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"aber laut Heraldik ist dunkel immer oben" - die kleine Heraldik-Ecke

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.566
Ist dunkel immer oben? Die Frage ergab sich im Chat. Spoiler: Nein. Aber dazu kommen wir später.

Hier in der kleinen Heraldikecke möchte ich gepflegt ablästern, wenn wieder einmal eine Gebietskörperschaft einen heraldischen Bock schießt, aber gerne auch, bei Interesse, Fragen beantworten, Vorurteile ausräumen oder einfach diskutieren. Beginnen möchte ich aber gerne mit einer ganz knappen Einleitung.

Die Heraldik, Heroldskunst oder -kunde oder Wappenkunde ist die Lehre von den Wappen, den aus der Ritterzeit herrührenden figürlichen oder abstrakten, farbigen Erkennungszeichen europäischer (adliger oder bürgerlicher) Familien, Städte und Länder. Wappen und Waffen sind zwo Begriffe, aber ein Wort, und wenn Adelbert von Chamisso über dem Grab des Ahnherrn "das alte Gewaffen" hängen sieht*, dann sind Helm und Schild gemeint. Helm und Schild sind die beiden prominenten Schutzwaffen**, hinter denen sich der Ritter deckt, die der Gegner daher immer im Blicke hat und die sich also vorzüglich zur Anbringung eines Erkennungszeichens eignen.

Es heißt, solche auffälligen Erkennungszeichen seien nötig geworden, seit die Helme das Gesicht verdeckten und das Erkennen des einzelnen Kämpfers unmöglich machten, aber das läßt sich diskutieren. Hussmann*** geht davon aus, daß viellt. ursprünglich die großen, landsmannschaftlich geordneten Teile des Reichsheeres durch farbig bemalte Helme unterschieden wurden.

Im nächsten Beitrag werde ich die grundlegenden Wappenbestandteile und die wichtigsten Grundregeln der Gestaltung kurz vorstellen!

*https://www.zgedichte.de/gedichte/adelbert-chamisso/das-schloss-boncourt.html
**Im Ggsatz zu den Trutzwaffen Schwert Lanze usw.
***Hussmann, Heinrich: Deutsche Wappenkunst
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
Da hätte ich gleich mal eine Frage:

Müssen Ortschaften und Städte irgend eine staatliche Stelle konsultieren um ein Ortslogo zu ändern?
Oder wer entscheidet ob ein Wappen "heraldikgerecht" ist?

Betreffend meines Heimatorts gibt es immer noch einen heraldischen Streit, ob der Säbel links oder rechts rum gedreht sein sollte (oder wie es ursprünglich war):
Wappen alt
Mering.hagd.jpg



Wappen neu

1200px-Wappen_Mering.svg.png

was ist da heraldisch korrekter?
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
Man ist sich ziemlich einig dass der Säbel nach unten gedreht gehört, da wir die Ungarn ja im Jahr 955 n Chr. aufm Lechfeld besiegt haben (ist ein ungarischer Säbel).

Unklar ist jedoch ob die Biegung unten linksrum oder rechtsrum sein sollte (Säbel an y Achse gespiegelt).

Was sagt uns dazu die Heraldik?
 

Popocatepetl

Ritter Kadosch
27. August 2013
5.066
wieso sind die schatten an den steinen aus der rechten ecke in die linke gewandert ? und warum fehlt er beim stein mitte oben ?

irgendwie sieht das wappen allgemein für meinen geschmack viel zu moden aus.


das wappen meines dorfes zeige ich hier mal lieber nicht, dafür ist das kaff zu klein und mir die anonymität dann doch zu wichtig. außerdem ist es pöse, es hat zwei wolfsangeln, mich wundert es, das da noch keine petition zur änderung gestartet wurde :D
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
wieso sind die schatten an den steinen aus der rechten ecke in die linke gewandert ? und warum fehlt er beim stein mitte oben ?

irgendwie sieht das wappen allgemein für meinen geschmack viel zu moden aus.


das wappen meines dorfes zeige ich hier mal lieber nicht, dafür ist das kaff zu klein und mir die anonymität dann doch zu wichtig. außerdem ist es pöse, es hat zwei wolfsangeln, mich wundert es, das da noch keine petition zur änderung gestartet wurde :D
Keine Ahnung wieso die Schatten geändert wurden...

