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Der Bericht basiert auf einem 2009 in der grenzwissenschaftlichen Zeitschrift raum&zeit erschienenen Interview mit einer Person unter dem Pseudonym „Carel Clark“. Der 1962 geborene, in Norfolk ansässige Engländer "Carel Clark" berichtet über eine dreiundzwanzigjährige Tätigkeit als freier Mitarbeiter verschiedener Geheimdienste im Zeitraum von 1980 bis 2003 (vgl. Groß 2009, 47). Clarks Selbstdarstellung umfasst eine serielle Beschäftigung bei einer bemerkenswerten Anzahl renommierter Dienste: zunächst bis 1997 bei der Central Intelligence Agency, sodann beim israelischen Mossad, bei der US-amerikanischen Anti-Defamation League, beim britischen MI5, später bei einem nicht näher benannten „polizeilichen Geheimdienst" sowie beim „Geheimdienst eines Forschungslabors" (ebd.). Das angegebene Einsatzgebiet erstreckt sich über neun europäische Metropolen von Paris bis Moskau.
Die Motivation zur Veröffentlichung formuliert Clark im Vorspann des Interviews in jener charakteristisch moralisch-appellativen Diktion, die für das Genre des Whistleblower-Berichts konstitutiv ist: „Diese kriminellen Machenschaften müssen an die Öffentlichkeit, damit sie gestoppt werden können" (ebd.).
II. Überwachungspraktiken
Als Kernaufgabe seiner geheimdienstlichen Tätigkeit benennt Clark zwei Operationsmodi: erstens die Infiltration von Gruppen — genannt werden „kriminelle Banden oder Drogenkartelle", die rechtsextreme „National Front", „Nazis, Skinheads oder Juden" (ebd.) —, zweitens die individuelle Überwachung von Einzelpersonen im Auftrag der CIA. Die Zielgruppen dieser individuellen Überwachung beschreibt er als „Leute, die politisch relevant waren, Oppositionelle, Leute, die gegen große Firmen agierten, zum Beispiel gegen Pharmafirmen" (ebd., 48).
Besondere phänomenologische Dichte erreicht die Schilderung jener Techniken, mit denen die überwachten Personen gezielt destabilisiert worden sein sollen. Clark beschreibt ein Repertoire, das drei Ebenen umfasst: erstens die heimliche Manipulation der Lebensumgebung („So drang ich heimlich in ihre Häuser ein, nahm dort Dinge weg oder verstellte das eine oder andere. Ich löschte Daten auf ihrem Computer", ebd.), zweitens die inszenierte Präsenz des Verfolgers im öffentlichen Raum („indem ich sie verfolgte, immer wieder in ihrer Nähe auftauchte, an der Bushaltestelle, im Bahnhof, etc. Oder wir fädelten einen Kampf auf offener Straße ein, der sich dann vor den Augen dieser Person abspielte", ebd.), und drittens die kompromittierende Datenplatzierung: „zog ich auch bestimmte Inhalte auf seinen Computer wie zum Beispiel kinderpornografische Inhalte, eine Anleitung zur Herstellung einer Bombe" (ebd.).
Die Informationsbeschaffung erfolgte nach Clarks Angaben „über den Abfall, das Telefon, die Post, das Internet" (ebd.), wobei er die technische Entwicklung der Überwachungsmöglichkeiten ausdrücklich betont: „Heute brauchen Sie auch keine Wanzen mehr, um abzuhören. Man belauscht über Handys, ISDN-Telefone oder kleine Parabolantennen" (ebd.).
III. Der Kernkomplex: Mikrowellenwaffen und Radarverfolgung
An dieser Stelle vollzieht das Narrativ jenen Übergang von plausiblen Grundlagenpraktiken zu technomorpher Eskalation, der für die Gattung charakteristisch ist. Clark beschreibt den Einsatz von Mikrowellenwaffen durch „Mitarbeiter von Spezialabteilungen" (ebd.) in technisch konkreter, gleichzeitig aber physikalisch problematischer Darstellung: „Personen können überallhin verfolgt werden über Radar, Satellit, eine Basisstation und ergänzende Computerprogramme. Häufig wurden zum Beispiel drei Radargeräte im größeren Umkreis der Person positioniert. Der Radar sendet elektromagnetische Wellen aus, fängt einige wieder auf, die an der Person auftrafen und zurückkehrten, und wertet das Ergebnis aus" (ebd.).
Die auf diese Weise lokalisierten Personen würden sodann gezielt beschossen; die Wirkungen bezeichnet Clark als Hitze, inneres Brennen, Schmerzen, Brechreiz und Angstzustände, wobei er hinzufügt: „Manchmal blieben auf der Haut Spuren zurück, meist aber nicht. Wenn diese Leute zum Arzt gehen, sagt er, es ist alles O. K. mit ihnen" (ebd.).
