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Shitstorm wegen Karikaturen

IchMagMeinStauder

Erhabener auserwählter Ritter
6. Februar 2017
1.194
Shisha, schlaf doch mal wieder richtig aus.
Ansonsten ist mit dem rhetorischen Mittel namens Neologismus alles gesagt und in Butter.

Aber Argumente kommen wohl nicht mehr.
 

Lupo

Prinz der Gnade
3. Oktober 2009
4.279
Verbalisierung funktioniert nur mit Begriffen die auch existieren.
Es tut mir leid, dass das nicht alles einfacher ist. Aber so ist das mit Sprache.
Da bin ich verblüfft:

Der Erste und jeder Weitere, der irgendwann mal die Idee hatte, den Begriff "Verb" zum Verb "verbalisieren" zu verbalisieren ist wahnsinnig geworden, weil er aus dem von ihm verursachten Paradoxon nicht mehr herauskam. Ein neues Wort funktioniert nämlich nur, wenn es bereits existiert. Folglich kann es das Verb "verbalisieren" nicht geben und es wird es auch niemals geben.

Armer Kerl, aber so ist das nun mal mit Sprache. Völlig ungeklärt, woher die Worte in ihr kommen.

Das gilt logischerweise auch für die Substantivierung von "verbalisieren", also das Wort "Verbalisierung". Sie werden niemal existieren, weil sie noch nicht existieren. Keine Chance. Jeder Text, der diese merkwürdigen Buchstabenfolgen enthält, ist vollkommen unverständlich.

Leichte Außenlandung, würde ich sagen. Bin mal gespannt, ob der Urheber das Format hat, auch mal herzlich über seine Stilblüte zu lachen. Mir wäre ein Lachreflex allemal lieber als sein dauernd zur Schau gestellter Beißreflex. Aber: "Chaqu'un à son ragoût.", wie meine Derutschlehrerin den Italienern in den Mund zu legen pflegte.
 

Lupo

Prinz der Gnade
3. Oktober 2009
4.279
Eieiei, da haben aber manche ganz schön Muffen vor starken Frauen, kann das sein? :rofl:
Letzthin hörte ich den Spruch "Wer Eier hat kann auch starke Frauen neben und über sich akzeptieren".
Lass ich mal so stehen
Also, dann jetzt noch diesen Handschuh abarbeiten. Wird aber was Größeres ....

Zwischen Muffen haben und akzeptieren besteht noch ein gewisser Unterschied. Aber sofern das, was sogenannte „Stärke“ ausmacht, von Frau Schick und Frau Schrupp repräsentiert wird, habe ich tatsächlich ein Akzeptanzproblem. Ich könnte so einen Menschen weder über mir, noch neben mir, noch sonstwie in meiner Nähe ertragen.

Allerdings entspringt dieser dümmliche Ausspruch mit den Eiern auch einer Denke, die mir völlig fremd ist. Und leider muss ich da jetzt ein bisschen weiter ausholen.

Wie kann ich einen anderen Menschen und mich selbst beschreiben? Da gibt es doch hoffentlich ganz viel mehr und ganz viel wichtigeres als nur das, was man in der Hose oder der Bluse hat. Es ist sexisitisch und primitiv, einen Menschen darauf zu reduzieren. Ein paar Defnitionen vorweg:

1. Zunächst einmal hat ein Mensch Eigenschaften, die objektiv feststellbar sind, die nichts über seinen Wert aussagen. Die hat er einfach ohne sein Zutun, ohne dass damit ein Verdienst verknüpft wäre. Das sind genau auch die Eigenschaften, die auch im Diskrminierungsverbot aufgeführt sind: Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Ethnie usw. Wenn ich diese Eigenschaften nicht nutze, um jemanden deswegen zu diffamieren, kann ich sie auch nicht nutzen, um jemanden damit in den Himmel zu heben.

2. Dann hat ein Mensch Fähigkeiten, Wissen, Kenntnisse, die er sich selbst angeeignet hat.

3. Weiter gibt es Primäre Tugenden, früher mal Kardinaltugenden genannt. Die Einengung auf 4 Kardinaltugenden (Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung) erscheint mir etwas eng, weil Dinge wie Fairness im Umgang, Respekt vor Anderen, Fähigkeit zur Objektivität usw. fehlen. Klingt verstaubt, aber macht mit Folgendem Sinn:

4. Es gibt noch Sekundärtugenden wie z.B. Pünktlichkeit, Ordnung usw, die zwar positiv, aber ambivalent sind. Zu etwas Gutem werden sie erst, wenn sie zur Umsetzung einer Kardinaltugend dienen. Ansonsten kann man damit auch ein KZ betreiben, wie Lafontaine mal sagte. Dazu zähle ich auch Stärke im Sinne von Durchsetzungsvermögen, Beharrlichkeit usw.

