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Perlen der Filmgeschichte

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
22.995
Darüber kann man streiten, selbst Ben Hur und die Nibelungen hatten Remakes, und es will mir nicht in den Kopf, wieso man einen zeitlosen Stoff nicht öfter verfilmen sollte.

Schade, daß Sie mir nun gar nicht sagen können, was an der Neuverfilmung "woker Diversitätsmüll" ist... :-(
 

Sonsee

Prinz von Libanon
1. Juni 2016
3.523
Gestern gesehen und für sehr interessant befunden, gibt es kostenlos auf You Tube zu sehen.

Der Film Mr. Nobody befasst sich mit den Schwierigkeiten und Auswirkungen von Entscheidungen. Die Geschichte erzählt dabei von einem neunjährigen Jungen, Nemo Nobody, der auf einem Bahnhof wählen muss, ob er nach der Scheidung seiner Eltern mit seiner Mutter mitgehen oder bei seinem Vater bleiben will.

Während des Überlegens bildet Nemo diverse Figuren, unter anderem sich selbst, die in der Darstellung vor einem Szenenwechsel, zwischen den unterschiedlichen Szenarien, stets wieder ab- und neu aufgebaut werden. Bei seinen Gedankengängen zur besten Entscheidung verlässt sich das Kind auf seine Allwissenheit der Dinge, über die es verfügt, da es von den „Engeln des Vergessens“, die laut Erzählung allen Kindern vor deren Geburt ihr Wissen nehmen, übersehen wurde. Dieser Faktor ermöglicht dem Jungen sehr ausgeprägte Vorstellungen seiner möglichen Zukünfte, die er sich alle ansieht wie in einem Kino und die er in gewisser Weise auch tatsächlich alle durchlebt. Dies zeigt sich, da ihm beim Wechsel der Szenarien – der häufig geschieht, um die Unentschlossenheit darzustellen – selbst Verwechslungen unterlaufen.

Es gibt im Laufe des Vorganges der Entscheidungswahl drei Grundideen, zwischen denen die Hauptfigur wechselt. Während dieser bringen erneute Entscheidungen teilweise Ergebnisse, die Nemo nicht gefallen, sodass er zurückspult und andere Versionen ausprobiert.
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.912
Darüber kann man streiten, selbst Ben Hur und die Nibelungen hatten Remakes, und es will mir nicht in den Kopf, wieso man einen zeitlosen Stoff nicht öfter verfilmen sollte.

Möchte mal sagen: Es kommt darauf an. Liegt die letzte Verfilmung schon viele Jahre zurück und eine gute Regie kann dem alten Stoff neue Aspekte abgewinnen - warum nicht?

Oft genug gewinnt man aber mehr den Eindruck: Da wird ein bereits völlig ausgelutschter Stoff noch einmal mit viel Tamtam und Zinnober drum herum produziert, weil man ihn für eine sichere Bank hält. Gerade diese Märchenstoffe für Kinder, denn es gibt ja alle paar Jahre eine neue Generation von Kindern. Was also soll daran denn schief gehen?

Ob Ben Hur so ein zeitloser Stoff ist, das möchte ich mal dahingestellt sein lassen. "Ben Hur: A Tale of the Christ" (Originaltitel von 1880) war zwar im 19. Jh. das nach der Bibel meistgedruckte Buch, es stellt aber auch eine Art Erbauungsroman bibelfester Christen des 19. Jh. dar, der, bleibt man nah am Original, heute kaum mehr zeitgemäß ist.
Das Nibelungenlied nah am Original zu verfilmen - das kann man schon so machen, versteht dann aber keiner.

Schade ist es aber um so machen guten neueren Stoff, der nicht verfilmt wird, weil es gerade mal wieder so eine olle Kamelle geben muss. Dafür fehlt der Filmindustrie offenbar der Mut. Bestenfalls serviert man uns mit verschiedenen "Universen" ab, dem "Marvel-Universum", dem "Star Wars - Universum" ... aber auch nur den Randfiguren, denn die Hauptcharaktere sind ja bereits gänzlich abgenutzt.

Und dann gibt es da diese Stoffe, die bereits bei ihrer Erstveröffentlichung ein völlig geschöntes, verklärtes Bild abgaben. Wir Älteren kennen noch diese Fernsehserie "Unsere kleine Farm" (Little House on the Prairie) mit Michael Landon als Charles Ingalls, dem Prototypen eines Vorzeigevaters in einer Vorzeigefamilie ... nach den "autobiographischen" Romanen von Laura Ingalls Wilder (1867-1957).

Nur war die historische Realität der Ingalls eine ganz andere ...