Deswegen frag ich ja, wer die Autorität hat hier in D Wappen einfach umzudesignen.

Weil früher wurden Ortswappen vom König persönlich genehmigt.

Glaube kaum dass es diese Genemigungsstrukturen von Wappen noch gibt (glaube da designt jeder seinen eigenen Scheiß mit Photoshop).

Ja finde auch dass es zu modern aussieht. Vorallem stört mich dass das schöne goldgelb mal wieder durch pissgelb ersetzt wurde (wie in der Dt Flagge auch, wo Rapsgelb als gleichwertig mit Gold gilt, was ich pers. für eine Frechheit halte).

Glaube das mit dem Säbel in der Ausrichtung hat man auch iwie nach Gusto gemacht im Meringer Wappen.

bzgl Anonymität: ich wohn da ja nimmer 😅
Und außerdem hat Mering 15000 Einwohner, ist eigentlich eine Stadt von der Größe ist aber ein Markt.
 
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Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.566
Ein Vollwappen besteht aus Schild und Helm mit Helmdecke (Schutz gg. das Aufheizen in der Sonne) und plastischer Helmzier. Da die unpraktische Helmzier (Flügel, Hörner, plastische Figuren aller Art) wahrscheinlich nur im Turnier getragen wurde, spielt der Helm ein wenig die zwote Geige und der Schild kann allein verwendet werden.

Womit wir bei der wichtigsten Regel der Heraldik wären: Keine Regel ohne Ausnahme. (Mir fällt nicht zu jeder Regel eine Ausnahme ein, aber das will nichts heißen.) In Großbritannien wird gern nur die Helmzier, sogar ohne Helm, verwendet.

Die Helmzier kann das Schildbild aufgreifen, muß es aber nicht.

Bei der Gestaltung des Schildes unterscheiden wir die abstrakten Heroldsbilder und die gemeinen Figuren. Heroldsbilder sind Teilungen des Schildes von Rand zu Rand, senkrecht, waagerecht oder schräg, einfach oder mehrfach, gerade, wellenförmig, gezackt usw... Als gemeine Figuren bezeichnet man alle Darstellungen von Lebewesen, Gerätschaften, astronomischen Objekten etc.

Die Heraldik kennt sechs Tingierungen, nämlich die vier Farben Rot, Grün, Blau und Schwarz und die beiden Metalle Gold und Silber. Um die leichte Erkennbarkeit des Wappens auch aus der Entfernung zu gewährleisten, soll nie Metall an Metall oder Farbe an Farbe anstoßen, das läßt sich aber spätestens bei den Details nicht mehr verhindern. Gemeine Figuren können jede beliebige Tingierung erhalten, so gibt es schwarze, rote, silberne Adler, oder die bekannten von Silber und Rot geteilten (gestreiften) Löwen von Thüringen und Hessen.

Die Tinkturen haben keinerlei symbolische Bedeutung.

Gemeine Figuren werden abstrahiert dargestellt, sie sind immer völlig flach (in 2-D) und sie sollen den Schild möglichst ganz ausfüllen, egal ob Mücke oder Elefant.

Die Beschreibung eines Wappens folgt strengen Regeln und bedient sich einer Kunstsprache, die ursprünglich auf das Französische zurückgeht. In Deutschland wurde eine sehr systematische heraldische Kunstsprache iirc im 19. Jahrhundert im Zuge der Begeisterung für das Mittelalter und die frühe Neuzeit neu geschaffen. Dabei ist als wichtigste Regel zu beachten, daß der Schild von seinem Träger aus beschrieben wird, d.h. heraldisch rechts ist vom Betrachter aus links. Gemeine Figuren wie Löwen, Adler oder auch Menschen schauen dabei grundsätzlich nach heraldisch rechts, denn so schauen sie in Feindrichtung, wenn der Schild von einem Reiter am linken Arm getragen wird.