IV. Die Eskalation zur „Wahnsinnmachung"
Den zentralen programmatischen Satz des Interviews bildet Clarks Behauptung, moderne Strahlentechnologien erlaubten eine gezielte Beeinflussung des psychischen Erlebens: „Es ist möglich, Ängste, Aggressionen, Nervosität oder Vergesslichkeit auf diese Weise zu fördern. In Kombination mit noch anderen Interventionen kann man eine Person so wahnsinnig machen" (ebd., 49).
Die konkrete Operationalisierung dieser These liefert Clark unmittelbar im Anschluss: „Zum Beispiel werden Radiofrequenzen manipuliert, sodass der Betroffene seinen eigenen Namen im Radio hört oder sein Computer zeigt seinen Namen immer wieder an. Auch werden einer Person gezielt Stimmen gesendet, die ihr Gedanken eingeben oder ihr Tun kommentieren. Ich hörte beispielsweise am Morgen nach dem Aufstehen eine Stimme, die sagte: »Steh auf und verletze!«" (ebd.).
Die institutionelle Abrundung dieser Schilderung liefert Clark mit der Behauptung einer Komplizenschaft zwischen Geheimdiensten und psychiatrischer Versorgung: „manche Personen will man regelrecht in die Psychiatrie bringen. Wenn eine betroffene Person nach Hilfe sucht und zur Polizei oder zum Arzt geht, nimmt man sie nicht ernst. Einige der Ärzte und auch einige Krankenhäuser arbeiten mit den Geheimdiensten zusammen" (ebd.).
Die diagnostischen Kriterien selbst erscheinen in dieser Logik als Werkzeug der Unterdrückung: „Die diagnostischen Richtlinien erlauben es, jemanden als schizophren einzustufen, wenn er sich verfolgt fühlt und Stimmen hört" (ebd.).
V. Dimensionierung
Clark nennt konkrete, quantitativ präzise Zahlen (Stand: 2003): In England würden rund „5 000 Leute" überwacht, bei „circa 15 000 Überwacher" (ebd.); daneben existierten „300 bis 400 kleine Geheimdienstfirmen", gegründet von ehemaligen Polizisten oder Geheimdienstlern, die „vom Innenministerium selbst die Erlaubnis" besäßen zu überwachen (ebd.).
Die internationale Dimension erstreckt sich auf „USA, Deutschland, China, Nordkorea, Russland, Frankreich und England, gewöhnlich ohne das offizielle Wissen der dortigen Regierungen" (ebd.).
Als hintergründige Akteure benennt Clark Konzerne („McDonalds, Coca Cola, oder bestimmte Pharmakonzerne") und das FBI als deren Schutzmacht. Ein klassisch verschwörungstheoretisches Motiv tritt mit der Freimaurerei hinzu: „Eine große Rolle in diesem Netz spielen auch die Freimaurer, von denen es bei der CIA sehr viele gibt" (ebd.). Ergänzt wird dies durch eine biogenetische Verfolgungsdimension: Das Human Genome Project habe „alle Basenpaare des Menschen" analysiert und mit genetischen Daten „bedrohter Völker (Human Genome Diversity Project)" verglichen. Entsprechend sei es stets Aufgabe gewesen, „in den ersten Tagen der Überwachung, DNA- bzw. Blutanalysen dieser Leute zu organisieren" (ebd., 50). Clark stieg aus moralischen Gründen aus, da seine letzten Zielpersonen „ganz normale, nette Menschen" waren (ebd., 50). Er vermutete, dies hänge „irgendwie mit der DNA oder dem Blut dieser Leute" zusammen.
VI. Ausstieg
Der Übergang in den Opferstatus wird durch eine Serie dramatisch eskalierender Verfolgungsszenen markiert: eine dreitausendmeilige Helikopterverfolgung bei einer LKW-Fahrt, ein Überfall auf offener Straße, die mutmaßliche Sabotage des eigenen Motors, eine Explosion dreier Reifen gleichzeitig an einem Dreitonner-Lastwagen, Rückwärtsverfolgung durch drei Autos in hoher Geschwindigkeit. Dass Clark in den Jahren 2003/2004 selbst zur Zielperson von Mikrowellenwaffen geworden sei, begründet er mit den durch sie ausgelösten Aggressionen.
VII. Ratschläge
Die abschließenden Empfehlungen an andere Überwachungsopfer fügen sich konsistent in das etablierte Muster: Vermeidung bestimmter Suchbegriffe („Regierung", „Mind Control") in E-Mails, Achtsamkeit auf „anästhesierende Gase", die Überwacher „durch den Briefkastenschlitz in das Innere" der Wohnung einleiteten (was einen „metallischen Geschmack im Mund" hinterlasse), Umwickeln nicht einsehbarer Briefe mit Aluminiumfolie sowie die Kontrolle der Wohnung mit Hochfrequenz-Messgeräten (ebd.).
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