5. Und natürlich noch die vielen kleinen, schwer zu beschreibenden Faktoren, die dazu führen, dass einem jemand sympathisch oder liebenswert oder als das Gegenteil davon erscheint. Als erwachsener Mensch sollte man sich so weit im Griff haben, um zu erkennen, dass dies vollkommen subjektiv und folglich mit Vorsicht zu genießen ist.

Das kann man bestimmt noch verfeinern, aber für meinen Zweck reicht’s.

Von all diesen Eigenschaften ist einzig und allein nur die neutrale Eigenschaft „männlich/weiblich“ geschlechtsspezifisch. Fähigkeiten, Primär- und Sekundärtugenden und Sympathiefaktoren sind völlig unabhängig vom Geschlecht.

Der Terminus „starke Frau“ betrifft also eine Sekundärtugend eines anhand einer neutralen Eigenschaft willkürlich herausgegriffenen Menschen. Und damit ist er vollkommen nichtssagend und irrelevant.

Komme ich wieder zurück zu Frau Schick und Frau Schrupp, sind diese Frauen zweifelsohne wortgewaltig und durchsetzungsstark. Wenn ich sie nicht über oder neben mir akzeptieren kann, liegt es weder an ihrer Stärke, noch daran, dass sie Frauen sind. In dem, was ich von ihnen gelesen habe, nehme ich sie als einfältig, manipulativ, selbstgerecht, egoistisch und mit wenig Fähigkeiten ausgestattet wahr, die mir einen Respekt abnötigen würden. Also nichts, was ihrer Stärke einen Wert verleihen könnte und beileibe keine Eigenschaften, die ich wertschätzen würde.

Männliche/Weibliche Eigenschaften. Frau Schrupp glänzt an einer Stelle ihres Traktats zum Feminismus damit, z.B. Soziale Kompetenz als „weibliche Eigenschaft“ darzustellen. Insgesamt neigt der Feminismus dazu, allem, was irgendwie positiv konnotiert wird, den Stempel „weiblich“ aufzudrücken. Ich halte das für einen Quatsch und eine Unverschämtheit obendrein. Wie gesagt, Tugenden sind geschlechtsneutral.

Ich behaupte damit nicht, dass es neben den körperlichen keinerlei Unterschiede zwischen Mann und Frau gäbe. Das wäre absurd. Aber ich sage, dass diese Unterschiede kaum eine Rolle spielen und nicht überbewertet werden dürfen:

Angenommen, man schafft es alle erdenklichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Tugenden usw., die eine bestimmte Personlichkeit ausmachen können, in einer Grafik dazustellen. Bildet man eine Grafik mit den Durchschnittswerten aller Frauen, wird sich diese sicherlich von der Grafik der Durchschnittswerte aller Männer unterscheiden.

Bricht man es aber auf reale Personen herunter, werden sich die Grafiken zweier Männer oder zweier Frauen mitunter erheblich stärker voneinander unterscheiden als sich die männliche und weibliche Durchschnittsgrafik voneinander unterscheiden. Man wird also bei einer individuellen Grafik niemals herauslesen können, ob es sich um die Grafik eines Mannes oder einer Frau handelt. Und wenn man ein bestimmtes Profil sucht, wird man nie sagen können, ob sich nun ein Mann oder eine Frau besser eignet.

Zudem wird man von einem erwachsenen Menschen erwarten können, dass er an sich und seiner Eigenschaftsgrafik arbeiten und diese in Einklang mit den an ihn/sie gestellten Anforderungen bringen kann. Menschen sind weder statisch, noch durch ihr Geschlecht per se festgelegt.

„Typisch Mann/typisch Frau“ mag zwar vielleicht noch bei Betrachtung der Durchschnittsgrafiken zutreffen, für eine einzelne Person sicherlich nicht.

Und dies ist das stärkste Argument für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Einfach, dass es rassistisch und diskrimmirend (oder das Gegenteil davon) und überdies sachlich falsch ist, einer Individuellen Person anhand eines objektiven Merkmals irgendwelche Fähigkeiten und Tugenden zu- oder abzusprechen.

Daraus folgt die Forderung nach Chancengleichheit: Jeder Mensch, der die erforderlichen Fähigkeiten und Tugenden für ein Amt, eine Stelle als Chef usw aufweist, soll die selbe Chance wie jeder andere Mensch haben, diese Posiion zu erreichen. Das Geschlecht kann kein Hinderungsgrund, aber auch kein Qualifikationsmerkmal sein. Ob die Person, die ein bestimmtes Amt erhält und ausübt, nun Mann oder Frau ist, hat keinerlei Relevanz. Das einzig maßgebliche Kriterium ist, ob diese Person befähigt ist und ihren Job gut macht.

Damit ist eine Quotenregelung absolut kontraproduktiv. Es ist mir entsprechend vollkommen mumpe, dass mit UvdL nun erstmals eine Frau EU-Ratspräsidentin geworden ist. Na und? Aber zu begrüßen ist zweifellos, dass dieser Posten auch Frauen offen steht.