Und damit kommen wir dazu, was "oben" ist, wenn man aus dem Wappen eine Flagge herleitet. Das Schildbild hat Vorrang vor dem Feld (Hintergrund), rechts vor links und oben von unten. Das polnische Wappen zeigt im roten Feld einen silbernen Adler, also ist die Flagge weiß über rot. Das Reichswappen zeigt einen rot bewehrten und bezungten schwarzen Adler im goldenen Feld, also sind die Farben der Reichsflagge Schwarz über Gelb, und wenn man die Details mitberücksichtigen will mit rotem Mittelstreifen. Da das Rot im Wappen an das Schwarz anstößt, wäre es falsch, die beiden in der Flagge durch das Gelb zu trennen! Das Anstoßen ist hier korrekt, weil Schnabel, Zunge und Krallen nur Details sind. Adler und Feld müssen voneinander abstechen, den Details fehlt es notgedrungen an Kontrast zu einem der beiden.

Warum, fragen wir uns nun alle, waren dann die Lanzenfähnchen der preußischen Kavallerie weiß über schwarz, wenn das Wappen einen schwarzen Adler im silbernen Felde zeigte? Die profane Erklärung war, daß der Regen nicht die schwarze Farbe in den weißen Streifen auswaschen sollte, die etwas gekünstelte dagg., daß hier nicht das preußische Wappen, sondern das Stammwappen der Hohenzollern zugrunde lag, der von Silber und Schwarz gevierte Schild, wo das Silber im ersten Felde (oben rechts) den Vorrang hatte. Die ganz profane Erklärung wäre natürlich, daß man versäumt hatte, sich rechtzeitig Gedanken zu machen.

Es folgen als nächstes ein paar Worte zur Blasonierung (Beschreibung) und konkreten bildlichen Darstellung, und was ich so zum Meringer Wappen denke.
 
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Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.566
Die regelkonforme, fachsprachliche Beschreibung eines Wappens heißt Blasonierung. Das deutsche Wappen ist ein schwarzer Adler, rot bewehrt und bezungt, im goldenen Feld. Oder kürzer: In Gold, ein rot bewehrter und bezungter schwarzer Adler. Tatsächlich kann man sagen, daß diese Beschreibung das Wappen ist, jede konkrete Darstellung aber eben nur eine Darstellung, eine Abbildung, eine Vergegenständlichung dieser Idee. Die Darstellung muß durchaus bestimmten Regeln folgen, die ich oben schon angesprochen hatte, sie ist flach und ohne dritte Dimension und ohne Schattenwurf, und ein Adler ist nicht irgendein Bild eines Adlers in beliebiger Pose, sondern er hat die Schwingen ausgebreitet, streckt die Fänge schräg zur Seite aus und schaut nach heraldisch rechts. Tut er etwas davon nicht, so muß das gemeldet, d.h. in der Beschreibung erwähnt werden. Jede gemeine Figur hat so eine Standardhaltung, und praktisch jede kennt gängige Abweichungen, wie etwa den widersehenden Löwen, der den Kopf nach hinten wendet.

Im Rahmen dieser Regeln ist aber die Darstellung des Wappens völlig frei. Sie kann insbesondere grundsätzlich jedem beliebigen Zeitstil folgen. Waren die Wappendarstellungen in der Romanik und frühen Gotik noch relativ einfach, so wurden sie in der Spätgotik und Renaissance schnörkeliger, die Federn der Adler und die Haarlocken der Löwen ornamentartig-schnörkelig in die Länge gezogen. Wo auf Grabmalen oder in Wappenbüchern das Vollwappen mit Helm dargestellt ist, wird die Helmdecke modisch ausgezackt (gezaddelt) und füllt den Raum um den Helm in phantastischen Schlingen und Windungen. Dürer hat einige schöne Entwürfe gestochen.

