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Transhumanismus / Selbstevolution - Gefahr oder Fortschritt?

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Zur Zeit des transatlantischen Sklavenhandels gab es keine Feudalstaaten mehr.

Ist es eigtl. intellektuell derart fordernd, einfach mal eine Frage zu beantworten, die ich stelle?
Also ich glaube trotzdem, dass durch die westlichen feudalen Länder und die westlichen kapitalistischen die meisten Menschen auf der Welt gestorben sind, durch ihre Politik, ihre Kriege und einschließlich den Hybriddenkriegen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
22.800
Ja, wenn Sie das glauben, obwohl Sie keine Ahnung haben, kann ich das auch nicht ändern. Was ist mit Mongolen, Tataren, Arabern, Azteken und den hundert chinesischen Bürgerkriegen? Meinen Sie nicht, daß eine Ritterschlacht mit ein paar dutzend oder allenfalls hundert Toten dagg. ziemlich abstinkt?
 

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Ja, wenn Sie das glauben, obwohl Sie keine Ahnung haben, kann ich das auch nicht ändern. Was ist mit Mongolen, Tataren, Arabern, Azteken und den hundert chinesischen Bürgerkriegen? Meinen Sie nicht, daß eine Ritterschlacht mit ein paar dutzend oder allenfalls hundert Toten dagg. ziemlich abstinkt?
Ich habe in einer Und-Gleichung geschrieben und die kapitalistischen Länder mitgenannt. Nicht nur die feudalen Länder!
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
22.800
Und warum wollen Sie den Feudalstaaten angeblich Verbrechen anderer Staaten zuschieben?

Als ich finde, Sie und die Sowjets haben so viele Menschen ermordet, man sollte Sie lebenslänglich einsperren.
 

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Mir ging es weniger um die von mir genannten Beispiele als solche, sondern darum, Mechanismen auszuzeigen, die immer nach demselben Schema abzulaufen scheinen:
Erst wird eine neue Technologie von den Spinnern adaptiert. Dann wird sie von Unternehmen eingeführt. Schließlich wird sie gesellschaftsfähig, um sich am Ende zu einem Standard zu etablieren, ohne den kein Mensch mehr leben kann. Deshalb nicht, weil sich die Gesellschaft durch die neue Technologie bereits so verändert hat, dass es nicht mehr möglich ist.

Man weiß nicht, wo es lang geht. Aber man muss aufpassen, das nicht negatives rauskommt.

Der Nutzmensch in der modernen Stallökonomie des Systems
Aus Fleiß und Lebenszeit wird Profit geschöpft, die Bürger dienen als Rohstoff für ein System, das ihnen kaum zurückgibt. Überall spiegelt sich die Gier der Elite wider, von Bürokratieflops bis zu Luxusausgaben, während die Mehrheit nur das Nötigste erhält.

 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
22.800
Und in Wahrheit lebt die halbe Industrie davon, die Arbeiterklasse mit nutzlosem, häßlichen, nach drei Jahren auseinanderfallenden Krempel zuzuschütten. In Wahrheit bieten die besten Geschäftsstraßen nur noch Ramsch für die unteren Einkommens- und Bildungsschichten an, werden Wiesen und Felder mit Zipfelmützenhäusern für den unteren Mittelstand zubetoniert, gibt es für den oberen Mittelstand höchstens noch dasselbe in teuer, aber nicht in besser.
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.851
Und in Wahrheit lebt die halbe Industrie davon, die Arbeiterklasse mit nutzlosem, häßlichen, nach drei Jahren auseinanderfallenden Krempel zuzuschütten. In Wahrheit bieten die besten Geschäftsstraßen nur noch Ramsch für die unteren Einkommens- und Bildungsschichten an,

Aus diesem Hamsterrad bin ich schon lange ausgestiegen ... oder arbeite zumindest daran. Es war mir schon immer ein Rätsel, mit was für einem Nippes manche meiner Zeitgenossen ihre Wohnungen so ausstatten. Den man dann auch noch zu pflegen hat, weil er mit der Zeit einstaubt.

