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Die Macht der Medien

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
5.195
Vielleicht gibt's demnächst sogar Rezensionen, bevor überhaupt der Autor den Gedanken hegt ein Buch zu schreiben.

Wäre nichts ganz neues. Stanislaw Lem hat schon Rezensionen von Büchern, die nie geschrieben wurden, verfasst, die sich sehr unterhaltsam und interessant lasen. Das war aber intellektuell eine ganz andere Hausnummer als das, was die Medien so abliefern. Lem fand es gut, weil er sich die Mühe, das ganze restliche Buch um die Kernthesen herum zu schreiben, sparen konnte und sich stattdessen sehr pointiert auf die wesentlichen Aussagen des fiktiven Buchs konzentrieren und sie von verschiedenen Standpunkten aus erörtern konnte.

Ansonsten liefern die Medien doch mit ihrer Kritik an Prechts noch erschienenem Buch genau das, was Precht bereits im Titel kritisiert. Das ist doch eine schöne Bestätigung, so dass ich gar nicht nachvollziehen kann, warum er sich darüber beklagt. Das Buch kommt mir allerdings ziemlich überflüssig vor. Wer es brauchen würde, liest es nicht, und wer es lesen würde, braucht es nicht.
 

Markus von Stoiker

Geheimer Meister
20. Mai 2010
407
Mir gefällt die Geringschätzung der Meinung in der stoischen Philosophie. Im Vergleich zu Erkenntnissen und Wissen, sind Meinungen die schwächsten Aussagen die Menschen tätigen.

Im positiven Sinne können Meinungen neue Denkanstöße liefern, wenn sie auf Erkenntnissen und Wissen basieren und gute Theorien oder Hypothesen sind.

Was der gegenwärtige Zeitgeist jedoch zeigt, jegliche Äußerungen werden zugleich als Meinungen betrachtet. Das nimmt der Meinung (im demokratischen Sinne) ihre Ernsthaftigkeit. Denn Meinungsfreiheit ist ein wertvolles gesellschaftliches Gut.

Die stoische Kritik an Meinungen ist noch immer berechtigt. Die gegenwärtige Gesellschaft äußert sich viel emotional - seltener rational. Das war die wesentliche Kritik der Stoiker, Meinungen werden oftmals durch Affekte bestimmt und sind eben deswegen die schwächste Aussagen, wenn es um die Wahrheitsfindung geht.

Helene Fischer hat schöne Beine, aber ihre Musik gefällt mir nicht. Meine Meinung. Aber ist diese Meinung ein konstruktiver Beitrag? Oder ein Gedanke, den ich vielleicht besser für mich behalten sollte?

Die Gedanken sind frei, niemand kann sie erraten – und polarisieren nicht, wenn man den Mund hält.

Worte haben Kraft, heißt es in einem Lied von Die Ärzte:

Worte bringen dich zum Lachen, Worte bringen dich zum Weinen
Worte treiben dich zur Weißglut, Worte bringen dich zum Schreien
Transportieren Informationen, Emotionen, Trost und Hass
Lassen Herzen schneller schlagen, machen Feinde, machen Spaß
Worte bringen dich auf die Bühne und in Untersuchungshaft
Füllen Liebesbriefe, Bücher und Gesetze

Letztlich geht es um Dominanz und Macht. Und um die Deutungshoheit, was gesellschaftlich akzeptable Meinungen sind.

Die Wahrheit tut manchmal weh. Die heutigen Meinungen sollen aber nicht verletzend sein. Frei nach der buddhistischen Auffassung, Worte sollen heilsam sein.
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.390
Ansonsten liefern die Medien doch mit ihrer Kritik an Prechts noch erschienenem Buch genau das, was Precht bereits im Titel kritisiert. Das ist doch eine schöne Bestätigung, so dass ich gar nicht nachvollziehen kann, warum er sich darüber beklagt. Das Buch kommt mir allerdings ziemlich überflüssig vor. Wer es brauchen würde, liest es nicht, und wer es lesen würde, braucht es nicht.