Denn der historische Charles Ingalls war ruhelos und zog mit seiner Familie alle paar Jahre vom einen Ort zum anderen. Meistens deshalb, weil seine Geschäftsideen desaströs gescheitert waren und auf der Flucht vor seinen Gläubigern, bei Nacht und Nebel. Er bediente sich schamlos am Land und dem Besitz anderer (Indigener, auf deren Verteibung durch staatliche Kräfte er setzte, was aber nicht passierte). Er ließ seine noch nicht einmal im Teenager-Alter währenden Kinder bis zum Umfallen arbeiten. Schließlich so verarmt, dass die Familie zum Sozialfall wurde, verweigerten die Ingalls eine Adoption Lauras durch ein wohlhabendes Ärzte-Ehepaar.
Aber nicht etwa, weil sie ihre Tochter so lieb hatten.
Sondern weil sie Laura als Einkommensquelle brauchten, denn sie gaben die Neunjährige für ein Entgelt an andere als Arbeitskraft ab ...

Die Pionierzeit in den USA des 19. Jh. war eben kein Zuckerlecken. Allerdings galt Charles Ingalls Umgang mit seiner Familie auch seinerzeit schon als skandalös. Und würde man die harte, historische Realität der Ingalls verfilmen - dann wäre es eben keine Serie mehr "für die ganze Familie". Sondern ein Problemfilm für Erwachsene, und auch dieser ein schwer verdaulicher.
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.912
Ich habe mir heute ...


... Christopher Nolans Odyssee angesehen. In Münchens, auch von der technischen Ausstattung her, besten Kinosaal.
Ich fand Nolans Adaption des Epos von Homer ziemlich beeindruckend.

Na klar, Nolan klebt nicht so eng an der Vorlage, aber das war zu erwarten. Odysseus ist bei Nolan mehr ein Getriebener als ein Akteur, ein des Kämpfens müder Veteran, ein gebrochener Held, der nur noch heimkehren will. Odysseus sieht sich als den eigentlichen Verantwortlichen für das Massaker an den Trojanern, welches er selbst dann weder verhindern noch begrenzen kann.

Kalypso ist für Nolan keine Göttin (und dieser Status war ja bereits in der Antike umstritten, denn Kalypso wird nur in der Odyssee und dessen Umfeld überhaupt erwähnt), sondern ein Mensch. Nolan macht Kalypso zu einer Art "Psychotherapeutin" des Odysseus, zu einer einsamen, aber gleichwohl liebevollen Frau. Kalypso pflegt den gestrandeten und gebrochenen Veteranen, der in einer Art posttraumatischen Belastungsstörung sein Gedächtnis verloren hat. Und als Odysseus schließlich nach all den Jahren wieder gesundet, so lässt sie ihn auch ziehen.

Die Zauberin Kirke wird bei Nolan zu einer zynischen Einzelkämpferin, die in einer gewalttäigen Welt mit immer wieder ankommenden Kriegerhorden ihre eigenen, wenn auch fragwürdigen Wege des blanken Überlebens geht.

Die schöne Helena - eine Afro-Frau. Gewöhnungsbedürftig, ohne Frage, aber die dralle Blondine stattdessen wäre ja genauso falsch gewesen. Ohnehin hat Helena da eh fast nur einen Cameo-Auftritt, vielmehr ist sie nur die Schachfigur in einem Krieg um Handelsrouten - und darum ging es bei dem Trojanischen Krieg, so überhaupt stattgefunden, ja sowieso.

Sicher, all das ist eine moderne Interpretation der Odyssee. Aber all das steckt auch in ihr.
Der Film erzählt die Geschichte vor allem in Rückblenden - aber auch das ist eine wesentliche Eigenschaft der Vorlage.
Schließlich gewinnt Nolan dem Epos auch noch ein durchaus sympathisches, fast romantisches Happy End ab - das steht so zwar nicht in der Vorlage, dessen Andeutungen lassen dies aber durchaus zu.

Die Produktion verzichtet, soweit immer möglich, auf digitale Spielereien. Gedreht wurde komplett mit Imax-Kameras (130 kg schwer, 3 Min. Film), und das sieht man dem Film an. Die Darsteller haben sich nicht geschont, haben gerudert, sich komplett durchweichen lassen - die Szenen auf See sind spektakulär. Als Zuschauer gewinnt man ein echtes Gespür dafür, was für eine Herausforderung an den Menschen und an das Material die Seefahrt der Bronzezeit gewesen sein muss.

Mein Fazit: Sehenswert, beeindruckend, großes Kino. Meinereiner hat sich in den 172 Min. jedenfalls keine Minute gelangweilt.
 
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