Unlängst war ich, zum ersten Mal, in so einem städtischen Gebrauchtwarenladen mit Hausrat aus Haushaltsauflösungen (ein Tipp: Solltest Du mit dem Golf spielen zu beginnen wollen, dann geh da hin. Du findest ein großes Sortiment an Golfausrüstungen.)
Was ich eigentlich haben wollte, das gab es nicht (Backbleche). Nun gut, dachte ich mir, wenn du also schon einmal hier bist, dann schaust du halt einmal, was es denn sonst so gibt. Vielleicht gibt es ja etwas, das du brauchen kannst ...
... nix, nitschewoi, rien.
Ich nahm mir durchaus Zeit, ich schlich über eine Stunde und mehrmals durch die Gänge, und fand ... nichts, das ich in irgendeiner Form brauchen könnte. Im Grunde Dinge, die selbst die Welt nicht (mehr) braucht. Raclette-Sets. Fussmassage-Geräte. Alte All-In-One-Laserfaxgeräte. Schreibmaschinen. Reiskocher. Fertigsuppen-Speiseaufwärmer. Wahrscheinlich ist das so ein Laden, den man immer wieder mal aufsucht, um zu schauen, was so gibt, für Gelegenheiten. Nur fahre ich auch knapp eine Stunde da raus ...

Die Dinge waren noch in einem ordentlichen Zustand, was vor allem der Tatsache geschuldet schien, dass sie so gut wie nie benutzt wurden. Menschen hatten sie gekauft, weil sie irgendeinem Trend nachgerannt sind, wie dem nach Raclette-Sets, haben es ein- oder zweimal benutzt, und dann stand es nur herum. Das brauche ich nicht, es ist mir auch ein Rätsel, warum Menschen so etwas tun.
Tatsächlich verfolge ich, oder versuche das zumindest, den umgekehrten Weg. Was ich nicht gebrauchen kann, was ich ein Jahr lang nicht gebraucht habe - das fliegt raus. Denn ich muss es lagern, es belastet mich nur und meine Wohnung ist klein.
 

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Die Dinge waren noch in einem ordentlichen Zustand, was vor allem der Tatsache geschuldet schien, dass sie so gut wie nie benutzt wurden. Menschen hatten sie gekauft, weil sie irgendeinem Trend nachgerannt sind, wie dem nach Raclette-Sets, haben es ein- oder zweimal benutzt, und dann stand es nur herum. Das brauche ich nicht, es ist mir auch ein Rätsel, warum Menschen so etwas tun.
Tatsächlich verfolge ich, oder versuche das zumindest, den umgekehrten Weg. Was ich nicht gebrauchen kann, was ich ein Jahr lang nicht gebraucht habe - das fliegt raus. Denn ich muss es lagern, es belastet mich nur und meine Wohnung ist klein.
Du sagst, deine Wohnung ist klein. Jetzt könnte ich wetten, es gibt gestimmt einen Transhumanisten, der sagt: "Lade dich doch hoch ins Internet, dort gibt es keine Platzprobleme, sondern dort hast du genügend Platz!" :D
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.851
Du sagst, deine Wohnung ist klein. Jetzt könnte ich wetten, es gibt gestimmt einen Transhumanisten, der sagt: "Lade dich doch hoch ins Internet, dort gibt es keine Platzprobleme, sondern dort hast du genügend Platz!" :D

Da gibt es die eine Fraktion von Spinnern, wie Ray Kurzweil, die davon träumen, ihr physisches Leben bis zur Unsterblichkeit zu verlängern. Und es gibt die andere Fraktion von Spinnern, die glauben, sie könnten ihr Bewusstsein einfach "auslesen" und in einen Computer übertragen.

Vor ein paar Jahren las ich so einen Erguss der zweiten Fraktion. Es war ziemlich gruselig, wie aus einem B-Picture-Horrorfilm, aber der Cyber-Autor meinte es ernst. Er beschrieb eine Maschine, die den Körper am Leben erhält, während sie einem auf Nano-Ebene das Gehirn wegraspelt. Alle Ladungszustände der Neuronen werden nach und nach ausgemessen und in einen Computer übertragen, bis das Ende des Hirnstamms erreicht ist. Dann bricht der Körper zusammen und stirbt, während zeitgleich "das Bewusstsein" in den Computer übertragen ist und dort "ewig" weiter existieren kann.