Zu Prechts neuem Buch kann ich nichts sagen, denn weder habe ich es gelesen, noch ist es überhaupt erschienen.
Was mir aber an Precht gefällt, dass ist, dass er sich die Mühe gibt, Philosophie und Ethik für Laien verstehbar, ja überhaupt interessant zu machen. Laien, die sich mit dem Thema sonst vielleicht überhaupt nicht beschäftigen würden.
Darüber mögen Intellektuelle die Nase rümpfen ... aber über was rümpfen sie den Zinken denn nicht?

Es gab eine Zeit, da versuchte ich philosophisch Ungebildeter mich mit philosophischen Werken zu bilden, die mir im modernen Antiquariat so in die Hände fielen. Ich quälte mich durch die Texte, bis ich zu Absätzen kam, wie: "Und wie bereits Aristoteles schon sagte: ...." und es folgen fünf Seiten in Altgriechisch. Nicht übersetzt, natürlich.
Aha: Wenn Du kein Altgriechisch kannst, dann hast Du in dieser Abhandlung nichts verloren, Du intellektueller Wurm.

Da sah ich ein: Geisteswissenschaftler sind arrogant. Kein Naturwissenschaftler wäre derart überheblich, auch wenn hier und da eine Mathematik zu beherrschen ist, die man bislang nicht verstand. Aber selbst jene lässt sich mit (zusätzlicher) mathematischer Literatur zumindest im Ansatz nachvollziehen - ein Verständnis der altgriechischen Sprache jedoch dürfte Jahre des Hosenbodens erfordern.

Persönlich habe ich (geisteswissenschaftliche) Intellektuelle oft als sehr vorurteilsbehaftete Menschen erlebt. Sie kategorisieren Äußerungen und Standpunkte in vorgefertigte Schemen von der Größe von Schuhschachteln - und genauso leichtfertig urteilen sie sie ab, ohne sich überhaupt mit den Inhalten auseinander zu setzen. Da kann ich als interessierter Laie oft viel freier sein, denn ich habe die intellektuelle Schere noch nicht im Kopf. Was nicht heisst, ich müsste alles glauben, was ich da lese.
 

Markus von Stoiker

Geheimer Meister
20. Mai 2010
407
Was mir aber an Precht gefällt, dass ist, dass er sich die Mühe gibt, Philosophie und Ethik für Laien verstehbar, ja überhaupt interessant zu machen. Laien, die sich mit dem Thema sonst vielleicht überhaupt nicht beschäftigen würden.

Ich freue mich jeden Freitag auf eine neue Folge von »Lanz und Precht« (Podcast). Medial auch total niedergemacht. Ich hatte zunächst auch etwas anderes erwartet, für mich hält der Podcast jeden Freitag eine Lachgarantie bereit. Wenn's nicht gerade um das Thema Ukraine geht.

Am besten ist die spontane Lanz & Precht Persiflage von Jan Gustafsson. Er charakterisiert die beiden vortrefflich - aber wertungsfrei:
youtube.com/watch?v=WrC2geXVTjo

Mal ehrlich: Precht und Harald Welzer (die beiden Autoren) neigen mitunter zum Zynismus. Nachdem Welzer seine Ausführung in einer Folge von Sternstunde Philosophie beendet hatte, sagte die Moderation Barbara Bleisch: »Ich verstehe, und weil wir Smartphones benutzen sind wir alle dumm.«

Precht und Welzer sind meinungsstarke Persönlichkeiten, die nicht ihre Aussagen so weit konjugieren, dass ihre Aussagen keine Aussagen mehr sind.

Nach dem Motto:
Nach meiner bescheidenen Meinung, könnte es sich vielleicht so verhalten, wenn ich nicht im Irrtum bin, selbstverständlich kann ich mich auch irren und möchte meine Meinung nicht über die Meinung von anderen stellen ...

In früheren Zeiten stand eine solche Rede für einen schwachen Charakter.
 

Giacomo_S

Noachite
13. August 2003
3.390
Precht und Welzer sind meinungsstarke Persönlichkeiten, die nicht ihre Aussagen so weit konjugieren, dass ihre Aussagen keine Aussagen mehr sind.

