Etwas schwelt da noch und ist nicht gelöst. Haben wir wirklich Frieden? Kann es Frieden stiften, Menschen so zu verbrennen, dass nur noch ihr Schatten übrig bleibt?
 
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