Und damit nochmal zurück zur Frage mit den Eiern: Ich finde es gut, wenn die Menschen über und neben mir ihre jeweiligen Positionen gut wahrnehmen und alle Eigenschaften mitbringen, die dafür erforderlich sind (und hoffe, dass sie das Gleiche über mich sagen). Auch gerne Stärke, wenn sie im Dienst der Sache steht und nicht als Sekundärtugend nur das Eigeninteresse verfolgt. Ob diese tollen Menschen nun Männer oder Frauen sind, ist mir dabei völlig wurst.

Mit einer Ausnahme: Bei dem Menschen an meiner Seite habe ich schon Wert darauf gelegt, dass sie eine Frau ist. Nebenbei bemerkt eine starke Frau. Mit einigen guten Eigenschaften, die ich nicht habe. Aber auch umgekehrt. Und das Schönste daran ist: Die Unterschiede münden nicht in eine Rivalität, nicht in ein Vergleichen, wer besser oder schlechter ist. Nein, wir ergänzen uns gegenseitig und sind ein starkes Team. Dabei brauchen wir niemanden der dominiert und „die Hosen anhat“. Schade, dass so etwas offenbar nur im Kleinen funktioniert.

Sorry - war jetzt ein langer Text. Ich hoffe, kein tldr. Aber ich wüsste nicht, wie ich es kürzer schreiben könnte.
 

Sonsee

Großer Auserwählter
1. Juni 2016
1.815
Hallo Lupo,
da ziehe ich den Hut, bei so viel ernsthafter Nachdenklichkeit, über das Thema Chancengleichheit. "Ein großer Bruder, ist auch für die Schwester, ein echter Glücksfall"!
 

Popocatepetl

Prinz des Tabernakels
27. August 2013
3.830
in großen teilen gebe ich lupo recht, doch den einfluß des "kleinen unterschiedes" würde ich dann doch nicht ganz so klein reden wollen. immerhin sind wir keine roboter...
 

paisley

Erlauchter Auserwählter der Fünfzehn
11. Februar 2014
1.048
Dankeschön, Lupo
es ist ein Talent, die Dinge so servieren zu können
dass nichts unbeleuchtet bleibt
aber auch nichts davon weglassbar wäre
und man durch allem hindurch spürt,
dass es Dir wirklich von Herzen gut geht in dieser lebendigen Beziehung.
Das, was im Kleinen funktioniert ist die Basis für das Prinzip Hoffnung.

„ Es steht etwas über unseren schaffensfreudigen Gedanken, das feiner und schärfer ist als sie. Es sieht ihrem Entstehen zu, es überwacht, ordnet und zügelt sie, es mildert ihnen oft die Farben, wenn sie Bilder weben, und hält sie am knappsten, wenn sie Schlüsse ziehen. Seine Ausbildung hängt von der unserer edelsten Fähigkeiten ab. Es ist nicht selbst schöpferisch, aber wo es fehlt, kann nichts Dauerndes entstehen; es ist eine moralische Kraft, ohne die unsere geistige nur Schemen hervorbringt; es ist das Talent zum Talent, sein Halt, sein Auge, sein Richter, es ist — das künstlerische Gewissen. „
Marie von Ebner-Eschenbach
 

Lupo

Prinz der Gnade
3. Oktober 2009
4.279
Danke für den Einwand, poca.

Ich hätte vielleicht etwas deutlicher machen sollen, dass mein Beitrag sich im Wesentlichen auf das bezieht, was Frauen im Rahmen der Diskriminierung vorenthalten wurde. Also gesellschaftliche Präsenz und Teilhabe, Übernahme von Verantwortung usw. Und auf diesem Gebiet ist der kleine Unterschied allein nicht bedeutsam genug, jemandem bei etwas vorzuziehen oder zu benachteiligen. Dass im Unterscheid dazu der "kleine Unterschied" das alltägliche Leben erst richtig bunt macht, steht ja ganz außer Frage.

Ein "Grenzgänger" fällt mir hier noch ein:

Logischerweise sollte man Regeln nur dort anwenden, wo sie auch Sinn machen. Bei gesellschaftlichen Themen mit klarem Bezug auf's Geschlecht (z. B. Schwangerschaft, religiöse Beschneidung männlicher Babies) ist klar, dass Zugehörigkeit zum betreffenden Geschlecht automatisch mehr Kompetenz bedeutet. Eine sture Geschlechtsneutralität kann bei diesen Themen nicht funktionieren bzw keine gescheiten Ergebnisse bringen.

Aber auch hier sollte man erwarten können, dass erwachsene Menschen sich ihrer Grenzen bewusst sind und sich gegebenenfalls angemessen verhalten. Wer damit nicht imstande ist, auch mal zurück zu stecken, wo es nötig und sinnvoll ist, mag "stark" sein, hat aber ein jämmerliches Ego und nichts an einer verantwortungsvollen Position verloren.

Gleichzeitig meine ich aber auch, dass die Existenz derartiger Themen nicht zu irgendwelchen Verallgemeinerungen führen darf.
 
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