In Spätrenaissance und Barock gerät die Heraldik in Verfall. Auf dem Schlachtfeld sinnlos geworden, wird sie zur Papierheraldik. Die Schilde weichen modischen Muschelformen (Rocaillen), die Schildbilder werden durch Teilungen, die mehrere Wappen in einem Schild vereinen (Allianzwappen) unübersichtlich, Rangkronen ersetzen die zur Unterscheidung wichtigen Helme mit Helmzier. Bei neuverliehenen Wappen werden Regeln mißachtet, es mehren sich Helmzierden, die nicht mehr plastisch dargestellt werden könnten und symbolische Bilder, die aufgrund ihrer geringen Motivauswahl nicht zur Unterscheidung taugen. Der preußische Adler wird plötzlich naturalistisch und im Fluge, und zwar zur falschen Seite, gezeigt. Um 1800 konnten Wappen zu einer Art Landschaftgemälde werden (Wappen Lord Nelsons).

Reichsgründung und Reichsbegeisterung, insbesondere für die "Goldenen Zeitalter" der Staufer einerseits und der Reichsstädte und der Reformation andererseits bringen in Deutschland eine Renaissance der Heraldik mit sich. Es gründet sich ein Verein (der Herold), die moderne Fachsprache wird systematisiert, und Gotik und deutsche Frührenaissance setzen sich als Stile durch. Als moderne Stilrichtungen sich in die Heraldik einzubringen beginnen, ist deren große Zeit aber schon wieder vorbei, und sie hinterlassen wenig nachhaltige Spuren. Die Adler des Dritten Reiches sind wieder unheraldisch. Heute sieht man gelegentlich künstlerisch modern gestaltete Wappen an Amtsgerichten oder Finanzämtern, alle offiziellen verwendeten folgen aber einer Schablone, die ein für allemal amtlich festgelegt ist und auf schlichte, sachliche, aber regelkonforme Entwürfe aus der Weimarer Republik zurückgeht.
 
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Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.566
Wie sollte ein Wappen aber sinnvollerweise gestaltet werden? Dazu später mehr.
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.390
Wie sollte ein Wappen aber sinnvollerweise gestaltet werden? Dazu später mehr.

Als Junge habe ich mal ein großes Schild aus Sperrholz ausgesägt, einen heraldischen Löwen darauf gemalt. Der Löwenkopf rot, das Schild gelb - und mich dabei an alle heraldischen Regeln gehalten, die ich in einem alten Schinken las. Mein Nazi-Großvater, selbst Ahnenforscher mit eingenem Wappen fand das großartig.
Dabei fand ich jedoch auch als Tee-Nager heraus: Die Heraldik, das ist etwas für alte Männer, wie Hosenträger und Poloshirts.
 

Vercingetorix

Großer Auserwählter
22. Juli 2018
1.516
Jäger hat da einen ganz interessanten Thread gestartet. Und als alter (bin ich eigentlich nicht...), Hosenträger, Poloshirt (nicht in Kombination natürlich), tragender – hier müsste ich noch ergänzen weisser, hetero – Mann, will ich auch etwas versuchen beizutragen.

@Ein wilder Jäger hat einiges schon sehr anschaulich beleuchtet und im letzten Beitrag eine Begrifflichkeit eingeführt auf die ich etwas näher eingehen werden.
streckt die Fänge schräg zur Seite aus und schaut nach heraldisch rechts.
Es wird von der heraldischen Richtung gesprochen. Heraldisch Rechts bedeutet hier Links aus Sicht des Betrachters. Wenn man sich verschiedene Wappen mit Wappen-Tieren, oder Schlüsseln, Pfeilen etc. ansieht, dann fällt auf, dass diese mehrheitlich nach heraldisch Rechts zeigen.