Was mich an solchen Konzepten stört: Die unglaubliche Dummheit von Menschen, die dergleichen vertreten. Es sollte doch einem jeden klar sein, egal, worum es auch immer geht: Eine Kopie ist niemals dasselbe wie das Original. Wie kann man das Bewusstsein eines Menschen auf seine neuronalen Ladungszustände reduzieren? Wo bleibt da überhaupt die Einmaligkeit des Individuums? Einmal im Computer angekommen, wäre alles beliebig kopierbar. Existiert das "ich" dann mehrfach? Dabei haben wir irgendwelche, seit Anbeginn der Menschheit existierende, aber letztlich noch immer ungelöste, grundsätzliche Fragen wie die nach der Seele noch nicht einmal angekratzt.
Ganz davon abgesehen, dass ich körperlos in einem Computer überhaupt nicht existieren wollte.

Egal, wie man es dreht und wendet, ob jetzt aus der materialistischen Ecke heraus betrachtet, wie etwa diese "Bewusstseins-Kopierer" oder auch aus einer spirituellen Sicht heraus: Ich finde das alles ziemlich unreif, kindisch geradezu.
Es handelt sich schlicht um die Verweigerung, die Realität unserer physischen Welt anzuerkennen, und sich mit den Ecken und Kanten abzufinden, die sie nun einmal hat. Zu akzeptieren, das alles ein Ende hat, nur die Wurst hat zwei.

Aus einer gewissen Sicht heraus ist auch dieser Wunsch nach grenzenlosem Konsum, noch mehr besitzen, eine noch größere Wohnung haben (#127) genauso unreif. Wozu brauche ich das, worin soll darin für mich ein Fortschritt bestehen? Ich liebe meine kleine Wohnung, denn die kann ich auch unterhalten. Hätte ich eine größere Wohnung, dann müsste ich nur viel mehr Aufwand betreiben, diese auch in Schuss zu halten.
Menschen, die sich das eigentlich gar nicht leisten können, kaufen sich völlig überteuerte Smartphones, deren Funktionsumfang sie nur zu einem Bruchteil nutzen. Sie tun es nicht, weil sie es brauchen, sondern weil sie fälschlicherweise meinen, ihr Wert als Mensch sei davon abhängig.
Schau her, ich habe ein iPhone, für mehr als über 1.000€, also bin ich ein toller Hecht?
Dümmlicher kann es wohl nicht mehr sein, oder?

Auch ich gebe durchaus Geld für mein Hobby aus, und ein Hobby bedarf bekanntlich keiner Rechtfertigung. Verstehen tut mein Hobby allerdings kaum jemand, ja, man hält es für etwas verschroben ... aber ich, ich sehe es als eine Art Platform meiner Kreativität. Aktuell arbeite ich in meiner Freizeit daran, für mein Hobby interessierte Mitstreiter zu finden, die es sicher geben wird und die ich finden werde. Denn die einzige Möglichkeit, "unsterblich" zu werden, besteht darin, worin sie schon immer bestand: Kreativ zu werden, und der Menschheit etwas zu hinterlassen, was nach dem Dahinscheiden von Bestand ist.
 

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Da gibt es die eine Fraktion von Spinnern, wie Ray Kurzweil, die davon träumen, ihr physisches Leben bis zur Unsterblichkeit zu verlängern. Und es gibt die andere Fraktion von Spinnern, die glauben, sie könnten ihr Bewusstsein einfach "auslesen" und in einen Computer übertragen.

Vor ein paar Jahren las ich so einen Erguss der zweiten Fraktion. Es war ziemlich gruselig, wie aus einem B-Picture-Horrorfilm, aber der Cyber-Autor meinte es ernst. Er beschrieb eine Maschine, die den Körper am Leben erhält, während sie einem auf Nano-Ebene das Gehirn wegraspelt. Alle Ladungszustände der Neuronen werden nach und nach ausgemessen und in einen Computer übertragen, bis das Ende des Hirnstamms erreicht ist. Dann bricht der Körper zusammen und stirbt, während zeitgleich "das Bewusstsein" in den Computer übertragen ist und dort "ewig" weiter existieren kann.

