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Der Klimawandel-Schwindel

Nachbar

Ritter Kadosch
20. Februar 2011
5.158
... aber wo sind sie denn eigentlich jetzt, die Vorredner des "Klimawandel-Schwindels"? Man scheint nichts mehr von ihnen zu hören, nicht einmal kleinlaut sind sie, es herrscht völlige Funkstille aus dieser Position.
Tatsächlich. An dieser Ecke ist der Fraktion "Wissenschaft ist auch irgendwie nur eine Meinung" wohl die Realität ein bisschen zu aufdringlich geworden, Frechheit!, was aber zu keinem prinzipiellen Wandel führt. Die meisten derjenigen, die den Klimawandel einfach nicht mehr weggeleugnet kriegen ohne sich dabei als Obst zu fühlen, die fangen deshalb ja nicht plötzlich an, die Wissenschaft zu respektieren (die WISSEN schafft), sondern ziehen sich bloß um einen Schützengraben zurück, nämlich dass der Klimawandel nicht vom Menschen verursacht ist.

Schlachtruf: KLIMAWANDEL GAB ES IMMER!
Gerade erst live von Frau Weidel serviert, im Sommerinterview. Womit sie sogar weiter ist als gute Teile ihrer Partei, die ernsthaft beim Leugnen stecken geblieben sind. "Als ich Kind war gab es auch heisse Sommer", sagt der Afdler, und widerlegt damit eindrucksvoll die gesamte Klimaforschung. Es ist immer wieder schön.

Also, falls dir das fehlt, dieses gelegentliche Vorbeischwirren von Realitätsverweigerern, dann würde ich an deiner Stelle zum nächsten AfD Ortsverein gehen. Einfach warten und den Nächsten schnappen der rauskommt; das sollte passen.
Aber wahrscheinlich hast du da keinen Bock drauf, ich definitiv nicht, denn dann steht einem dieser Mensch gegenüber und man bekommt es mit der Endgegner-Kombination aus Dummheit und Ignoranz zu tun, wogegen kein Kraut gewachsen ist. Keine Chance. Nicht einmal ansatzweise. Allein schon deshalb, weil man direkt nach dem ersten Satz, nach der ersten Frage, als Feind gilt. Error, tilt, insert coin.
Ich kenne ja solche Leute, du vermutlich auch. Die könnten vor einem Mensch gewordenen Kondensat aus Newton, Leonardo da Vinci und Nelson Mandela stehen, aber nützt nix, die merken das nicht, die spüren die Begegnung mit Intelligenz schlicht nicht. Dass es jetzt Zeit für eine Verhaltensänderung wäre, dass man jetzt vielleicht nicht direkt rausposaunen sollte was einem Frau Weidel und fünf YouTuber beigepult haben, sondern dass statt dessen Respekt und Aufmerksamkeit gute Ideen wären, so für den Anfang, ja, aber ... nein. Man bekommt die Kombi aus Dummheit und Ignoranz nicht geknackt, es geht nicht, und das ist wirklich bedauerlich, weil das für den anderen Teil der Gesellschaft die Probleme vergrößert.

Die Dumm-Ignoranz benötigt natürlich auch eine Motivation, einen Antrieb, und das ist die Zugehörigkeit.
Hier ist die MAGA-Sekte ein guter Vergleich, mit ihrem Glaubensbekenntnis der gestohlenen Wahl. Diese Lüge muss man postulieren oder darf sie zumindest niemals öffentlich anzweifeln, nur dann kann man MAGA sein, das ist hinlänglich bekannt. Und echt fuckin' crazy, weil die Realität so offen daliegt wie ein Beutel Zwiebeln im Supermarkt. Aber plötzlich darfst du den Beutel Zwiebeln nicht mehr Beutel Zwiebeln nennen, sondern Steuererklärung. Für mich unfassbar, dass zig Millionen Menschen das mitmachen, die zwar definitiv nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, aber prinzipiell schon dazu in der Lage wären, einen Beutel Zwiebeln zu erkennen.
Könnten sie. Wollen sie aber nicht. Die wollen MAGA sein, die wollen Zugehörigkeit.

Bei der AfD funktioniert das über den Klimawandel. Entweder existiert er nicht, oder wenn doch, dann ist er jedenfalls nicht vom Menschen verursacht. Zwar widerspricht das genauso den Tatsachen wie Trumps vermeintlicher Sieg 2020, aber egal, man will ja zur Bewegung "Rolle rückwärts in die Zukunft" gehören, und entsprechend muss man das leugnen, kann man auch wieder mehr Braunkohle fördern, bis ans Ende aller Tage Verbrenner bauen und, ganz besonders wichtig, man wird niemals zugeben müssen dass die Grünen mal wieder im Recht waren.
Es geht nicht um Inhalte, es geht nicht um Fakten, es geht um eine Zugehörigkeit mit vielen Feindbildern drumrum. Deshalb ist es auch eine reizende aber gänzlich dysfunktionale Idee, die AfD inhaltlich stellen zu wollen.