Wurden/werden zwei Wappen zusammengeführt, so gilt denn auch diese heraldisch rechte Seite als die «Ehrenvollere» Seite. Aber dazu kann der Jäger bestimmt noch mehr sagen.

In der Schweiz bieten Sich die Wappen der Kantone als Studienobjekte an. Diese sind teilweise schon recht alt und auch fast unverändert bis heute in Gebrauch.
Aufgrund meines persönlichen Bezuges die Wappen der beiden Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft .

82px-Wappen_Basel-Stadt_matt.svg (1).png 82px-Coat_of_arms_of_Kanton_Basel-Landschaft.svg.png

Der Kanton Basel-Landschaft gehörte bis 1832 zur Stadt Basel. Welche selbst eine relativ lange Zeit unter der Kontrolle der Diözese des Fürstbistums Basel war.
Es gab in der Historie der beiden Regionen immer wieder Bestrebungen der ländlichen Gebiete sich von den Herren in der Stadt loszusagen und Eigenständig zu werden. Diese Aufstände wurden jedoch immer, mehr oder weniger blutig, niedergeschlagen.
Bis heute ist eine Wiedervereinigung der beiden Halb-Kantone politisch, vor allem auf dem Land, nicht denkbar.
Aber zurück zu den Wappen.

Auf den Wappen ist ein schlichter Bischofsstab auf silbernem Grund zu erkennen.
Es fällt sofort auf, dass auf dem Wappen des Kantons Basel-Landschaft der Bischofsstab nach rechts, also heraldisch Links, zeigt.
Es gibt die Geschichte, dass dies bewusst so gewählt wurde um die Eigenständigkeit des neuen Kantons zu unterstreichen und damit zu demonstrieren das man fortan einen eignen Weg gehen will.

Mehr zu den Wappen der Schweizer Kantone: Wikipedia
Weitere Quellen: Historisches Lexikon der Schweiz online

Mein eigenes bescheidenes, heraldisches Grundwissen ziehe ich aus meiner Zeit im Militär. Ich war dort als Dienstältester höherer Unteroffizier im Grad eines Hauptfeldweibels der Fähnrich in meinem Bataillon. In der schweizer Armee wird jeder Feldweibel (Spiess) zum Fähnrich ausgebildet. Von vielen wird diese Funktion ein wenig belächelt, wen man sich jedoch vergegenwärtigt um was es sich bei einer Fahne bzw. einem Feldzeichen handelt, so ist es durchaus als Ehre zu betrachten diese Tragen zu dürfen.

Wie bei allen Dingen in einer Armee gibt es auch zum Umgang mit Fahnen ein eigenes Reglement, es nennt sich: Der Umgang mit Fahnen, Standarten und Fanions (Fahnenreglement).
Es ist als PDF verfügbar und bei Bedarf und Interesse stelle ich es gerne zur Verfügung :D
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.566
Ein schönes Beispiel, danke! Schweizer Kantonswappen sind häufig sehr einfach und damit mutmaßlich sehr alt.

Aber sind denn die Knorpel des Baselstabes/Landschaft tatsächlich als Unterscheidungsmerkmal Teil der Blasonierung? Oder sind die beiden Baselstäbe (abgesehen von der Tingierung und der Wendung) heraldisch identisch und nur in unterschiedlichen Stilen dargestellt? Nach meiner Auffassung machen nämlich die Knorpel keinen Unterschied, ein Bischofsstab ist ein Bischofsstab. So etwas muß den Stadt- oder Kantonsvätern aber nicht bewußt sein, wenn sie ihr Wappen festlegen.

Da können wir an das Wappen von Mering (oben) anknüpfen. Was ist da eigtl. dargestellt? Auf der alten Darstellung offenbar ein Langes Messer, ein, sozusagen, Säbeltyp aus dem späten Mittelalter. Auf der neuen Darstellung ein comichafter Türken- oder Piratensäbel. Ist das ein Unterschied? Warum haben sich die Künstler dafür entschieden? Ging es ihnen darum, den mittelalterlichen Stil zu wahren bzw. zu überwinden, oder wurde dieser besondere Waffentyp des Langen Messers aus bestimmten Gründen gewählt?