Was mich an solchen Konzepten stört: Die unglaubliche Dummheit von Menschen, die dergleichen vertreten. Es sollte doch einem jeden klar sein, egal, worum es auch immer geht: Eine Kopie ist niemals dasselbe wie das Original. Wie kann man das Bewusstsein eines Menschen auf seine neuronalen Ladungszustände reduzieren? Wo bleibt da überhaupt die Einmaligkeit des Individuums? Einmal im Computer angekommen, wäre alles beliebig kopierbar. Existiert das "ich" dann mehrfach? Dabei haben wir irgendwelche, seit Anbeginn der Menschheit existierende, aber letztlich noch immer ungelöste, grundsätzliche Fragen wie die nach der Seele noch nicht einmal angekratzt.
Ganz davon abgesehen, dass ich körperlos in einem Computer überhaupt nicht existieren wollte.

Egal, wie man es dreht und wendet, ob jetzt aus der materialistischen Ecke heraus betrachtet, wie etwa diese "Bewusstseins-Kopierer" oder auch aus einer spirituellen Sicht heraus: Ich finde das alles ziemlich unreif, kindisch geradezu.
Es handelt sich schlicht um die Verweigerung, die Realität unserer physischen Welt anzuerkennen, und sich mit den Ecken und Kanten abzufinden, die sie nun einmal hat. Zu akzeptieren, das alles ein Ende hat, nur die Wurst hat zwei.
Ich glaube nicht, dass es bei diesen Menschen sehr schlimm ist, wenn die Kopie durch Übertragungsprobleme einen Fehler hat. :D
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.851
Ich glaube nicht, dass es bei diesen Menschen sehr schlimm ist, wenn die Kopie durch Übertragungsprobleme einen Fehler hat. :D

Da bin ich mir nicht so sicher. Einen noch fehlerhafteren Elon Musk, und sei es nur durch einen Übertragungsfehler, mag ich mir nich vorstellen. Und dann auch noch einen unsterblichen ...
 

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Ein sehr großer Aspekt neben KI/Robotern können in Zukunft Aliens, d.h. andere Rassen werden, z.B.
- so wie Hani, Mahendo'sat, Stsho, Kif, Tc'a and Chi, Knnn in The Chanur novels,
- jeweils intelligente (reptiloide) AAnn, (insektoide) Thranx, (bärenähnliche und übernatürlich begabte) Ulru-Ujurrians, siehe List of Humanx Commonwealth races,
- The Faded Sun Trilogy mit u.a. den Regul, Dusei, (menschenähnlichen) Mri.
- und noch viel mehr.

Ich vermute, dass derzeitige SF/Fantasy-Romane/Filme quasi eine Vorschau auf die Zukunft sind und das die Menschheit relativ bald (z.B. in weniger als 200 Jahren) überlichtschnelle Raumschiffe haben wird. Hightech (Spitzentechnologie) ist die Möglichkeit, damit natürliche Menschen sich behaupten können, z.B. sind vermutlich künstliche Schwerkraft und Trägheitsdämpfung möglich (sehr wichtig für ein Leben in leistungsstarken Raumschiffen).
Das wird gestimmt ein Problem werden, denn jetzt schon haben Leute mit anderen Menschen, die ein anderes aussehen und Herkunft haben, ein Problem.

Im Gespräch: Harald Walach | Transhumanismus führt in eine dystopische Zukunft​

0:00
/60:44

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Prof. Dr. Dr. Walach studierte Psychologie und Philosophie, promovierte in beiden Fächern und hat sich sehr lange mit komplementärmedizinischen Methoden beschäftigt.
Im heutigen Interview geht es um das Thema Transhumanismus. Hierzu hat Prof. Walach auch eine Expertise zum Galileo Comission report verfasst. Und zwar für das gleichnamige "Galileo Comission scientific and medical network".
Den Link zu seinem wissenschaftlichen Text finden Sie im Klappentext. Viel Spaß mit einer Stunde geballter Expertise zum Thema Transhumanismus.
Das Interview führte Markus Fiedler.
Links zum Interview:
Persönliche Homepage von Prof. Walach: http://harald-walach.de/
Interview zu 5G: Im Gespräch mit Manfred Mobilfunk: https://apolut.net/im-gespraech-manfred-mobilfunk/
 

Malakim

Insubordinate
31. August 2004
14.405
Das wird gestimmt ein Problem werden, denn jetzt schon haben Leute mit anderen Menschen, die ein anderes aussehen und Herkunft haben, ein Problem.