Hoppla. Aus einer kurzen Anmerkung ist ein längerer Text geworden...
Vielleicht weil es mich wirklich traurig macht, wie die Menschheit mit ihren Lebensgrundlagen und den anderen Lebewesen auf diesem Planeten umgeht. Und weil es mir leid tut, wie viele Existenzen jetzt bereits unter dem Klimawandel zugrunde gehen, zu Tausenden sogar ihr Leben verlieren, während allerorten irgendwelche verkackten Populisten die Realität leugnen um damit die Sehnsüchte und Ängste von Wählern zu triggern. Es ist so widerlich.

Ich selbst lebe seit geraumer Zeit auf einem geostrategisch bedeutungslosen Flecken im Atlantik, und obwohl der Klimawandel keinerlei Grund für den Umzug darstellte, weiß ich den großen Temperaturausgleichsbehälter um uns herum inzwischen sehr zu schätzen.
Es ist schon so, dass räumliche Distanz zu mehr emotionaler Distanz führt, aber ich mag Deutschland ja und wünsche entsprechend gutes Gelingen, und selbstverständlich gilt: man wählt keine Rechtsradikalen!!
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.919
Schlachtruf: KLIMAWANDEL GAB ES IMMER!
Gerade erst live von Frau Weidel serviert, im Sommerinterview. Womit sie sogar weiter ist als gute Teile ihrer Partei, die ernsthaft beim Leugnen stecken geblieben sind. "Als ich Kind war gab es auch heisse Sommer", sagt der Afdler, und widerlegt damit eindrucksvoll die gesamte Klimaforschung. Es ist immer wieder schön.

Selbst wenn man diese persönlichen Erfahrungen - die über eine langfristige Klimaentwicklung wenig aussagen - in die Bewertung einbeziehen will, dann halte ich mit meinen persönlichen Erfahrungen entgegen:

- Vor rund 30 Jahren erlebten wir im Sommer auch mal eine Hitzewelle. Die ging aber dann mal über ein, zwei Wochen im Juli - und das war's dann aber auch. Das Temperaturmaximum lag damals bei 30°C. Allerdings fanden wir eine solche Hitze bereits damals als ungewöhnlich.
- An einen Sommer, bei dem von Anfang Juni bis Ende August eine Hitzewelle die nächste ablöst, mit Maxima von 38°, ortsweise 40°C kann ich mich aber nicht erinnern. Und auch nicht daran, dass mehr oder weniger jeder Sommer in Folge dasselbe Schema aufweist.
- Über Brände und Flutkatastrophen wurde auch damals berichtet. Aber nicht derart, dass diese Naturkatastrophen in mehreren, weit voneinander entfernten Regionen der Welt gleichzeitig auftreten.

Es ist richtig, in der Erdgeschichte gab es immer klimatische Veränderungen. Allerdings passierten sie in geologischen Zeiträumen, in Jahrtausenden oder, wie die Kleine Eiszeit, in Jahrhunderten. Wobei es auch bei letzterer die Vermutung gibt, dass es sich um eine durch Menschen ausgelöste Klimaveränderung gehandelt hat.

Ich selbst lebe seit geraumer Zeit auf einem geostrategisch bedeutungslosen Flecken im Atlantik, und obwohl der Klimawandel keinerlei Grund für den Umzug darstellte, weiß ich den großen Temperaturausgleichsbehälter um uns herum inzwischen sehr zu schätzen.
Es ist schon so, dass räumliche Distanz zu mehr emotionaler Distanz führt, aber ich mag Deutschland ja und wünsche entsprechend gutes Gelingen, und selbstverständlich gilt: man wählt keine Rechtsradikalen!

Ich freue mich ganz ehrlich für Deinen gewählten Lebensort.
Da mir mein eigener Ruhestand in wenigen Jahren bevorsteht, denke auch ich darüber nach, mich noch einmal woanders niederzulassen. Nicht, weil es mir in Deutschland nicht gefiele, nicht, weil ich irgendwo "billiger" zu leben gedenke. Überhaupt, ich ginge nicht aus Frust oder Wut. Sondern vielmehr, weil ich es kann, und weil es doch nett wäre, auf seine alten Tage noch einmal anders zu leben. Derzeit habe ich den Südwesten Frankreichs ins Auge gefasst ...

... oder geht man vllt. doch nicht in den Süden? Besser in den Norden, Skandinavien, das Baltikum? Oder gleich in das südliche Patagonien (Chile)?
 
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