(Übrigens würde ich die gekrümmte Hiebwaffe immer mit Schneide nach rechts darstellen, also in Feindrichtung, auch wenn sie gesenkt ist.)

Anknüpfungspunkte: Redende Wappen (Basilisk), zeittypische Stile. Nachzutragen: Damaszierungen.
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
Da können wir an das Wappen von Mering (oben) anknüpfen. Was ist da eigtl. dargestellt? Auf der alten Darstellung offenbar ein Langes Messer, ein, sozusagen, Säbeltyp aus dem späten Mittelalter. Auf der neuen Darstellung ein comichafter Türken- oder Piratensäbel. Ist das ein Unterschied? Warum haben sich die Künstler dafür entschieden? Ging es ihnen darum, den mittelalterlichen Stil zu wahren bzw. zu überwinden, oder wurde dieser besondere Waffentyp des Langen Messers aus bestimmten Gründen gewählt?
Sie sind ja ein Blankwaffen-Kenner. Wie sahen denn ungarische Säbel im Jahr 955 n Chr. aus? Hab nur welche aus dem 17. Jh im Inet gefunden.

das da ist ja eine Zeitgenössische Darstellung:
Lechfeld1457.jpg


ich denke der Meringer Säbel soll diesen dünnen gebogenen Darstellen den dieser bärtige ungarische Nikolaus dem grad in den Hals gestochen wird in der Hand hat.
(p.s. diese siegreiche Schlacht ebnete übrigens den Weg zur Gründung des hl römischen Reiches dt Nation und ist eine der wichtigsten Schlachten der dt Geschichte...).

was mich viel mehr umtreibt als das Säbelmodell, welches in der neuen Darstellung drin ist (ist offensichtlich eh verkehrt und zudem womöglich sogar ein Stockfoto eines Piratensäbels), ist die Frage der Ausrichtung des Säbels.

Ist es eine heraldische Regel die Waffen des Verlierers immer gesenkt darzustellen oder gibts da keine Regel?

Danke und und interesssanter Thread
 

Popocatepetl

Ritter Kadosch
27. August 2013
5.066
dazu:

Blasonierung: „In Gold eine silberne Zinnenmauer, belegt mit einer aufsteigenden schwarzen Spitze, in der ein silbernes, golden begrifftes Hunnenschwert erscheint.“[9]
Wappenführung seit 1838, Rechtsgrundlage: Verleihung durch König Ludwig I., Beleg: ignat vom 29. März 1838



The wall is a symbol for the former castle and fortress in Mering. The sword in the lower part is derived from the finding of a Hun's grave in 1808, which contained many swords.
 

Vercingetorix

Großer Auserwählter
22. Juli 2018
1.516
Aber sind denn die Knorpel des Baselstabes/Landschaft tatsächlich als Unterscheidungsmerkmal Teil der Blasonierung?
Ich meine Nein und ich habe zu diesen so genannten "Krabben" nur Mythen gehört. Tatsächlich ist die genaue Herkunft wohl unbekannt.
Sie werden allerdings heute als wesentliches Unterscheidungsmerkmal angesehen.

In der Mundart wird das Wappen der Landschaft als: "Siebedupf" bezeichnet. Das bedeutet frei übersetzt so viel wie sieben Punkte, oder Siebenpunkt.
Es ist eine Anspielung an eben diese sieben "Krabben". Das Wappen des Kantonshauptortes Liestal hat diese offenbar schon früher.