Ich halte das für eine absolute Minderheit.
Mit Ostasiaten haben nur wenige Probleme. Meist haben Menschen viel eher Probleme mit inkompatiblen Kulturen es isst nur viel viel leichter alles als rechten Rassismus zu framen.
 

Bunter Hund

Intendant der Gebäude
2. Juni 2025
835
Ich halte das für eine absolute Minderheit.
Mit Ostasiaten haben nur wenige Probleme. Meist haben Menschen viel eher Probleme mit inkompatiblen Kulturen es isst nur viel viel leichter alles als rechten Rassismus zu framen.
Es war allgemein und ironisch gemeint von mir. Ich habe nur damit aussagen wollen, dass Leute sich mit Menschen von fremden Kulturen schwertun. Was soll erstmal werden, wenn die Aliens laden? Achtung: Dieser Test ist nicht ganz, zu 100 %, ernstgemeint!
 

EinStakeholder

Geheimer Sekretär
25. Oktober 2020
647

Dein Smartphone ist dein Gehirn – und jemand könnte es gerade hacken 🧠📱

Stell dir vor, jemand klaut dir dein Smartphone. Ärgerlich, klar. Teures Gerät, viele Fotos, WhatsApp-Verläufe, die nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollten. Aber was, wenn dieser Diebstahl nicht bloß ein Eigentumsdelikt wäre – sondern ein Eingriff in deinen Geist? Was, wenn jemand, der dein Handy hackt, im Grunde deine Gedanken liest? 🤯
Klingt nach Science-Fiction? Ist es nicht. Zumindest nicht, wenn man dem Philosophen S. Orestis Palermos folgt. In seinem frisch erschienenen Buch Cyborg Rights: Extending Cognition, Ethics, and the Law (Routledge, 2025, https://doi.org/10.4324/9781003586371) argumentiert er: Wir sind längst Cyborgs. Und als solche brauchen wir dringend neue Rechte.

Du bist ein Cyborg. Herzlichen Glückwunsch! 🤖

  • Bevor du jetzt nervös an dir herunterschaust und nach Metallteilen suchst: Palermos meint das nicht im Terminator-Sinne. Sein Cyborg-Begriff ist subtiler – und gerade deshalb so beunruhigend.
  • Die philosophische Grundlage bildet die Extended Mind Thesis (Clark & Chalmers): Unser Geist endet nicht an der Schädeldecke. Integrieren wir externe Werkzeuge – Notizbücher, Smartphones – so in unsere Prozesse, dass sie dieselbe Funktion erfüllen wie biologische Gehirnstrukturen, dann sind sie Teil unseres Geistes.
  • Das berühmteste Beispiel ist „Otto": Ein fiktiver Alzheimer-Patient, der sich alles Wichtige in ein Notizbuch schreibt. Für Otto übernimmt das Buch die Funktion des Langzeitgedächtnisses. Warum sollte man es anders behandeln als das biologische Gedächtnis? Otto ohne sein Notizbuch ist wie jeder andere Mensch, dem man Teile seines Erinnerungsvermögens entfernt hätte. Kein angenehmer Gedanke. 😬
  • Palermos geht noch einen Schritt weiter und nutzt das Konzept des Funktionalismus: Es kommt nicht auf das Material an, aus dem ein kognitives System besteht, sondern auf die Funktion, die es erfüllt. Ob ein Speicher aus Neuronen oder aus Silizium besteht, ist irrelevant. Und wenn dein Smartphone strukturell dieselbe Rolle für dein Denken spielt wie ein Stück Hirngewebe, dann ist es eben – philosophisch betrachtet – ein Stück deines Geistes.