Nach dem Motto:
Nach meiner bescheidenen Meinung, könnte es sich vielleicht so verhalten, wenn ich nicht im Irrtum bin, selbstverständlich kann ich mich auch irren und möchte meine Meinung nicht über die Meinung von anderen stellen ...

In früheren Zeiten stand eine solche Rede für einen schwachen Charakter.

In der Tat, feige. Journalisten, insbesondere jene in Talkshows, neigen aber zu so einem Wischi-Waschi-Blabla ... legendär sind Kinski-Talks, der sich auf so einen "Scheiss" nie einlassen wollte (Kinski-Frage ans Publikum: "Verstehe ich nicht. Haben Sie das verstanden? Also ich nicht.")

Wieviele Philosophen braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln?
Das kommt darauf an. Die Logik, die Wahrscheinlichkeiten, das Universum ...
 

Markus von Stoiker

Geheimer Meister
20. Mai 2010
407
Wieviele Philosophen braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln?
Precht schafft es alleine! 💪 Im Podcast kamen sie einmal auf das Thema. Precht meinte, er braucht eine halbe Ewigkeit, um in die Gänge zu kommen, eine kaputte Glühlampe auszuwechseln. Aber ist anschließen sehr stolz auf sich. 🤣

Schopenhauer und Kant hatten noch Dienstpersonal. Denker haben wenig Zeit für alltägliche Dinge.

Das sind natürlich Dialoge die die Welt nicht braucht. Ich finde es kopfschüttelnd amüsant. Haben die gerade wirklich diesen Dialog geführt?

Meine Favoritin ist Lisa Eckhart. Aus der »Übermensch-Perspektive« sieht sie auf die Krönung der Schöpfung herab.

Kein anderes Lebewesen macht so viel Stuss, wie wir Menschen, um dem Leben einen oberflächigen Sinn zu geben. Das ist die Verdammnis in der wir leben.

Und wenn Personen wie Eckart darauf aufmerksam machen, dann legen sie sich selbstverständlich mit (fast) allen an.

Kritisches Denken: der zentrale Aspekt einer selbständigen und selbstbestimmten Persönlichkeit - steht auf dem Buchrücken von Jonas Pfister »Kritisches Denken«.

Wenn die Mehrheit das praktizieren könnte, dann wäre es das Aus für die Medien (wie sie derzeit bestehen).

Es ist ein Bestreben der Medien - in kapitalistischen Gesellschaften - das zu verhindern. Die Menschen werden in geschickter Weise verunsichert und abhängig gemacht.
Zuerst kommt eine Sendung über den Schönheitswahn in der Gesellschaft, danach kommt die Sendung "Bin ich zu dick?" und zuletzt die Sendung "Die besten Gyms in Deiner (man muss ja einen persönlichen Bezug aufbauen) Nähe".

Das Prinzip wird auf jedes Thema angewandt. Will Putin die Weltherrschaft? Stehen wir vor dem nächsten Weltkrieg? Und dann wieder. Im Grunde ist Putin ein armes Würstchen, der eh bald den Löffel abgibt.
 

Viminal

Großer Auserwählter
10. Juni 2009
1.952
Es ist ein Bestreben der Medien - in kapitalistischen Gesellschaften - das [kritisches Denken der Menschen] zu verhindern. Die Menschen werden in geschickter Weise verunsichert und abhängig gemacht.
Ergänzung in eckigen Klammern von mir um das Zitat kurz zu halten.

Das impliziert es gäbe Gesellschaften wo das nicht so ist und wo Medien das kritische Denken der Menschen grundsätzlich fördern? Also mir fallen keine real existierenden ein.
 

Markus von Stoiker

Geheimer Meister
20. Mai 2010
407
Das impliziert es gäbe Gesellschaften wo das nicht so ist und wo Medien das kritische Denken der Menschen grundsätzlich fördern?

Dann bin ich falsch verstanden. Deswegen schrieb ich:
Meine Favoritin ist Lisa Eckhart. Aus der »Übermensch-Perspektive« sieht sie auf die Krönung der Schöpfung herab.