Ich werde mal schauen ob ich dazu mehr finde...
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.566
Die Darstellung ist dem Stil nach aus der 2. Hälfte des 15. Jh., würde ich sagen, und zeigt das 500 Jhare zurückliegende Ereignis im zeitgenössischen Gewande, mit Rittern in voller Rüstung. Ziemlich in der Bildmitte schwingen zwo Arme in roten Ärmeln ein Langes Messer. Die Illustratoren sind sich oft selbst nicht sicher, wie sie die orientalischen Waffen darstellen sollen. (Erinnerungspunkt: Maciejowski-Bibel.)

Die Schlacht auf dem Lechfeld ist eine der entscheidenden der europäischen Geschichte. Ohne Tours und Poitiers, ohne die Lechfeldschlacht, und ohne die Siege über die Wikinger würde Europa heute aussehen wie Afrika: Ein Haufen Fürstentümer, deren Hauptbeschäftigung darin besteht, einander zu überfallen und als Sklaven an die Araber zu verkaufen - aber dafür ist hier nicht der Thread.

Ist es eine heraldische Regel die Waffen des Verlierers immer gesenkt darzustellen oder gibts da keine Regel?
Mir ist zumindest keine bekannt. Vielleicht war das in diesem Fall die Absicht des/der Wappenstifter, das wäre möglich. Dann kann die Ausrichtung des Säbels festgelegt sein. Ich kenne den abgeschlagenen Türkenkopf (komplett mit Rabe) im Wappen der Fürsten Schwarzenberg und den schottischen Löwen mit dem Pfeil im Maul im Wappen der Grafen Surrey, aber bisher kein anderes Beispiel für "Beutewaffen".
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
aha!

ja genau!

danke Popo

in deinem Link ist das Wappen wie es ewig war richtig dargestellt
Mering.jpg

Nämlich mit einem gold begriffenen Säbel und nach oben und nicht nach unten.


Muss mich mal schlaumachen wer und wann das Wappen umdesignt hat und ob das Umdesign überhaupt unter Hinzuziehung eines professionellen Heraldikers stattfand.
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
Müssen Ortswappen eigentlich in der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle hinterlegt sein oder ist die ADW eher ein Geschäftsmodell von dem Pro Heraldica Verein?

Weil in der Vergangenheit gabs ja strikte Regeln was Ortswappen anging, sonst hätte der König sie ja nicht genehmigen müssen.
 

MatScientist

Ritter Rosenkreuzer
21. März 2014
2.799
So ich hab jetzt jemanden aus der Gemeinde gefragt sau interessant.

Im Kriegsfall ist das Meringer Schwert nach oben gerichtet und in Friedenszeiten nach unten und man hatte es nach dem 2. WK vergessen zu ändern.

Aber Original gehörts nach unten.



"Der Schild zeigt eine durchgehende, mit den Zinnen in das goldene Schildeshaupt hineinragende silberne Mauer (wegen der alten Welfenburg, welche sich ehemals in Mering befand) mit einer bis zum Schildeshaupt aufsteigenden schwarzen Spitze, in welcher ein gestürztes Hunnenschwert (welches auf ein im Jahre 1808 im Orte Mering aufgefundenes Hunnenschwert hindeutet) erscheint."


Seine Majestät, König Ludwig I. von Bayern verlieh mit Allerhöchstem Signat vom 29. März 1838 der Gemeinde das Wappen. Auf Nachfrage des Magistrats vom 29. Januar 1912 teilte der königlich bayerische Reichsherold in dessen Ausgabe Nr. 27 vom 15. Februar 1912 oben stehende Worte mit.

Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns (vom 06. August 1979)​


"Die allein maßgebliche Wappenbeschreibung vom 29. März 1838 spricht eindeutig von einem "gestürzten" Hunnenschwert. Dies besagt eindeutig, daß die Spitze des Schwertes nach unten gerichtet sein muß. Wie aus den bei uns verwahrten Akten ersichtlich, ist die Abbildung von 1838, welche die Schwertspitze nach oben zeigt, bereits im 19. Jahrhundert als irrtümlich erkannt und mit einem Änderungsvermerk versehen worden."
 
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