Selbstevolution per App-Update – Fortschritt oder Frankenstein? 🧬⚡

  • An dieser Stelle lohnt ein kurzer Seitenblick auf den Transhumanismus – jene Denkrichtung, die den Menschen durch Technologie nicht nur reparieren, sondern radikal verbessern will. Denker wie Nick Bostrom oder Ray Kurzweil träumen vom Upload des Bewusstseins, von kognitiver Superintelligenz, von einer Selbstevolution, die die biologische Selektion in den Ruhestand schickt. Das ist faszinierend, keine Frage. Und für viele auch ein bisschen beängstigend. 🫣
  • Palermos' Buch ist kein transhumanistisches Manifest – aber es steht in einem spannenden Verhältnis zu dieser Debatte. Denn während der klassische Transhumanismus fragt: Wie weit können wir den Menschen optimieren?, stellt Palermos die vielleicht dringlichere Gegenfrage: Wie schützen wir das, was wir durch Technik bereits geworden sind? Der Transhumanismus feiert das Upgrade; Palermos erinnert daran, dass jedes Upgrade neue Angriffsflächen schafft.
  • Und genau darin liegt die Pointe: Selbstevolution durch Technologie ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Wer sich mit einem Cochlea-Implantat das Hören zurückholt, wer mit einem BCI-Chip eine gelähmte Hand wieder bewegen kann, wer sein gesamtes Berufswissen in einer Cloud-Datenbank organisiert – der hat sich bereits über die Grenzen des biologisch Gegebenen hinaus erweitert. Die Frage ist nicht mehr ob wir uns technologisch weiterentwickeln, sondern ob unsere Rechte mit dieser Entwicklung Schritt halten. Palermos liefert hier gewissermaßen das ethische Betriebssystem für eine Spezies, die gerade lernt, sich selbst neu zu programmieren. 💻🧠
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Wenn Hacking zum Gedankenlesen wird 🔓🧠

  • Hier wird es spannend – und unheimlich. Palermos führt den Begriff der mentalen Daten ein: Informationen, die dynamisch in deine kognitiven Prozesse eingebunden sind. Deine Einkaufsliste? Wahrscheinlich nur Daten. Aber das Netzwerk aus Kalendereinträgen, Kontakten, Notizen und Nachrichten, auf das du dich stützt, rückt nah an „mentalen Inhalt“ heran.
  • Unbefugter Zugriff darauf ist kein bloßes Datenschutzproblem, sondern ein Eingriff in die geistige Privatsphäre – Gedankenlesen. Bestehende Datenschutzgesetze sind dafür nicht gemacht. Wir brauchen ein Recht auf „Extended Mental Privacy“.
  • Wie relevant das Thema ist, zeigt eine aktuelle Frage: Kann die Polizei Verdächtige zwingen, ihr Smartphone zu entsperren? Ist das Smartphone Teil des erweiterten Geistes, wäre das Zwang zur Gedankenoffenlegung. Das beschäftigt schon jetzt Gerichte. ⚖️

Deine Erinnerungen löschen? Das ist Manipulation. 🗑️💭

  • Das dritte Thema ist die geistige Integrität. Sind externe Geräte Teile unseres Geistes, können Angreifer unsere mentalen Zustände direkt manipulieren – durch banales Editieren oder Löschen von Daten statt Propaganda.
  • Stell dir vor, jemand verändert Cloud-Einträge eines Alzheimer-Patienten, der dort Erinnerungen speichert. Das wäre keine bloße Datenfälschung, sondern ein direkter Eingriff in das Gedächtnis.
  • Palermos fordert daher, das Recht auf Gedankenfreiheit so zu interpretieren, dass es auch technologische Erweiterungen schützt. Klingt gewagt, wird bei längerem Nachdenken aber plausibel. 🤔