»Übermensch-Perspektive« steht hier für einen Idealzustand. Dieser Idealzustand besteht natürlich nicht. Man kann aber daraufhin arbeiten, oder aktiv dagegen steuern.
Zum Idealzustand...
In dem erwähnten Buch von Pfister steht sinngemäß ein schöner Satz.
Nur weil etwas nicht erreichbar ist, ist das kein Grund nicht danach zu streben.

Ich hätte mich differenzierter zu »den Medien« äußern sollen. Es gibt Medien die z.B. ihrem Bildungsauftrag verantwortungsvoll nachkommen. Und es gibt Medien (mit dem Begriff Medium ist ein vermittelndes Element gemeint) die ihre eigenen Interessen verfolgen, also Unternehmen sind. Im Grunde der alte Hut: Öffentlicher Rundfunk vs. Privatsender. Boulevard vs. Seriosität.

Naturgemäß brauchen Menschen Orientierungshilfe. Das macht Menschen anfällig für Manipulationen. Das alles hat Einfluss auf Meinungen, Entscheidungen und Konsumverhalten.

Im Grunde nichts neues. Trotzdem gibt es Menschen die ihre Bildung aus der Bild haben.
 

Markus von Stoiker

Geheimer Meister
20. Mai 2010
407
Zum eigentlichen Thema. Eine kurze Recherche zu Ulrich Teusch. Dabei fand ich:
Teusch unterscheidet im Buch und im Gespräch zwischen einem engen Mainstream und anderen großen Medien, die nach wie vor für Qualitätsjournalismus stünden. Es sei kein Zufall, dass dieser "integre, ehrliche, gute Journalismus" seine Bastionen im Öffentlich-Rechtlichen habe.

Im Grunde mein Tenor. Bei dem von mir erwähnten aktuellen Buch von Precht und Welzer, soviel hatte Precht verraten, geht es unter anderem um das Thema, das die Medien nicht durch die Bundesregierung beeinflusst werden.

Ich selbst bin aber auch der Meinung, einen überraschenden Sinneswandel in den Medien wahrgenommen zu haben. Ich bekenne mich dazu kein Pazifist zu sein, aber war doch erschrocken, wie innerhalb weniger Tage Menschen vom Militär im Fernseh zu sehen waren. Normalerweise bekommen diese im öffentlichen Raum kaum die Möglichkeit in Erscheinung zu treten. Mir sind die Militärs nur bei Welt und n-tv aufgefallen. Beide Sender betrachte ich kritisch.

Auch interessant:
In einem Interview mit The Nation behaupteten zwei ehemalige CIA-Offiziere, dass Axel Springer 7 Millionen USD von der CIA erhalten habe, um mit seinem Verlag amerikanische geopolitische Interessen zu unterstützen. Springer stimmte angeblich zu und begann, die redaktionelle Ausrichtung auf die Unterstützung der US-Außenpolitik auszurichten.
 

Viminal

Großer Auserwählter
10. Juni 2009
1.952
Ich selbst bin aber auch der Meinung, einen überraschenden Sinneswandel in den Medien wahrgenommen zu haben. Ich bekenne mich dazu kein Pazifist zu sein, aber war doch erschrocken, wie innerhalb weniger Tage Menschen vom Militär im Fernseh zu sehen waren. Normalerweise bekommen diese im öffentlichen Raum kaum die Möglichkeit in Erscheinung zu treten.
Es geht ja auch um Krieg. Bei anderen Themen werden auch - mehr oder weniger qualifizierte - Fachleute in den Medien präsentiert. Wann kam denn z.B. vor Corona mal groß ein Virologe in den Medien vor?
Ich kritisiere Medien auch gern und sehe eine Menge negatives, aber allein aus dem Vorkommen von bestimmten Personengruppen einen Sinneswandel zu konstruieren finde ich nicht gerechtfertigt. Wenn überhaupt müsstest Du schon nachweisen dass diese z.B. nicht kritisch genug befragt worden oder im Übermaß irrelevante bzw. falsche Aussagen trafen.
 

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