Dein Handy kaputtzumachen ist Körperverletzung 💥📱

  • Jetzt kommt das Argument, bei dem die meisten erst einmal schlucken müssen.
  • Palermos und Adam Carter haben bereits 2016 die These aufgestellt: Das absichtliche Zerstören einer kognitiven Erweiterung – etwa eines Smartphones, das als Gedächtnisersatz dient – sollte nicht als bloße Sachbeschädigung gewertet werden, sondern als Körperverletzung. In Cyborg Rights wird dieses Argument verteidigt, verfeinert und erheblich erweitert.
  • Die Logik: Wenn eine Prothese, die einem Menschen das Gehen ermöglicht, zerstört wird, empfinden die meisten das intuitiv als etwas Schlimmeres als das Beschädigen eines beliebigen Gegenstands. Palermos wendet denselben Gedanken auf kognitive Prothesen an. Wer die digitale Infrastruktur zerstört, von der jemandes Erinnerungsvermögen oder Entscheidungsfähigkeit abhängt, greift nicht ein Ding an – sondern die Person selbst.
  • Natürlich stellt sich die Frage, wo die Grenze liegt. Ist das Zerkratzen meiner Lieblingssonnenbrille dann auch Körperverletzung? 😎 Palermos nennt das Problem den „Bloat of Assault" und begegnet ihm mit einem klaren Kriterium: Entscheidend ist eine dynamische, bidirektionale Integration zwischen Artefakt und kognitivem System. Deine Sonnenbrille trägst du nur – du stehst nicht in einem wechselseitigen Informationsaustausch mit ihr. Dein Smartphone hingegen, in das du ständig Informationen einspeist und aus dem du sie abrufst, könnte die Schwelle überschreiten.

Und was ist mit sozialer Gerechtigkeit? ⚖️🌍

  • Palermos belässt es nicht bei der philosophischen Analyse, sondern denkt auch über soziale Konsequenzen nach. Wenn kognitive Erweiterungen Teile unseres Geistes werden, eröffnet sich eine neue Dimension der Ungleichheit.
  • Wer sich hochwertige, sichere und leistungsfähige kognitive Erweiterungen leisten kann, verfügt über einen erweiterten, besser geschützten Geist. Wer nicht – hat Pech gehabt. Die Kluft zwischen „Cyber-Haves" und „Cyber-Have-nots" wäre dann nicht einfach eine Frage des Wohlstands, sondern eine Frage der geistigen Grundausstattung. Die transhumanistische Verheißung der Selbstoptimierung könnte so zur ultimativen Zweiklassengesellschaft führen: hier die kognitiv Aufgerüsteten, dort alle anderen. Das ist eine Vorstellung, die einem den Schlaf rauben kann. 😳

Was tun? Palermos' Forderungen 🛡️

  • Das Buch endet mit einem konkreten Forderungskatalog. Palermos plädiert für eine Doppelstrategie: Rechtlich fordert er eine Neuinterpretation bestehender Grundrechte (Privatsphäre, Gedankenfreiheit, körperliche Unversehrtheit), um den erweiterten Grenzen des Geistes Rechnung zu tragen. Technologisch schlägt er technological safeguards vor: Mentale Daten müssen so verschlüsselt werden, dass ein Zugriff ohne Zustimmung des Nutzers technisch unmöglich ist – nicht nur für Nachrichten, sondern für den gesamten Bereich der kognitiven Erweiterung.

Fazit: Ein Buch, das unbequeme Fragen stellt – und das ist gut so ✨

  • Cyborg Rights ist keine leichte Strandlektüre, sondern analytische Philosophie auf hohem Niveau. Dennoch schreibt Palermos klar, nachvollziehbar und nutzt konkrete Beispiele statt abstrakter Definitionen. Das macht das Buch hochrelevant: Gehirn-Computer-Schnittstellen und unsere digitale Abhängigkeit lassen die Grenze zwischen Werkzeug und Geist schon heute verschwimmen. Es zwingt uns, grundlegende Kategorien neu zu denken: Wo endet mein Geist? Und welche Rechte brauche ich jenseits meines Schädels? Wir brauchen dringend ein rechtliches Rahmenwerk für diese stattfindende technologische Selbstevolution. Denn mal ehrlich: Wer von uns ist heute kein Cyborg? 🤷‍♂️
 
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